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Die Liga als Laufsteg

Jérôme Boateng und Pierre-Emerick Aubameyang sind die Karl Lagerfelds der Bundesliga. So filigran, wie sie oftmals auf dem Feld kombinieren, so kompromisslos kombinieren sie ihre Kleidung. Eine Ode an den Endgegner der neuen Fußballer-Generation: Den guten Mode-Stil.

Von Marie von den Benken

Jérôme Boateng

Jérôme Boateng bei der Präsentation seiner eigenen Brillen-Kollektion

Das Lieblingshobby von Fußballstars ist offensichtlich, sich bei jeder Gelegenheit und insbesondere mit jedem -Bild in exaltierten Klamotten dem Gespött der Öffentlichkeit preis zu geben. Sie investieren ihre Millionen am liebsten in überteuerte Designer-Mode, durch die sie sich mit einem erstaunlichen Talent für nicht zusammenpassende Kombinationen und übertriebenem Farb- und Bling-Bling-Faktor stets zielgenau ins Fashion-Abseits stellen. Die Evolution von den bodenständigen "11 Freunde müsst Ihr sein"-Zeiten, als es noch als exotisch galt, wenn ein Nationalspieler mal eine bunte Krawatte trug, zu den androgynen Boygroup-Klonen von heute ist unaufhaltsam.

Alle Wege führen nach Jérôme

Fasziniert von der überraschenden Feststellung, dass Fashion-Models heutzutage deutlich mehr von Fußball verstehen, als umgekehrt Fußball-Profis von Mode, blieb mir keine Wahl. Ich habe den FPFO Club gegründet. Den "Fußballprofis Fashion-Opfer Club". Diese Woche stelle ich die Gründungsmitglieder vor.

Unangefochtener Star des Clubs ist . Er darf sich zwar Weltmeister nennen, trotzdem möchte niemand von der AfD neben ihm wohnen. Das wird ihn vermutlich nicht groß stören, denn die Kollegen von der AfD können ihm genau so wenig helfen, wie sie Deutschland helfen können. Obwohl sie das behaupten. Lange Zeit dachte ich ja, "AfD" steht für "Auffangbecken für Dorftrottel". Es heißt aber tatsächlich: "Alternative für Deutschland". Also, nur halt nicht für Nationalspieler mit dunkler Hautfarbe. Die AfD versteht von Menschlichkeit und Politik also noch weniger als von Fußball. Sehr weit her ist es, wenn man sich die Sakkos von Alexander Gauland ansieht, auch im Bereich Fashion nicht. Bei Jérôme Boateng dagegen schon. Er ist einer der Prototypen des Clubs FPFO (Fussballprofi-Fashionopfer). Er glänzt in allen Bereichen:

  1. Mit modischer Top-Frisur in Form einer explodierten Tony Marshall-Perücke 
  2. Mit Anzügen, deren Armlänge für Dreijährige ausgelegt ist 
  3. Als Erfinder der Jogginghose mit eingebauter Pampers 
  4. Als Vorreiter des neuen Kopfhörer-Styles "Stirnbogen"
  5. Mit der Kombi Konfirmationsanzug plus Beanie
  6. Als Jedi-Ritter

Der in angeblichen Sport-Fachmagazinen oft fälschlicher Weise als beste Innenverteidiger der Welt bezeichnete Mode-Trendsetter hat sogar seine eigene Brillen-Kollektion. Brillen! Warum die AfD ihn nicht mag, wird mir immer schleierhafter. Gerade dort könnte doch mehr Durchblick nicht schaden.

Hope y'all having a great Sunday 🙌🏾☀#Jordan #kaws #jb17

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Auba bitte mit Sahne

Weltmeister wird in seiner Karriere mit Gabun vermutlich nicht mehr, den Titel als Fashion-Ikone könnte er Jérôme Boateng aber ernsthaft streitig machen. Der gerne als Paradiesvogel, der Lieblingsvokabel für Menschen, bei denen kalte Pizza zum Frühstück schon als rebellisch durchgeht, titulierte Stürmer punktet auf der nach oben offenen "In Paris kennt den Style keiner"-Skala ebenfalls regelmäßig. Wer erinnert sich nicht an seine Modehighlights:

  1. Fliegt regelmäßig zu seinem Friseur nach Paris
  2. Weiß, dass Musik viel besser klingt, wenn man sie durch eine Wintermütze hört
  3. Kombiniert Inspector Gadget-Hut mit Trainingsanzug
  4. Feiert Mehmet-Scholl-Double Philipp Plein
  5. Plant nach dem Ende seiner Profilaufbahn eine Filmkarriere als Bibo

Seine Affinität zu goldenen Porsche Panameras, in die Haare rasierten Botschaften, Spiderman-Masken auf dem Spielfeld und unerlaubten Party-Trips nach Mailand erhöhen natürlich ebenfalls seinen Glamour-Faktor.

@philippplein78 #PPAllStars #PleinSquad

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Fummeln in komischen Fummeln

Bei diesem Überangebot an Mode-Absurditäten alleine bei diesen beiden Vorreitern der Geschmacklosigkeiten wird es für die hinter ihnen mit den Fashion-Hufen scharrenden Herausforderern natürlich schwer. Obschon die Liste an erwähnenswerten Exemplaren des "Fußballer = Fashion-Opfer" Phänomens natürlich noch lang ist. Alleine in der tummeln sich mehr Modeallergiker (der Fachbegriff für diese Krankheit lautet übrigens Philippus Pleiniensis), als Zuschauer bei der "Bachelorette". Also wenigstens so etwa 28. Hier die Top 10 der Spieler, die Jérôme und Auba am dichtesten auf den (Designer-)Fersen sind:

  1. Marco Reus – Spezialgebiet: Aussehen wie ein 80er Jahre One-Hit-Wonder
  2. Pierre-Michel Lasogga – etabliert den Siegfried & Roy Gedächtnislook
  3. Mitchell Weiser – Hat in der "Freizeit Revue" gelesen, dass Jutebeutel wieder en vogue sind
  4. Serge Gnabry – Ohne Hände aufgewachsen, dennoch ein Fashion-Gott
  5. David Alaba – Großer Fan des Pullover-Schals
  6. Kevin Kampl – Verfechter des Clochard-Looks mit dem Extra-Accessoire: Django-Hut
  7. Marvin Plattenhardt – Wird auf Hochzeiten und anderen Events gerne mit Kellnern verwechselt
  8. Mats Hummels – Macht den 101 Dalmatiner-Look salonfähig
  9. Arturo Vidal – Ist stolz auf seine Bauchmuskulatur und seine Tattoos. Verzichtet daher gerne komplett auf Oberbekleidung 
  10. Mario Götze – Ihm fliegen Frauenherzen zu. Vor allem, weil er 1:1 aussieht und sich kleidet, wie Gary Barlow zu seinen besten Take That Zeiten

Haute-Couture ist ja quasi die Champions League des Modedesigns und so schicken sich diese 10 Padawane des mittelguten Geschmacks an, die Vormachtstellung von Pampers-Jérôme und Bibo-Auba in der Liga anzugreifen. Für bodenständige Superstars wie Thomas Müller, der in Zeiten der Diskussionen um die Ehe für alle gerne auch mal mit seiner Garderobe ein Zeichen für Diversität setzt, bleibt da wenig Platz im Olymp der Karl Lagerfelds der Bundesliga.

Boutiqui Taka

Das ist natürlich schade. Vor allem, da der möglichst bunte, teure und möglichst schräge Modegeschmack der meisten Bundesligaprofis wie die logische Verlängerung ihrer zahlreichen Arm-Tattoos wirkt, die seit einiger Zeit offenbar zur Grundausstattung jedes Fußballers gehören. Und weniger wie der Ausdruck von Individualität. Mittlerweile ernähren sich in den Metropolen mit Bundesliga-Teams durchschnittlich etwa 25 Edel-Boutiquen, in denen Pullover mit 500 Reißverschlüssen, 35 Löchern und dem Aufdruck "Balmain" 1600 Euro kosten, alleine vom Modehunger der Jungprofis. Und so fummeln sie sich dann aus den Instagram-Accounts ihrer Vorstadt-Model-Freundinnen (man darf ja Spielerfrau nicht mehr sagen, wegen Feminismus und so) direkt in den Mode-Strafraum der Fashion-Magazine. Und da stehen sie dann stolz mit ihren Justin Bieber Gedächtnisfrisuren und den Sneakers, die mehr gekostet haben, als ein Busfahrer im Monat verdient.

Gerne kombinieren sie diesen pseudoindividuellen Einheitslook mit Jacken oder Hosen, die so viele nicht zusammen passende Farben vereinen, dass es selbst Farbsinngestörten den Angstschweiß der Spontanerblindung in die Augen treibt. Bei diesen Mustern glaubt man immer, man schaut auf eines dieser Illusionsbilder, die man nur lange genug anstarren muss, und dann erscheint ein fahrendes Auto, ein Totenkopf oder irgendein Poesialbumspruch. So filigran, wie sie oftmals auf dem Feld kombinieren, so kompromisslos disruptiv kombinieren sie ihre Kleidung. Das ist aber auch gar nicht schlimm. In ihrem Job geht es immer noch darum, "Man of the Match" und nicht "Best Dressed Man" zu werden. Hoffe ich zumindest. Ich werde das weiter beobachten.

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie

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