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11. November 2008, 13:56 Uhr

Mut zur Stangenware im Weißen Haus

Revolution im Kleiderschrank des Weißen Hauses: Mit Michelle Obama wird dort Kleidung von der Stange Einzug halten. Sie trägt nicht nur teure Designerroben, sondern kauft bei Modeketten. Was ganz normal klingt, ist für eine First Lady ein mutiger Schritt. Von Jens Maier

Für 337,98 Dollar im Internet zu kaufen: Das Outfit, das Michelle Obama in der Talkshow von Jay Leno trug© Kevork Djansezian/AP

Die dreiteilige Kombination aus Bleistiftrock, Cardigan und Top ist im Online-Shop der US-Modekette "J. Crew" der Renner. Nicht weil es ein Sonderangebot wäre oder besonders sexy, sondern weil Michelle Obama das gleiche Outfit in der Talkshow von Jay Leno getragen hat. Für 337,98 Dollar kann jede amerikanische Hausfrau sich so einkleiden, wie die Präsidentengattin. Mit dem Einzug der Obamas wird im Kleiderschrank des Weißen Hauses Ware von der Stange hängen - für eine Präsidentengattin ein mutiger Schritt.

Michelle Obamas Figur ist wie geschaffen für edle Designer-Roben: 1,80 Meter groß, schlanke Taille und lange Beine. Doch während die Republikaner und Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin im Wahlkampf mit einer 150.000-Dollar-Rechnung für edle Garderobe in die Kritik gerieten, blieb sich die Frau des Demokraten Barack Obama im Wahlkampf treu. Sie widerstand allen Angeboten von Designhäusern aus Paris, Mailand oder New York, sie einzukleiden, verzichtete auf teure Stardesigner und wählte stattdessen ihre Kleider selbst aus. Und das so gut, dass die ganze Welt von ihrem Stil begeistert ist.

Im schicken Abendkleid sieht sie ebenso gut aus wie im Kostüm oder im kleinen Schwarzen. Sie trägt Mode aus dem Kaufhaus, aber auch Designerstücke. Die Garderobe der Harvard-Absolventin ist nicht nur schick, sondern auch geschickt: Sie unterstreicht mit ihren Outfits ihre Glaubwürdigkeit. Ihr nimmt man ab, dass sie ihre Mode nicht trägt, um zu repräsentieren oder ein Image zu transportieren, sondern weil es ihr Spaß macht. Eine Natürlichkeit und Leichtigkeit, die den First Ladys der vergangenen 25 Jahre abgegangen ist.

Der konventionelle Stil der frühere First Ladys

Nancy Reagan - stets übertrieben: Sie machte in den 80er Jahren ohne Designerkleid keinen Schritt vor die Tür. Immer auf Noblesse bedacht, trug Reagan bevorzugt Oscar-de-la-Renta- oder Valentino-Roben. Barbara Bush - das Hausmütterchen: Mit pastellfarbenen Kostümen machte sie der englischen Queen Konkurrenz und schlüpfte in die Rolle der Mutter der Nation. Böse Zungen fragten: "Hat George Bush senior seine Gattin oder seine Mutter mit zum Bankett gebracht?" Hillary Clinton - die Powerfrau. Sie unterstrich ihr Selbstbewusstsein mit ihren berüchtigten Hosenanzügen, was bald die Frage aufwarf, wer die Hosen im Weißen Haus an hat. Und schließlich Laura Bush - das Provinzei im Chanel-Kostüm: Sie zwängte sich in Designer-Kostüme, dabei hätten der Texanerin Jeans viel besser zu Gesicht gestanden.

Im Vergleich zu Michelle Obama sticht besonders der uniforme Stil dieser First Ladys hervor. Relikte aus einer Zeit der konventionellen Kleiderordnung und des traditionellen Glamours. Aus der Deckung ihrer Einheitsgarderobe haben sie sich selten getraut. Die Farben ihrer Kleider variieren, ihr Look nie - als hätten sie das gleiche Kleid in zigfacher Ausfertigung im Schrank hängen gehabt. Wenn Hillary Clinton ihre Frisur wechselte, war dies schon schrecklich aufregend. Damit haben sie sich dem Einheitsbrei ihrer Anzug tragenden Männer angeglichen, der einen entscheidenden Vorteil hat: Die Garderobe bietet keine Angriffsfläche.

Wehe, wenn Michelle Obama daneben liegt

Bisher hat Michelle Obama bei der Wahl ihrer Kleider kein einziges Mal daneben gelegen - und das, obwohl sie nicht mal einen Stilberater zur Seite gestellt bekommen hat. Es ist allerdings nur eine Frage der Zeit, bis das passieren wird. Einen ersten Vorgeschmack, wie heftig die Reaktionen in den Medien dann ausfallen können, gab es nach der Wahlnacht. Obama trug ein ausgefallenes Kleid vom New Yorker Nachwuchsdesigner Narciso Rodriguez, das viele als unvorteilhaft empfanden. Von einem "Schandfleck" war in der Obama wohl gesonnenen "New York Times" zu lesen, und Kunstkritiker Jeff Weinstein lästerte: "Das war definitiv ein Lava-Lampen-Look."

Das schwarz-rote Kleid war vielleicht nicht die beste Wahl Michelle Obamas, aber weit davon entfernt, richtig scheußlich zu sein. Es wird für Michelle Obama viel Mut dazu gehören, ihren unkonventionellen Stil beizubehalten. Auf Staatsreisen mit ihrem Mann, bei Banketten oder nur bei einem offiziellen Termin im Weißen Haus - überall wartet in der Kleiderfrage ein Fettnäpfchen auf sie. Hoffentlich wird sie ihr Mut nicht allzu schnell verlassen.

Von Jens Maier
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Vincent_Vega (12.11.2008, 10:01 Uhr)
Gottschalk meinte zu dem Verhätlnis USA-Präsident/Volk..
sinngemäß das die Amis ihren Präsidenten als jemand ansehen, der höher stehen sollte und sie auch repräsentiert. Deswegen würde sich Kritik am Präsidenten von außerhalb der USA verbeten - wäre dann wohl auch Kritik am USA-Volk - und deswegen legen vermutlich mehr Amerikaner wert darauf, dass ihre First Lady nicht in einem Kartoffelsack ihr "großartiges" Land vertritt.
surangumal (12.11.2008, 09:17 Uhr)
Ich bin schockiert...
..aber nicht über ein Outfit von Frau Obama, sondern darüber dass sich Leute ernsthaft die Mühe machen und Zeitungsartikel über die Kleidung der Frau des (zukünftigen) Präsidenten schreiben.
Ich wäre ja NIE auf die Idee gekommen, dass es das gibt. Kann ich auch überhaupt nicht nachvollziehen, warum das interessant sein soll. Solange die Leute was anhaben ist das doch okay - ich verstehe diese Welt einfach nicht....
medivek (11.11.2008, 18:05 Uhr)
hier ist mein senf dazu
eigentlich halte ich mich für eine soweit gebildete person, dass mir das outfit der first lady ziemlich egal sein sollte, aber da auch an mir der obama-hype nicht spurlos vorüber ging muss ich, weil ziemlich empört, doch mal zum besten geben, dass ich das kleid von michelle obama, das sie in der wahlnacht trug, wirklich sehr schick fand!
Malt (11.11.2008, 17:54 Uhr)
So sieht's aus!
Ganz ehrlich: Mir doch wurscht wie sonstwas was die gute Frau im Kleiderschrank hängen hat (wobei man ja sagen muss, dass ein 300 $ Kleid ja sicher auch kein Kartoffelsack ist). Meiner Ansicht nach wird für dererlei Kokolores sowieso viel zu viel Geld bezahlt... erzählt mir nämlich kein Mensch, dass ein Kleid (nur weil es von irgend einem gehypten Designer ist) 5000 $ oder mehr wert ist.
Mindsplitting (11.11.2008, 17:12 Uhr)
lustig...
...im letzten satz liest man sehr schön wie medien die leute runtermachen können wenn sie was falsches tragen. Das aber Kinder und Jugendliche in der Schule so gehänselt werden wenn se mal nix ganz so tolles anhaben verpöhnt, verurteilt und fordert nach lösungen (schuluniform). ICh fand boulevardpresse schon immer dünnpfiff. Die Presse muss lernen mehr auf das zu achten was ein Mensch sagt, was er vertritt und wofür er einsteht. Nicht immer nur das was er verbockt oder angezogen hat. Der Stern ist da keine ausnahme.
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