Friedensbewegung hin oder her: In Sachen Klamotten und Frisuren wurde in den 80ern aufgerüstet. Ein Erfahrungsbericht aus dem modischen Katastrophengebiet.

Das Ziel: einmal so aussehen wie Molly Ringwald im »Breakfast Club«
Der Kalender zeigt das Jahr 1987, als ein Gruppe amerikanischer Austauschschülerinnen an mir vorbei aufs Schulklo stürmt. Vor den wenigen Spiegeln sammelt sich eine Traube dauergewellter blonder Löwenmähnen mit Stielkamm in der Hand zum Toupiermarathon. Das Prinzip ist klar: Wer den Pony am höchsten auftürmt, ist die Queen. Ich bin fast 14, schnappe im Haarspraynebel nach Luft und stolpere rückwärts zur Tür heraus. Von da ab mache ich mir Gedanken über meine Frisur. Und in meiner Klasse beginnt das modische Wettrüsten.
Das Taschengeld langt hinten und vorne nicht, also muss jede Anschaffung gut überdacht werden. Erschwinglich sind neonfarbene Frottehaarbänder - und schon steht an jeder Seite ein Zopf ab. Wenn was nicht liegen will, wie es soll: Studio Line-Haargel draufgeklatscht und fertig. Dazu ein Sweatshirt mit Rundhalskragen und ein pastellfarbenes Poloshirt darunter.
Und trotzdem sieht es nicht so smart aus wie bei Klassenkönigin Heike. Das »frühreife Früchtchen«, wie meine Mutter sie gern nennt, hat schon die Komplett-Ausstattung beisammen. An die Eleganz einer Molly Ringwald im »Breakfast Club« reicht sie zwar noch nicht heran, aber immerhin: weiße befranste Cowboystiefel, moonwashed Karottenjeans und Fledermausbluse. Das sind sicher nur drei der Gründe, warum Martin sie so gern mit dem Golf von der Schule abholt. Lässig lässt der den Ellenbogen zum Fenster heraushängen, die Ärmel des zitronengelben Sakkos weltmännisch hochgekrempelt. Natürlich trägt er die Haare vorne kurz, hinten lang.