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Models essen wieder Schokolade

Die Zeiten sind vorbei, da Models nur als extrem magere Leichtgewichte über die Laufstege der Welt schwebten. Der neue Trend geht hin zum sportlichen, wohlgeformten Körper.

Die Zeiten, da Models nur als magere Ultra-Leichtgewichte über die Laufstege der Welt schwebten, sind vorbei. Während in den 60er Jahren noch klapperdürre Mannequins wie die berühmte Twiggy als Vorbild für Model-Nachwuchs und modebewusste Frauen in der ganzen Welt dienten, sind in diesen Tagen sportliche, wohlgeformte Körper gefragt. Da dürfe es auch schon mal Konfektionsgröße 38 und sogar 40 sein, berichten Model-Agenturen.

»Die Trends in der Modewelt wechseln«, erklärt Werner Kleinfeld, Chef des Künstlerdienstes in Düsseldorf. Seine Agentur schickt unter anderem Models auf die bedeutende Modemesse CPD in Düsseldorf. Auch auf den jüngsten Schauen seien in erster Linie durchtrainierte Figuren gefragt gewesen. Nur bei den Top-Models in der Haute Couture seien weltweit noch Frauen mit einem Gardemaß von 1,80 Meter und Kleidergröße 34 zu sehen.

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»Seit drei Jahren geht der Trend wieder zu mehr Weiblichkeit«, sagt auch Julia Todorow, Chefin der Berliner Top-Agentur Type-Face GmbH. Dies sei nicht zuletzt internationalen Debatten über Magersucht und Drogen zu verdanken. »Die Leute haben sich auch sattgesehen an den spindeldürren Modellen«, sagte die Leiterin des Unternehmens, das mit der Vermittlung von Models und Schauspielern jährlich einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro macht.

Rundungen zur Beruhigung

Ein berühmtes Beispiel für ein molliges Model ist nach Angaben Todorows die Französin Sophie Dahl, die in London lebt. Sie sei vor nicht allzu langer Zeit noch selbstbewusst mit Größe 44 und 46 in der Modeszene gewandelt und zur Zeit mit Größe 40 absolut angesagt. »Vollbusigkeit und Mütterlichkeit werden in Kriegszeiten bevorzugt, wirken beruhigend«, glaubt Julia Todorow, »und wir leben in unsicheren Zeiten.«

Gesundheit gibt den Ton an

Die Gesundheit als Schönheitsideal spiele in diesen Tagen außerdem eine große Rolle. Gesund wirkten eben nicht gerade hagere Gestalten, so Todorow. »Als Agentur muss man sich der großen Verantwortung für seine Mitarbeiter bewusst sein und darf sie nicht in Magersucht und Tabletten treiben.«

Hungern bis zum Umfallen

Das englische Model Sarah Thomas beklagte erst kürzlich das »schmutzige Geschäft« auf dem Laufsteg. Pausenlose Hungerkuren trieben die junge Frau, die als 15-Jährige von Karl Lagerfeld und Ralph Lauren entdeckt worden war, an den Rand eines Zusammenbruches. »Es gab extremen Druck, dünn zu sein.« Zahlreiche Krankheiten begleiteten die Karriere des 1,80 Meter großen Ex-Models, das nun ein Ernährungsberater-Diplom macht.

»Es gibt noch immer Models, die sehr asketisch leben«, sagt das Fotomodel Alexandra, die unter anderem beim Düsseldorfer Künstlerdienst unter Vertrag ist. Die junge Frau aus Herten bei Recklinghausen ist mit Konfektionsgröße 38 bis 40 bei einer Größe von 1,76 Meter erfolgreich. Hungerkuren lehnt das brünette Model rigoros ab. »Ich habe eigentlich immer einen Schoko-Riegel in der Tasche.«

Identifikation ist wichtiger als Idealisierung

Natürlich achte auch sie mit Vollwerternährung auf ihre Figur, sagt die 29-Jährige, die unter anderem für Firmen wie Betty Barclay über den Laufsteg geht. »Aber schließlich strahlt man vor allem von innen heraus etwas aus und der Endverbraucher möchte sich mit dem Produkt identifizieren.« Und wer könne das schon bei Mode-Vorbildern mit Figuren der Größen 36 oder gar 34?

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