Er hasst Modenschauen und findet Promis, die ins Designfach wechseln, lächerlich. Trotzdem hat Liam Gallagher, Sänger von Oasis, nun eine eigene Kleiderlinie herausgebracht.

Einfache Farben, schlichte Schnitte - so sieht die Jungs-Mode von Liam Gallagher und seinem Label Pretty Green aus© PR
Auf Liam Gallagher zu warten hat in etwa den Charme einer bevorstehenden Magenspiegelung. "Keine Sorge, es wird sicher alles gut gehen", sagt seine Assistentin. "Liam ist total nett!" Nett? Bitte alles, nur das nicht. Liam Gallagher und sein Bruder Noel haben es mit Oasis zu einer der erfolgreichsten Rockbands der letzten beiden Jahrzehnte gebracht - was auch an dem nicht immer ganz korrekten und deshalb umso interessanteren Auftreten der Brüder lag. Liam, 36, war für regelmäßigen Alkohol- und Drogenkonsum bekannt und für wortgewaltige Ausbrüche. Aber an diesem Tag im Londoner Hotel The Gore ist er bemerkenswert ruhig und grüßt gelangweilt: "Hi."
Das ist okay, ich kann die Reaktion verstehen. Ich weiß allerdings nicht viel über die Sachen, die andere machen.
Wer auch immer. Aber ich setze nicht nur hinterher meinen Namen drauf. Ich bin voll dabei.
Ja, ich habe ein paar Sachen mitgebracht, Nick Holland, der Designer des Labels Holland Esquire, kam mit ein paar Sachen vorbei, und das passte alles ziemlich gut zusammen. Es war von Anfang an klar, dass wir hier nicht irgendeinen Fashion-Quatsch machen. Ich habe genug von diesen lächerlichen Skinny-Jeans. Die können Frauen tragen, aber das ist nichts für Männer. Wir machen einfach gute T-Shirts, Jacken, Parkas, in normalen Farben. Nicht zu viel, verstehen Sie? Ich muss das alles kaufen wollen.
Dann stampfen wir es eben wieder ein, und ich spiele nur noch in der Band. Ich lass mich nicht stressen, um ein paar verdammte Klamotten zu machen.
Ich bezeichne mich immer noch als Rock'n'Roll-Sänger. Das war's. Allerdings als einen, der Klamotten mag, genauso wie er seine Musik mag. Und das ist wichtig: Du kannst die beste Musik der Welt machen - wenn du dich dabei wie ein Vollidiot anziehst, wird das nichts. Aber ich bin nicht so bescheuert, jetzt plötzlich zu Modenschauen oder all diesem Mist zu gehen. Ich war mal auf einer, bei Versace. Das ist mir viel zu affig.
Keine Ahnung. Ich habe nicht mit ihm geredet. Ich bin mir sicher, er lacht sich kaputt. Aber das ist mir, ehrlich gesagt, scheißegal. Meine Mutter findet's toll, meine Frau, meine Kinder - alle Leute, die ich bewundere.

Unter www.prettygreen.com finden sich seine Entwürfe, vom Parka übers T-Shirt bis hin zum lustigen Hütchen© PR
Er hatte schon Arbeit und deshalb die besseren Sachen. Und ich wollte einfach nur gut aussehen.
Was? Nein! Das habe ich schon mal gehört, keine Ahnung, wo das herkommt. Ich habe nie Sachen verkauft. Und schon gar nicht fucking Calvin Klein. Nie im Leben.
Ich kann mich nicht erinnern. Aber ich bin mir sicher, andere erinnern sich.
Ich mag Schuhe, das ist mein Ding. Ich ziehe mich von unten nach oben an. Solange du mit den Schuhen alles richtig machst, ergibt sich der Rest von selbst.
Wir waren die ganze Zeit auf Tour, und wenn ich hier bin, bleibe ich gern mal zu Hause, spiele mit den Kindern, verbringe Zeit mir meiner Frau.
Irgendwie schon, oder? Ich bin sehr viel entspannter als früher. Nicht zu sehr, aber ich gehe es langsamer an.
Ich kann nicht ausgehen und mir die ganze Zeit diese scheiß Musik von heute reinziehen. Dann bleibe ich lieber zu Hause und gucke fern.
Ja, jeden verdammten Tag. Ich liebe das. Man kommt eben in ein bestimmtes Alter. Das hat auch mit Eitelkeit zu tun: Ich hatte von der ganzen Sauferei etwas zugenommen. Plötzlich sahen alle auf der Bühne cooler aus als ich.
Mir ist es lieber, sie laufen rum wie ich - und nicht wie irgendein anderer Idiot.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 26/2009