Der Brite Matthew Williamson ist bereits der sechste renommierte Designer, der seine Ideen an die Modekette H&M verkauft. Warum er anfangs zögerte und welche Rolle Madonna bei der Zusammenarbeit spielte, verrät Williamson im Interview mit stern.de.

Bohemien des 21. Jahrhunderts: Designer Matthew Williamson© Sølve Sundsbø for H&M
Es war damals eine schwierige Zeit für Farben, denke ich. Die Mode kämpfte sich gerade aus dem Minimalismus heraus. Jetzt sind wir längst bereit für anderes als Schwarz und Grau. Die Leute von H&M jedenfalls waren sehr aufgeschlossen. Ich konnte machen, wozu ich Lust hatte. Und ich habe ihnen eine Zusammenfassung der Teile geliefert, mit denen ich mir als Designer einen Namen gemacht habe.
Anfangs hatte ich Bedenken, aber alle - vom Designteam und den Schnittemachern bis hin zu den Drucktechnikern und Produktentwicklern - haben sorgfältig und vorsichtig gearbeitet. Sie haben meine Entwürfe umgesetzt, wie ich es erhofft hatte. Sie haben sehr viel Energie in die Kollektion gesteckt.
Ich bin Margareta van den Bosch, der damaligen Chefdesignerin, im März 2007 zum ersten Mal begegnet. Ausgerechnet, als Madonna ihre H&M-Entwürfe in der Bar des Londoner Langham-Hotels vorstellte. Wir einigten uns ziemlich schnell auf eine zukünftige Zusammenarbeit, doch damals war ich Kreativdirektor bei Emilio Pucci. Es wäre zu viel Arbeit für mich gewesen, ich habe ja auch noch meine eigene Linie, um die ich mich kümmere. Im Juni 2008 hatten wir dann die ersten Detailgespräche. Margarete van den Bosch wollte unbedingt, dass ich eine Sommerkollektion mache.
Nach zwölf Jahren als Modedesigner konnte ich endlich mal darüber nachdenken, was ich selber gern anziehen würde. Ich habe meinen Kleiderschrank nach meinen Lieblingsstücken durchsucht und sie überarbeitet. Beim Zeichnen schwebte mir dann ein Engländer vor, der nach Kuba reist und dann über die griechischen Inseln und Ibiza zurückkehrt. All meine Kollektionen haben mit Reisen und Eskapismus zu tun.
Ja, wir hatten eine ähnliche DNA. Pucci war die einzige Marke, die mich schon früh sehr interessierte. Emilio Pucci glaubte daran, dass es in der Mode darum gehe, die Frauen in einfachen Kleidungsstücken schön aussehen zu lassen. Und er liebte die Farben.
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass Farben unsere Laune ändern können. Man bekommt Reaktionen, wenn man Farben trägt. Und das gefällt mir. Die Kleider, die ich entwerfe, sind nicht für Frauen, die verschwinden wollen.
Jede Zeit hat so ihre Vorstellungen. Es gibt ja Millionen von Möglichkeiten, Farben zu kombinieren. Das ist überwältigend. Es macht also von Anfang an keinen Sinn, über ihre vermeintlich richtige Zusammenstellung nachzudenken. Ich wähle Farben impulsiv aus.
Davon bin ich überzeugt. Denn erstens sind diese Zusammenarbeiten bezahlbar, was in schlechten Zeiten besonders wichtig ist. Zweitens sind sie immer überraschend und spannend. Und drittens treffen sie den Zeitgeist: Designermode und Modekette, High-Fashion und Streetwear - so ziehen sich modebewusste Frauen heute an. Es geht nicht mehr darum, sich von Kopf bis Fuß in ein einziges Label zu kleiden.
Die haben eine Minderheitsbeteiligung. Und alles, was ich sagen kann, ist: Ich bin zufrieden mit dem Abkommen, das wir haben. Die Lage ist unter Kontrolle.
Interview: Dirk van Versendaal
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