Startseite

Der Aufstieg des selbstgehäkelten String-Tangas

Junge Designer und Kreative in den USA und Deutschland entdecken den Trend der Handarbeit. Dass die Ergebnisse sommertauglich sind, davon konnte man sich in Berlin jetzt überzeugen. Im "Itzy Bitzy Store" präsentierten Kunststudentinnen sexy Häkelbikinis. Und nicht nur dort ist Selbermachen in.

Von Christian Weiß

Schon seit Jahrhunderten häkeln die Frauen des 5000-Seelen Dorfes Koniakow im polnischen Bergland. Mit Tischdecken, Servietten und Blusen konnte das Haushaltseinkommen aufgebessert werden. Die junge Dorfbewohnerin Wiola Juroszek revolutionierte 2005 die Tradition und häkelte den ersten String-Tanga. Eigentlich sollte es nur ein Hochzeitsgeschenk werden. Aber immer mehr fragten nach dem Muster. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die ersten der verführerischen Teile zwischen traditionellen Deckchen und Blusen auf dem Ladentisch landeten. Sogar aus dem fernen Japan und aus Dubai kamen Anfragen. In der Heimat sprach man von einem "Skandal" – schließlich ließ sich Karol Wojtyla, besser bekannt als Johannes Paul II., noch bis kurz vor seinem Tod die traditionelle Koniakówer Spitze nach Rom schicken.

Das Slip-Eldorado

Nachdem bald aber unter anderem die "New York Times" einen Artikel mit der Überschrift "Veruschka's Secret" veröffentlicht hatte, bekam die Unterwäsche aus Koniakow weltweit immer mehr Anhängerinnen. Inzwischen kommen Aufträge aus den USA, Kanada, der Schweiz, England, Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten. 25 Euro oder 60 Zloty kostet der Tanga-Klassiker "Naj", ein weißes Klöppelnichts aus bester ägyptischer Baumwolle. Vor Ort sind die "stringis" günstiger. Im Dorf kosten sie nur die Hälfte, 30 Zloty - so viel wie eine Flasche Wodka im Krämerladen an der Post.

Unter der Bezeichnung "Koni-Art" floriert die Marke im Internet und findet immer mehr Nachahmer. Pfefferminzgrün ist der Trendton, Ideen holt man sich in Modemagazinen wie "Viva". Nun kommt der Trend über den Umweg USA nach Europa zurück.

In Polen hingegen gingen Stadträte, traditionelle Vereine und sogar die Kirche auf die Barrikaden. Helena Kamieniarz ist seit 20 Jahren Zensorin der der heimischen Häkelzunft und Vorsitzende des Vereins der Volkskunsthandwerker der Region. "Die sündigen Slips spalten das Dorf", sagt die rüstige Frau - "in Traditionalisten, die um den Ruf der schlesischen Spitze fürchten, und den Rest, der im Dienst der Erotik häkelt". Sie hat sogar den Pfarrer um einen Kirchenbann der Abtrünnigen gebeten. Doch in Zeiten mit großer Arbeitslosigkeit und Landflucht zählen die blanken Zahlen. Und die sprechen für die Slips, Tangas und Unterhosen. "Das ist auch ein Weg, das Handwerk zu bewahren", sagen die Befürworter.

Berlins flauschiger Bikinitrend

Auch Eva Swoboda und Anna Berger, Studentinnen an der Kunsthochschule Weißensee, haben über das Häkeln nachgedacht. Eigentlich eine alte Kulturtechnik, leider vom Aussterben bedroht. Womöglich hängt das mit dem biederen Image zusammen, das Stricken und Häkeln hierzulande noch hat. Vielleicht nicht mehr lange. Häkelbikinis im Retro-Stil haben das Zeug zur trendigen Sommerbekleidung für junge Frauen – das zeigte der Erfolg der polnischen String-Mode.

Also hieß es, sich auf die Suche nach Häklerinnen der alten Schule machen. Sie schalteten Anzeigen in Berliner Wochenblättern. Siebzehn ältere Damen meldeten sich. Doch die Berlinerinnen laufen nicht nur dem Trend hinterher - "wir wollen auch den Kontakt zwischen Jung und Alt fördern“, sagt Eva Swoboda. Da die Bikinis nicht mehr wie früher aus Baumwolle, sondern aus Kunstfasergarn gehäkelt werden, leiern sie nicht aus und trocknen schnell. "Itzy Bitzy" nannten die beiden ihr Projekt passenderweise - die Sommermode soll zum Hit werden.

Handarbeit.com

So können Stricken, Häkeln und Nähen nun bald auch bei uns ihr Großmutter-Image verlieren. In den USA ist Handarbeit bereits das Hobby der Stunde. Pfiffige Designerinnen aus Deutschland haben das schon im letzten Jahr erkannt und eroberten von New York aus mit "BurdaStyle.com" das junge Publikum. Statt von altmodischen Strick-Gesellschaften ist jetzt die Rede von "Näh-Community", "Open-Source-Schnittmuster" oder "Strick-Bloggerinnen". Mit 33.000 registrierten Nutzern schreibt die Seite Rekordzahlen auf dem Gebiet der im Internet vernetzten Handarbeitsszene.

Das Prinzip scheint alt, aber im Gewand der Zukunft. Pro Monat laden die Besucher der Internetseite über 360.000 Schnittmuster. Die beiden Gründerinnen Nora Abousteit und Benedikta von Karaisl nähten sogar schon den Jacken-Entwurf einer Hobby-Näherin für Naomi Campbell um. Die Motivation hinter der Idee: "Wir wollen junge Menschen wieder für das Handwerk begeistern", sagen beide. Kreativität und jugendliches Auftreten soll das Häkeln wieder trendig machen. Nachwuchsdesigner können die Plattformen auch für kommerzielle Zwecke nutzen und ihre eigenen Produkte weltweit zeigen und anbieten.

Selbermachen ersetzt besonders in den USA die zum Teil seelenlose Massenware. Das angesagt Fernsehformat heißt dort nicht "Germany's next Topmodel" sondern "Project Runway". Dort zeigen Nachwuchsdesigner der Moderatorin Heidi Klum dann Woche für Woche, was Models anziehen sollten. Aus Stoffballen werden Laufstegkreationen. Der Trend des bewussten Konsumierens spielt dabei natürlich eine wichtige Rolle. Recyceln oder Selbstschneidern und Nähen bekommen immer neue Fans.

Das Internetkaufhaus "etsy" und die Zeitschriften "Make" oder "Craft" sind Plattformen für eine große Gruppe von Menschen geworden, denen das Selbermachen nicht nur als Konsumverweigerung gilt, sondern die auch den kreativen Prozess dabei zu schätzen weiß. Auch hierzulande geht das Web-Kaufhaus "DaWanda" einen ähnlichen Schritt und zieht immer mehr junge Designer auf ihre Seite.

Die Vorurteile gegenüber der scheinbar altertümlichen Handarbeit werden über Bord geworfen. Dass Stricken oder Häkeln nicht mehr nur eine Öko- oder Oma-Sache ist, zeigt nicht nur die Sommermode aus Berlin deutlich.

Lesen Sie auch bei unserem Partner fuersie.de: "Alles zum Thema Stricken"

Kommentare (0)

    Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

    Was tun gegen ständige Lärmbelästigung in der Straße durch Lokal
    Hallo, was kann man dagegen unternehmen wenn jedes Wochenende eine große Afterwork Studenten Party in dem Tanzlokal nebenan stattfindet. Es findet jedes mal eine massive Ruhestörung vor. Es geht meistens von 23:00 bis 03:00 Morgens. Unsere Lebensqualität ist momentan arg eingeschränkt. Wir wussten schon als wir hierher gezogen sind das es ab und zu etwas lauter sein kann. Aber das es jetzt solche extremen Ausmaße nimmt konnten wir nicht ahnen. Bei der Polizei ist dieses Party/Lokal wegen Ruhestörung bekannt. Nur leider unternimmt niemand etwas dagegen. Wir wohnen jetzt 5 Jahre in der Wohnung neben dem Lokal. Aber wir sind jetzt am überlegen deshalb nächstes Jahr wenn es finanziell möglich ist umzuziehen. Was kann man solange tun? Fenster im Sommer geschlossen halten ist unzumutbar. Beschweren beim Lokal Besitzer sowie bei der örtlichen Stadt die sowas genehmigt bringt auch nichts. Wenn es heißt war um wir dort hin gezogen sind, leider ist Heilbronn momentan eine reine Studentenstadt , das heißt als wir hierher gezogen sind waren damals nicht viele für uns preiswerte Wohnungen verfügbar, außerdem wurden damals schon sehr viele Wohnung nur an Studenten vermietet. Das heißt , uns ist nichts anderes übrig geblieben die günstigste Wohnung zu nehmen. Wie oben beschrieben hatten wir kein Problem damit das ab und an eine Veranstaltung stattfindet. Nur , es findet jetzt jedes Wochenende etwas sehr lautstarkes statt.
    Ionisiertes Wasser oder Osmosewasser ?
    Klar
    Liebe Sternchen Community. Vor kurzem war ich bei einem Arzt und er hatte Azidose bzw. eine latente Übersäuerung festgestellt. Daraufhin habe ich viel recherchiert und einige Bücher gelesen. Erst bin ich auf die basische Ernährung gestoßen, die sehr effektiv sein soll, allerdings auch schwierig immer im Alltag zu praktizieren ist. Dann habe ich zufällig einen guten Bericht über ionisiertes Wasser bzw. basisches Wasser gefunden und mir auch ein Buch gekauft, "trink dich basisch" und "jungbrunnenwasser" da wird sehr positiv davon gesprochen. Insbesondere soll es auch das stärkste Antioxidanz sein mit Wasserstoff. Außerdem soll es den Körper basischer und Wiederstandsfähiger machen. Darmmileu und Blutmileu werden günstig beinflusst, heißt es. Sogar Haarausfall soll verhindert werden, weil die Hauptursache davon ist wohl Mineralienmangel, wegen Übersäuerung (pH Wert im Blut und Körper), weniger wegen der Genetik. Und noch einige weitere Vorteile hat es wohl, wie Obst und Gemüse wieder zu erfrischen. Und der Kaffee und Tee schmeckt wohl besser. Und noch einiges mehr.. Stimmt das? Allerdings habe ich "ionisiertes Wasser" gegoogled und bin auf einige Berichte gestoßen, die negativ davon sprechen. Meistens scheinen es Umkehrosmose Wasser Verkäufer zu sein, die so schlecht davon schreiben. Ich habe mal gehört Umkehrosmosewasser ist schädlich, weil es die Osteoporose verstärkt. Einige nennen es auch Osteoporosewasser, weil es wie destilliertes Wasser keine Mineralien mehr hat und deshalb Mineralien aus dem Körper zieht. Also ist es bestimmt nicht gut Osmosewasser zu trinken. Ich würde gerne mal ionisiertes Wasser probieren. Naja, aber hat jetzt jemand echte Erfahrung damit gemacht? Hat wer so einen "Wasserionisierer" zu Hause? Welches Wasser trinkt Ihr? Würde mich interessieren, weil die schon recht teuer sind. Aber vielleicht kaufe ich mir einen mit Ratenzahlung, wenn ich mir sicher bin. Im Moment braucht es etwas Aufklärung... Bitte nur seriöse Kommentare. Liebe Grüße KLAR

    Partner-Tools