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Nach zwei Ausgaben: Verlag feuert Chefredakteurin der "Vogue Arabia"

Sie war die Anna Wintour des Orients: Deena Aljuhani Abdulaziz verantwortete als Chefredakteurin die arabische "Vogue". Nun ist die 42-Jährige den Job los. Doch Abdulaziz geht nicht freiwillig.

Deena Aljuhani Abdulaziz

Prinzessin Deena Aljuhani Abdulaziz

Deena Aljuhani Abdulaziz schien die perfekte Besetzung für die Position: Eine Prinzessin aus , geboren in den USA, verheiratet mit Sultan Bin Fahad Bin Nasser Bin Abdulaziz, von klein auf fasziniert von Mode und mit besten Kontakten in die High Society. Im Juli vergangenen Jahres wurde Abdulaziz vom Medienkonzern Condé Nast zur Chefredakteurin der arabischen "Vogue" ernannt. Die Länder im Nahem Osten gehören schon lange zu den wichtigsten Absatzmärkten von Luxuslabels wie Chanel, Dolce & Gabbana oder Elie Saab. Denn dort leben die Kundinnen, die sich die teuren Kreationen leisten können, auch exklusive Couture-Mode, die bei einem Preis von 10.000 Euro pro Modell beginnt.

Zwei Ausgaben der "Vogue Arabia" hat Deena Aljuhani Abdulaziz bisher verantwortet, erst Anfang April wurde der Launch der Zeitschrift groß im Museum für Islamische Kunst in Doha gefeiert. Die 42-Jährige trug eine üppige Kreation des US-Designers Zac Posen.

Deena Aljuhani Abdulaziz geht nicht freiwillig

Doch nun, keine zwei Wochen später, ist Abdulaziz als Chefredakteurin der "Vogue Arabia" abgesetzt. Sie gehe nicht freiwillig, sondern sei gefeuert worden, teilte die Prinzessin in einem Statement mit, das unter anderem das Magazin "Business of Fashion" veröffentlichte. Aus dem Schreiben geht hervor, dass es zwischen Abdulaziz und den Verantwortlichen bei Condé Nast Differenzen über die Ausrichtung der Zeitschrift gab.

"Ich habe eine klare Vorstellung davon, was Mode heutzutage für Frauen bedeutet", schreibt die dreifache Mutter. Und weiter: "Ich habe mich geweigert Kompromisse einzugehen, als ich gemerkt habe, dass der Ansatz des Verlages sich nicht mit den Werten der Leser vereinbaren lässt." Worin genau die Unstimmigkeiten lagen, lässt Abdulaziz offen.

Gigi Hadid zierte die erste Ausgabe der "Vogue Arabia"

Für die Erstausgabe der "Vogue Arabia" ist die Prinzessin jedoch von vielen Seiten kritisiert worden. Auf dem Cover war das Model Gigi Hadid zu sehen. Die 21-Jährige hat zwar einen palästinensischen Vater, ist jedoch durch und durch kalifornisch sozialisiert. Zudem trug Hadid einen Schleier, der zwar ihr Haar und einen Teil ihres Kopfes, nicht jedoch ihre nackten Schultern bedeckte. Für muslimische Frauen in der Öffentlichkeit undenkbar.

Reorienting perceptions @voguearabia #voguearabia

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Viele Leserinnen der "Vogue Arabia" befanden Hadid als Titel-Model für unpassend. Der Verlag Condé Nast hingegen soll Abdulaziz vorgeworfen haben, sie hätte nicht das volle Potenzial des Models ausgeschöpft. Immerhin hat Hadid fast 33 Millionen Abonnenten bei Instagram und weitere vier Millionen bei Twitter. Designer wie Tommy Hilfiger, Donatella Versace oder Karl Lagerfeld werben mit der Amerikanerin.

Der Nachfolger von Abdulaziz steht bereits fest

Deena Aljuhani Abdulaziz

Deena Aljuhani Abdulaziz im März dieses Jahres bei der Modewoche in Paris

Für die zweite Ausgabe der "Vogue Arabia", die Anfang April erschien, wählte Abdulaziz dann das niederländische Model Imaan Hammam als Cover-Gesicht aus. Die 20-Jährige hat ägyptisch-marokkanische Wurzeln und trug hochgeschlossene Designerkleider.

Ein drittes Heft wird Abdulaziz nun nicht mehr verantworten können. Ihr Nachfolger steht bereits fest: Manuel Arnaut. Der Portugiese ist seit zwei Jahren Chefredakteur der arabischen Ausgabe des Design-Magazins "Architectural Digest" und innerhalb von drei Monaten der dritte Journalist, der auf dem Chefsessel einer "Vogue"-Redaktion landet. Auch die britische und die italienische Ausgabe der Modebibel werden nun von einem Mann geführt.

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