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Was hilft wirklich gegen Cellulite?

In Deutschland werden 60 Millionen Euro mit Produkten umgesetzt, die Orangenhaut glätten sollen. Selten ist dieses Geld sinnvoll angelegt.

Von Viola Keeve

Was ist Cellulite?

Eine Knoten- und Dellenbildung an Hüfte, Po, Schenkel und Oberarm, überall dort, wo dem weiblichen Bindegewebe Quervernetzungen fehlen. Bei Männern sind die stabilisierenden Fasern, das Kollagen, netzartig angeordnet, bei Frauen parallel. Dadurch können sich Fettzellen in den Zwischenräumen ausdehnen. Den Druck gleicht die Hautschicht darüber aus, die sich nach außen wölbt.

In welchem Alter entsteht Orangenhaut?

Ab der Pubertät. Selbst schlanke Topmodels haben Cellulite. Frauen brauchen ein Bindegewebe, das sich in der Schwangerschaft dehnen kann. Sie haben weniger von dem männlichen Hormon Androgen, diese Tatsache könnte Cellulite verursachen.

Heißt das für Frauen: Androgen schlucken - und die Dellen verschwinden?

Eine Hormonpille oder -spritze gibt es noch nicht. Sie hätte auch Nebenwirkungen, die nicht abzuschätzen sind.

Muss Cellulite behandelt werden?

Nein. Es ist keine Krankheit, sondern ein rein kosmetisches Problem, mit dem immerhin vier von fünf Frauen zu kämpfen haben. Ob man es behandelt, ist vor allem eine Frage des Leidensdrucks.

Ist Cellulite nicht auch Veranlagung?

So ist es. Wenn die Mutter oder die Großmutter ein zu weiches Bindegewebe gehabt haben, ist die Chance größer, Cellulite zu bekommen. Aber es gibt durchaus auch andere Dinge, die sie fördern: Stress, Jojo-Diäten, Rauchen, einseitige Ernährung, wenig Bewegung, wenig Schlaf und zu viel Sonne. Durch UV-Strahlung verliert Haut an Elastizität.

Lässt sich Cellulite wegcremen?

Nein, aber man kann rechtzeitig etwas tun: Massagen, gesunde Ernährung, Sport, aber auch Wechselbäder.

Klingt nach guter alter Kneippkur: kalte Güsse, Bewegung, Vollwertkost. Hilft das?

Jedenfalls eher als teure Cremes. Jemand, der sich bewegt, achtet einfach mehr auf seine Ernährung. Und weil er ausgeglichener ist, leidet er weniger unter kleinen Makeln.

Kann man Cellulite absaugen?

Das Depotfett an Hüfte, Po, Schenkel kann abgesaugt werden. Aber nur wenn das Gewebe gleichmäßig abgetragen wird, kann das Hautbild danach glatter sein.

In Deutschland ist Subcision ein relativ neues Verfahren. Was ist das?

Haut und Unterhautfettgewebe werden lokal betäubt. Dann wird durch einen Schnitt eine kleine scharfe Kanüle eingeführt, mit der man vorsichtig Bindegewebsstränge lösen kann. So soll der Druck auf Fettzellen, der die Haut nach außen dellt, verschwinden. Dabei kann natürlich auch Gewebe verletzt werden.

Gibt es andere Möglichkeiten?

Bei der photodynamischen Therapie, die bisher zur Tumorbeseitung von Hautkrebs eingesetzt wurde, wird der lichtempfindliche Stoff Temoporfin in das Unterhautgewebe gespritzt und durch Laserstrahlen aktiviert. So sollen Fettzellen zum Platzen gebracht werden. Das Verfahren ist aber noch nicht ausgereift und birgt Risiken: Fettembolien können sich bilden, und beim Lasern können Verbrennungen und somit Narben entstehen. Endermologie dagegen ist eine Saug-Roll-Massage, die Unterdruck im Gewebe erzeugt und wie eine Tiefenmassage wirkt. Sie hat nur den Nachteil: viele, teure Behandlungen, und der Erfolg hält nicht an.

Was ist von den Ergänzungspräparaten des so genannten Cellulite-Papstes Dr. Howard Murad aus Los Angeles zu halten?

Laut Murad reicht es nicht, dem Körper nur Wasser und Fett zu entziehen. Er setzt auf richtige Ernährung und auf von ihm vertriebene Ergänzungspräparate, um die Zellmembrane des Bindegewebes zu stärken und das Wasser in den Zellen zu halten. Murad zufolge hilft eine Diät aus Eiern, Soja, Tomaten, Spinat, Olivenöl, Avocados, Lachs, Bohnen, grünem Gemüse, magerem Fleisch und grünem Tee, Granatapfelsaft und Traubenkernöl gegen Cellulite. Doch seine Theorie ist unter Experten umstritten. Ernährung ist zwar wichtig, doch nur auf sie zu setzen, wäre zu einseitig.

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