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9. Februar 2004, 16:04 Uhr

Streichel mich!

Kein Material ist schöner anzufassen, umstrittener und begehrter. Auf den Laufstegen, in Kleiderschränken und Wohnzimmern gibt es ein Comeback des Fells.

Kuschelig und fast wie echt: Pelz-Imitate© Andrea Küppers

Es wirkte schon sehr verzweifelt, wie die beiden Frauen die letzte Mailänder Schau von Dolce&Gabbana zu stürmen versuchten. Gerade hatte eines der Models einen bordeauxroten Pelzmantel präsentiert, da standen sie plötzlich auf dem Laufsteg und versuchten, ihre Transparente zu entrollen. Das Publikum konnte nur erahnen, dass es sich bei den zweien um Aktivistinnen von Peta handelte, der Organisation "People for the Ethical Treatment of Animals" - dann hatten Ordner sie schon wieder unsanft aus dem Rampenlicht entfernt. Großen Eindruck hinterließ ihre Aktion bei den Zuschauern nicht, überhaupt sind die Proteste der Tierschützer selten geworden, obwohl es in der Mode kaum einmal so viel Fell zu sehen gab wie zurzeit.

Mit Ausnahme von Stella McCartney - die Veganerin verzichtet in Leben und Werk grundsätzlich auf tierische Produkte - integrieren heute praktisch alle namhaften Designer das kuschelige Material so selbstverständlich in ihre Mode- wie Wohn-Kollektionen, als sei nie über die Pelzfrage diskutiert worden.

Das Comeback des Pelzes war anfangs begleitet von schlechtem Gewissen. "Guilty Pleasure" nennt man das. Zunächst fanden Modemacher den Ausweg aus dem Dilemma in "Fun-" oder "Fake-Furs", also Kunstpelzen, dann - unterstützt durch geschicktes Marketing des Dachverbandes der skandinavischen Pelzproduzenten (Saga Furs) - in neuen Verarbeitungsformen und Färbemethoden. Felle wurden leichter und moderner und einfach so lange geschoren, gefärbt und mit anderen Materialien verwebt, bis sie künstlich aussahen - eben gar nicht mehr nach Pelz. Und je unechter so ein Haarteilchen wirkte, umso besser verkaufte es sich.

Proteste der Tierschutzorganisation Peta© DPA

Gleichzeitig aber entdeckten junge Trendsetter die alten Modelle auf Flohmärkten neu. Die Tiere waren schließlich schon lange tot, also durfte man getrost den Persianer aus Muttis Mottenkiste tragen. Außerdem: Wenn niemand Pelz zu tragen wagt, dann ist nichts schicker, als trotzdem einen zu tragen.

Schleichend veränderte sich die Zielgruppe, weg von der 50-jährigen, luxusverwöhnten Arztgattin hin zur "jungen, modebewussten, berufstätigen Frau zwischen 25 und 39 Jahren", sagt Andreas Lenhart, Geschäftsführer der International Fur Trade Federation. Und wärmen müssen die Tierhäute nun auch nicht mehr unbedingt: Ein Trend der kommenden Saison heißt Sommerpelz.

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