Er verpasst jedem Promi den passenden Deckel: Der Designer Philip Treacy verrät, weshalb Hutträger die interessanteren Menschen sind - und was er bei der Queen krönen durfte.

Ausschweifend: Das Model Alek Wek präsentierte 2001 in Paris den Hut "Roter Komet"© Philip Treacy
Es ist ein Hut, das ist schon mal gut. Keiner von meinen zwar, ein Borsalino, aber trotzdem sehr schön.
Warum das denn?
Nun, das möchte ich nicht hoffen, da wäre ich ja arbeitslos. Ich kann Ihnen aber versichern: Der Hut ist so lebendig wie eh und je, und dass Sie auf dem Weg hierher angestarrt wurden, ist der beste Beweis dafür.
Die Menschen lieben Hüte, und sie lieben Menschen, die Hüte tragen. Das war immer so und wird immer so bleiben. Menschen, die Hüte tragen, sind interessant. Man hielt Sie für einen Popstar, für ein Mitglied von Oasis oder den Babyshambles. Für jemanden, über dessen Liebesaffären man in der Zeitung liest.
Wer sagt Ihnen denn, dass das keine Hüte sind?
Selbstverständlich. Ich trage sie selbst gern, produziere sie auch, diese Kapuzenpullover.
Natürlich!
Ja! All diese Dinge sind Hüte. Man trägt sie auf dem Kopf, sie rahmen das Gesicht, sie sorgen dafür, dass man sich ein wenig besser fühlt. Das sind die Aufgaben eines Hutes. Womit Sie allerdings recht haben, ist, dass sich die Bedeutung des Hutes in den vergangenen 40, 50 Jahren stark verändert hat. War er früher ein Symbol für Konformität, steht er heute eher für Rebellion.
In den Fünfzigern gehörte ein Hut zur Standardausrüstung eines Mannes. Ging man nach draußen, zog man sich einen Hut auf. Als sich in den Sechzigern die Jugend gegen ihre Eltern wehrte, ersetzten sie den Hut durch lange Haare und Stirnbänder. Heute ist ein guter Hut wieder ein Modestatement, eine Aussage, eine Anti-Uniform. Trägst du Hut, sagst du: Ich mag mich, und ihr alle sollt es sehen.
Sie trägt sie tatsächlich. Sie trägt "Rosa Scheibe", "Origami", "Schiff" und "Grüne Orchidee" in der U-Bahn, beim Einkaufen oder wenn sie abends ausgeht. Isabella ist die perfekte Hutfrau.
Vor allem Stil - innerlichen und äußerlichen, wenn Sie verstehen, was ich meine.
Ganz genau. Sie trägt ein Schiff auf dem Kopf, ohne auszustrahlen: Hallo, alle mal herschauen, ich trage hier gerade ein Schiff auf dem Kopf!
Sie ist meine beste Freundin, weil man sie genau so eben nicht charakterisieren kann. Man genügt ihr nicht, wenn man beschreibt, an was sie arbeitet, wo sie herkommt, wie sie aussieht. Isabella muss erlebt werden. Sie hat eine Präsenz, die ich, seitdem ich sie vor 18 Jahren zum ersten Mal in der Redaktion des "Tatler" traf, nie wieder bei einem Menschen erlebt habe. Sie ist einer dieser Engel, die vom Himmel hinabgeschickt werden, um die Menschen hübscher, besser, schlauer zu machen.
Solange Sie es aufsetzen können, ist es ein Hut.
Übernommen aus ...
Ausgabe 06/2007
Viele, viele Hüte ... ... im Museum
Das NRW-Forum Düsseldorf zeigt vom 6. 2.-9. 4. 07 die Ausstellung "When Philip Met Isabella". Präsentiert werden alle Hüte, die Treacy bislang für Isabella Blow erschaffen hat.
Öffnungszeiten: Di.-So. 11-20 Uhr, Fr. bis 24 Uhr
... bei stern.de
Unter www.stern.de/treacy finden sich noch mehr Hut-Kreationen von Philip Treacy.
... im Buch
Der Ausstellungskatalog versammelt auf 80 Seiten die Exponate in wild-bunten Inszenierungen.
19,50 Euro