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7. Oktober 2005, 15:23 Uhr

Die neue Leichtigkeit der Mode

Vorbei die Zeiten von wurstengen Jeans und blitzender Po-Haut: Die Pariser Schneider propagieren neue Weiblichkeit mit schwingenden Volants und transparenten Stoffen - allen voran Stella McCartney.

Flatternde Stoffe bei Chanel© AP

Frauen können im kommenden Frühjahr aufatmen, denn bei den aktuellen Pariser Prêt-á-Porter-Schauen entspannt sich die Mode. "Volumen" heißt das Schlüsselthema der kommenden Saison: Weite Blusen zu schmalen Hosen, Empire-Kleider, schwingende Röcke sowie lockere Mäntel in Beige oder Creme vermitteln eine softe Weiblichkeit. Die Zeiten der Chiffon-Tops zu knallengen Hüftjeans, die über dem Po beinahe platzen, sind den französischen Designern zufolge bald vorbei. Dabei verzichten sie aber nicht auf subtile Details, die an impressionistische Gemälde erinnern, etwa bei Rochas und Cacharel, zeitgenössische Kunst gesehen bei Stella McCartney oder den Barock wie bei Balenciaga.

Cool ging es am Freitagvormittag bei Chanel zu: "Coco meets James Dean" hatte Karl Lagerfeld seiner Kollektion als Motto gegeben. Und so trafen Cowboy-Typen in Jeans - bei Chanel laufen seit ein paar Saisons Männer bei der Damenschau mit - auf hübsche Mädchen im taillierten weiß-schwarzen Tweedmantel mit großem Kragen oder Edel-Girlies in Radlerhosen aus Spitze. Kostbar wirken schwarze Cocktailkleider mit aufwendigen Stoffblüten am Saum zu Stiefeletten. Hingucker bei Chanel sind jedoch flatternde Seidenkleider mit leuchtenden Mustern im Stil der Konstruktivisten.

"Coco meets James Ean" - das Motto bei Chanel© Francois Guillot / AFP

Fließende Kimonos

Alles fließt bei der schönen und zarten Kollektion von Akris-Designer Albert Kriemler. Hautfarbene Plisseeröcke zu hauchdünnen Strickoberteilen, halbtransparente Volantkleider und mehrlagige Entwürfe in schimmerndem Grau umschmeicheln die Model-Körper. Sexy Hosenanzüge mit kleinen Jacken in strahlendem Weiß und Wickelkleider im Kimono-Stil kommen hinzu. Aquarellartig wirken die Farben und tragen zu dem sanften Eindruck der vornehmen Gewänder bei.

Spannung herrschte vor der Schau von Céline, gab doch hier die Kroatin Ivana Omazic ihren Einstand. Das Modehaus, das 1945 von der Französin Céline Vipiana zunächst als Kinderschuhladen gegründet worden war, gilt zurzeit als glücklos. Nachdem der Amerikaner Michael Kors der Marke zu Kultstatus verholfen hatte, klappte die Zusammenarbeit mit seinem Nachfolger Roberto Menichetti nicht. Menichetti blieb nur ein Jahr.

Blütenkleider und Doktor-Taschen

Mit der bisher unbekannten Omazic soll alles anders werden. Die in Zagreb geborene 32-Jährige hat vorher bei Miu Miu und Jil Sander gearbeitet. Und sie stürzte sich bei Céline in die Arbeit, besuchte sogar die inzwischen 85-jährige Céline Vipiana, um sich deren modische Visionen erklären zu lassen. "Ein hübscher eleganter und doch lässiger Look" schwebte Omazic vor.

Und der gelang ihr ganz gut. Gefällige Blütenkleider in flammendem Goldorange, plissierte Seiden-Entwürfe oder weiße Trenchcoats auf nackter Haut: So einen Stil mögen kokette Pariserinnen. Dies alles wäre wenig bemerkenswert, hätte Omazic nicht bei Prada das Spiel mit schrägen Elementen gelernt. Sie setzt auf rote Socken, Doktor-Taschen und hochhackige Schuhe - und auf ungewöhnliche Kontraste, ein maisgelber Pullunder zu weißer Schleifenbluse, braunem Lederrock und türkisfarbener Tasche, das zieht die Blicke auf sich.

Stefanie Schütte/DPA
 
 
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