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28. Dezember 2006, 14:40 Uhr

"Die wollen doch nur spielen"

Drei Millionärstöchter, drei alternde Playboys, eine Luxus-Yacht in Monaco - wie der Sportartikelhersteller Puma nach neuen Wegen der Vermarktung von Mode sucht. Von Mareile Grimm

Immer hübsch den Hubertus anlächeln! Schauspieler Udo Kier gibt Lydia Profi-Tipps© Gunnar Knechtel

Lydia steht am Bug der "AVA London", blinzelt in die Sonne und versucht, ähnlich entrückt zu gucken wie Kate Winslet in "Titanic". "Greeeat, darling", ruft Hubertus, der Fotograf, "kannst du die Arme etwas höher heben? Fly for me!" Aber Lydia kann nicht fliegen. Zumindest nicht, ohne dass ihr das dottergelbe Frotteekleid über die Brüste rutscht. Oder die riesige, weiße Sonnenbrille von der Nase gleitet. "Was ist das eigentlich für eine Brille?", ruft jemand aus dem Produktionsteam. "Ist die überhaupt von Puma?" Ist sie nicht. Und deswegen muss die Brille aus dem Bild. "But I really like the Brille!", protestiert der Fotograf. Doch es bleibt dabei: Die Brille muss verschwinden. Sie ist billige Kaufhausware und damit nicht authentisch. Und um Authentizität geht es schließlich bei diesem besonderen Fotoshooting an der C™te d'Azur. Und um den maximalen Glamour-Faktor. Deswegen ist das Mädchen in dem dottergelben Kleid auch nicht irgendein Size-Zero-Model, sondern Lydia Hearst, 22, amerikanische Millionenerbin aus dem gleichnamigen Medienimperium. Ihr zu Füßen, auf einem riesigen Sonnenbett, lümmeln sich ihre Freundinnen Liz, ebenfalls 22, Tochter von Rolling-Stones-Boss Mick Jagger, und Theodora, mit 21 jüngster Spross von Stones-Gitarrist Keith Richards.

Auf der 45-Meter-Luxus-Yacht vor Monte Carlo will der fränkische Sportartikelhersteller Puma für ein Firmen-Booklet den ausschweifenden Lebensstil einer aussterbenden Spezies heraufbeschwören, den "pleasure seeking lifestyle of the last playboys". Drei der letzten echten Gigolos des 70er-Jahre-Jetsets sollen das nachspielen, was Lebemänner damals wie heute zu tun pflegen: attraktive Begleiterinnen an Bord von Booten bespaßen, Champagner trinken und, natürlich, extrem ansprechend dabei aussehen. Dafür hat Puma die passende Kleidung entworfen: "French 77" ist Sportswear im Retro-Stil, inspiriert und mitgestaltet von Ex-Tennis-Profi Guillermo Vilas, der Nummer eins unter den Tennis-Playboys der Siebziger.

Wir erinnern uns: 1977 war nicht nur das Jahr, in dem Elvis Presley starb, "Star Wars" zum ersten Mal die Kinosäle füllte und das legendäre "Studio 54" in New York eröffnete; es war auch das Jahr, in dem ein smarter Argentinier die Tenniswelt auf den Kopf stellte. "Der junge Bulle aus den Pampas" spielte sich mit 17 Turniersiegen, darunter die French- und US-Open, an die Spitze der Weltrangliste und in die Herzen der Zuschauer. Ein Charmeur mit prächtigem Haupthaar, der für ungezügelte Lebenslust stand - auf dem Court wie in den Clubs der High Society. Und der als "Tennis-Poet" galt, Lieder und Gedichte schrieb; unter anderem eines für Caroline von Monaco:

1968 mit Marina Paal in "Schamlos"© CINETEXT

"Schenk mir die Rose deines Körpers,
lehre mich die Lektion deines Lebens,
küsse meine Schrammen auf deine Weise,
weil ich an der Seite deiner Lust leben möchte."

Nun, die Liaison mit der Prinzessin dauerte nur einen Sommer - aber niemand kann in allen Disziplinen punkten.

Jetzt thront der Bulle, mit 54 immer noch langhaarig, aber sichtlich verwelkt, inmitten der jungen Promi-Töchter und genießt die Aussicht. "Wisst ihr, warum ich so viele Sprachen spreche?", fragt er die kichernden Mädchen, "weil ich mit so vielen Frauen im Bett war. Man lernt am besten, wenn viel Leidenschaft im Spiel ist." Von links fällt ihm Giacomo Agostini, 63, ins Wort. Der Italiener, mit 15 WM-Titeln bis heute einer der erfolgreichsten Motorradrennfahrer, hat seinen sonnengebräunten, vernarbten Oberkörper entblößt. "Ach Vilas, sei still. Die Mädchen interessieren sich doch nicht für unsere alten Geschichten. Aber wollt ihr wissen, woher diese Verletzungen stammen, girls? Also diese Narbe am Knie ist aus Italien, das war ein Rennen auf Leben und Tod. Die an der Nase ist aus Deutschland, da bin ich auf meinen Sichtschutz geknallt. Und die hier an der Schulter stammt aus Schweden ..."

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 46/2006

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