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Italienischer Chic vs. deutscher Schlabberlook

Was haben italienische Männer, das deutsche nicht haben? Na, die richtige Frisur, perfekt sitzende T-Shirts und ein Gespür für die Farbwahl.

Von Luisa Brandl, Rom

  Schicker Freizeitlook: So wünschen sich die italienischen Designer Dolce&Gabbana den Mann im Sommer

Schicker Freizeitlook: So wünschen sich die italienischen Designer Dolce&Gabbana den Mann im Sommer

  • Luisa Brandl

Ach Bell'Italia! Schönes Italien, was hast Du nur, was wir nicht haben? Der deutsche Mann zieht sich an, um angezogen zu sein, der Italiener macht "bella figura". Das klingt auch gleich viel eleganter als "eine gute Figur" machen. Italien steht für Farbe und Stil, Deutschland für textile Langeweile. Bei Euch gibt es Prada, Armani, Cavalli und Co. - bei uns gibt es Birkenstock.

Udo, 31, aus Ingolstadt, sitzt auf den steinernen Stufen vorm Pantheon. Er stöhnt über die Hitze. Nie wieder Rom im Hochsommer, schwört er. Es ist dunkel geworden, neben ihm steht eine Flasche mit lauwarm gewordenen Bier auf dem Boden. Wie er da so sitzt, könnte er auch auf eine Wanderung im Schwarzwald gehen: Schlabberiges T-Shirt, Bermudas und sportliche Sandalen. "Jeder soll doch rumlaufen, wie er will", sagt der Bayer, lässt sich dann aber doch auf einen Check mit einem stilbewussten Römer ein.

Ganz leicht vom Fashion-Langweiler zum coolen Typen

Frage: Was soll Udo an seinem Outfit ändern? Fabio, 33, kommt versnobt und leger daher. Er wirkt, als habe er erst vor fünf Minuten das Badezimmer verlassen. Auch Fabio trägt T-Shirt und Bermudas, doch sein Stil ist lässig, nicht formlos. Der Italiener druckst erst herum, spricht von klitzekleinen Verbesserungen - Höflichkeit gehört zum guten Stil -, doch dann geht er ins Detail. Die Nickelbrille geht gar nicht: entweder randlose Brille oder Kontaktlinsen; die krause Kurzhaarfrisur muss man mit Gel in Form bringen; das T-Shirt darf bei Udos schlankem, trainiertem Oberkörper eng anliegen; die Bermudas müssen locker bis unter das Knie fallen; statt der Sandalen rät Fabio zu Fashion-Sneakers mit flachen Söckchen. So würde aus Udo "un tipo", ein cooler Typ. Alles klar, oder?

Das Problem sei, dass die deutschen Männer für Mode kein Geld ausgeben, sagt Pietro Paolo Cenci, der in zweiter Generation das römische Traditionshaus Angelo Cenci führt. "Ihr seid modisch zurückgeblieben, könnt einfach besser Autos bauen. Das einzige, was mal gelaufen ist, sind dunkle Regenmäntel", berichtet Cenci. Die Deutschen verlangten immer nach standardmäßiger Kleidung. Sind wir also knauserig und einfallslos? Und wie macht's der Italiener? "Unsere Stammkunden kommen zwei bis drei Mal pro Saison, sie kaufen für sich, aber auch Artikel zum Verschenken. Sie erkundigen sich nach neuen Trends und lassen sich beraten. Und sie wagen auch mal etwas Neues", weiß Cenci.

Touristen-Graus bei Dolce & Gabbana

Doch woher nehmt Ihr Italiener die Lust am Ausprobieren? Liegt es schlicht am Wetter? Wenn es warm ist, muss man sich wenig bedecken und das schafft Nähe zum eigenen Körper und vielleicht eine größere Vertrautheit. Hängt das Stilgefühl von der Vielfalt der Farben in Italiens Natur ab oder werden die Südländer von den unzähligen Kunstwerken, mit denen das Land gespickt ist, inspiriert? Nach dem Motto: wer schon als kleiner Pimpf am marmornen David empor geschaut hat, entwickelt später Sinn für Ästhetik. Diesen Zusammenhang hat schon Dichterfürst Goethe auf seiner Italienreise feststellen können: "Der Italiener hat überhaupt ein tieferes Gefühl für die hohe Würde der Kunst als andere Nationen. Jeder, der nur irgendetwas treibt, will Künstler, Meister und Professor heißen."

Marco, Verkäufer in der Herrenabteilung von Dolce & Gabbana, geht sieben bis acht Stunden pro Monat shoppen - soviel wie ein ganzer Arbeitstag. "Mein Look ist mir sehr wichtig, sonst fühle ich mich nicht wohl in meiner Haut", sagt der 32-Jährige. Oft grauste es ihn, wenn Touristen in den Laden kommen mit Socken in den Sandalen oder absurden Farbkombinationen wie rot und lila oder rot und braun, aber das darf er denen natürlich nicht sagen. Auch wenn die Italiener gern behaupten, guter Stil sei ihnen in den Erbanlagen festgeschrieben, lassen sich doch einige Grundregeln aufstellen, was ein Italiener schlicht nie tragen würde.

Kleines italienisches Styling-Ein-Mal-Eins

Auf die Tabu-Liste gehört, dass weiße Socken nur auf dem Tennisplatz etwas zu suchen haben. Ein "must not" sind ebenso Strümpfe in Sandalen. Oberhemden mit Taschen sind in Italien verpönt und Vorsicht auch bei den Knöpfen: Nur Achtzigjährige tragen den obersten Hemdknopf geschlossen. Auch Jacketts und Manschetten sind bei Italienern nie ganz zugeknöpft. Als provinziell gilt, wer den Hosenbund über dem Bauchnabel trägt, während der Hosensaum nur bis zum Knöchel reicht. Sünde sind auch zu kurze Schlipse, die den Bauchnabel nicht annähernd bedecken. Ein Schal, der mehrmals um den Hals gewickelt ist, lässt sich nur mit einer Racheninfektion entschuldigen. Schief angeguckt wird auch, wer dasselbe am nächsten Tag noch einmal anzieht. Bei wem einem Parfüm und Rasierwasser schon auf zwei Meter Entfernung entgegen schlagen, ist ebenso unten durch. Bart geht nur, wenn er täglich geschnitten und gut gepflegt ist.

Und dann wäre da noch die Falle mit den Sachen, die nicht zusammenpassen oder dem Look, der sich für einen gegebenen Anlass nicht eignet. Deshalb rät der Armani-Verkäufer Massimiliano zu einem simplen Outfit. Mit Jeans, Blazer, Hemd oder Polo-Shirt käme auch ein Modemuffel ganz gut über die Runden. Grelle Farben wie rot, grün und gelb sollte er lieber weglassen.

Der italienische Stil sei aber auch oft zu provinziell, gibt er zu. Es ginge nur darum, sich gut darzustellen, aber nicht unbedingt, sich wohl zu fühlen - darauf käme es aber an: "Es nützt nichts, wenn man gestylt herumläuft, sich dabei aber verkleidet vorkommt", sagt der 34-jährige Massimiliano. Um sich in Form zu bringen, braucht er allerdings jeden Morgen eine Stunde und zwanzig Minuten. "Wenn ich die nicht habe, ist der Tag von vornherein im Eimer. Dann läuft alles schief", sagt er. Na dann, deutsche Jungs, stellt den Wecker vor. Sonst ist nix mit "bella figura".

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