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Auch Männer lassen sich ihre Brüste machen

Nicht nur Frauen legen sich für einen angeblich schöneren Busen unters Messer, auch Männer sind auf den Geschmack gekommen. Meist aber, weil die Brust zu groß ist. Schuld daran sind versteckte weibliche Hormone.

Ein Grund für die zunehmenden operativen Eingriffe bei männlichen Brüsten sei eine schlaffe Haut nach Gewichtsverlust, berichteten die deutschen und österreichischen Gesellschaften für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie zum Auftakt ihrer Jahrestagung in München.

Zuviel Fast-Food, zuviel Bier

Eine weitere Ursache für die Zunahme des Brustwachstums bei Männern seien weibliche Geschlechtshormone, die vorwiegend über Fleisch in Fast-Food aufgenommen würden. Die Tiere würden mit Hormonen gefüttert, das sich dann im Fleisch ansammele. Auch übermäßiger Biergenuss fördert das Brustwachstum, hier sind aber hormonähnliche Substanzen dafür verantwortlich.

Das Gros der Brustoperationen betrifft weiter Frauen. Gerade bei Frauen mit einer Brustamputation werde aber noch viel zu selten zu Brustimplantaten gegriffen, sagte der Präsident der Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen, Klaus Exner. Nur vier Prozent der Frauen erhielten ein solches Implantat. "Das ist viel zu wenig."

Männer sind bei Schönheits-OPs noch in der Minderheit

Insgesamt sind Männer bei Schönheitsoperationen mit rund zwölf Prozent weiter in der Minderheit. "Männliche Attraktivität wird über Dominanz-Merkmale definiert", erläuterte die stellvertretende Generalsekretärin des Weltverbandes Plastische Chirurgie, Marita Eisenmann-Klein. "Und die kann man nicht hin operieren."

Scharfe Kritik übten die Mediziner an der Arbeit der so genannten Schönheitschirurgen. "Das ist ein Fantasiebegriff", sagte Prof. Rolf Rüdiger Olbrisch, Präsident der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch- Plastischen Chirurgen. Jeder Arzt könne sich nach dem Staatsexamen ohne Zusatzausbildung so nennen.

Erste Gesichtstransplantation steht bevor

Nicht fachgerecht durchgeführte Eingriffe hätten oft schwere Folgen. Fettabsaugungen könnten etwa auch Heilpraktiker vornehmen. Allein in Deutschland seien binnen vier Jahren 21 Patienten nach solchen Eingriffen gestorben, sagte Olbrisch. Auch bei anderen OPs hinterließen nicht fachgerecht ausgeführte Eingriffe zum Teil "fürchterliche Schäden". Etwa habe in einem Fall eine "Bardame" Frauen Silikon aus dem Baumarkt mit einer Baumarktspritze in die Brust gespritzt und die Wunde "mit Pattex zugeklebt". Der kompetente Arzt für eine Schönheitsoperation sei der Facharzt für Plastische Chirurgie. Zudem könnten die jeweiligen Fachärzte Operationen vornehmen, etwa der HNO-Arzt eine Nasenkorrektur.

In den USA steht den Angaben zufolge die erste Gesichtstransplantation weltweit kurz bevor. Die Mediziner warnten vor übersteigerten Hoffnungen. Unklar sei die Stärke der Abstoßung des fremden Gewebes. Die Kongresspräsidentin der österreichischen Teilnehmer, Prof. Hildegunde Piza-Katzer, warnte vor den schweren Belastungen im Falle einer deshalb möglicherweise nötigen erneuten Amputation, wenn sich der Mensch gerade an seine neue Identität gewöhnt habe.

Bis Samstag befassen sich in München 800 Teilnehmer mit neuesten Entwicklungen ihres Faches.

DPA

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