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Interview

"Frauen sind die besseren Designer"

Sie ist eine der wenigen Frauen, die sich in der Modebranche durchgesetzt hat: Stella McCartney spricht im Interview mit dem stern über Feminismus und warum auch Mode politisch ist.

Von Franziska Rentzsch

Stella McCartney

Stella McCartney zu Gast auf der Berliner Fashion Week

Berlin, Fashion Week, 11 Uhr. Blitzlichtgewitter in der ersten Reihe. ist angekommen. Dabei kann sich die britische Designerin heute zurücklehnen. Die eigentliche Show gehört den fünf Nachwuchstalenten des "Designer for Tomorrow"-Awards (Dft) von Peek & Cloppenburg & Fashion ID, den am Ende Lara Krude aus Hamburg mit nach Hause nimmt. Als Gewinnerin soll ihr nun der Einstieg in ein hart umkämpftes Business erleichtert werden, begleitet von Schirmherrin Stella McCartney, die den Weg an die Spitze bereits kennt. Mit uns sprach sie über anfängliche Schwierigkeiten, fehlende Gleichberechtigung in der Modewelt und warum Frauen die besseren Designer sind.

Sie sind nun zum zweiten Mal Schirmherrin des "Designer for Tomorrow"-Awards und haben auch dieses Jahr wieder nur Frauen ins Finale gewählt. Sind sie die besseren Designer?

Es war wirklich keine bewusste Entscheidung. Ich habe mir weniger die Namen als die Arbeiten der Teilnehmer angeschaut. Und es ist natürlich eine sehr subjektive Frage. Aber ja, ich denke, dass Frauen die besseren Designer sind. Weil auch ich eine von ihnen bin!

Also hatte die Auswahl nichts damit zu tun, dass Frauen in der Modeindustrie mehr Unterstützung brauchen?

Das war in diesem Fall nicht so. Aber ich glaube tatsächlich, dass Frauen auf der ganzen Welt und in jedem Business mehr gefördert werden müssen, als . Ich habe über 80 Prozent Frauen in meinem Unternehmen. Aber das ist die Ausnahme. Ich bleibe dabei, dass hinter jedem großen Mann in der Modewelt viele großartige Frauen stehen. Dabei bräuchten sie so viel mehr Aufmerksamkeit. Weil sie es verdienen und weil wir gleichberechtigt sind.

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Wenn Sie von Gleichberechtigung sprechen, was sagen Sie dann zu dem Slogan "The Future is Female", der aktuell wieder kursiert. Sollte es dann nicht besser "The Future is Equal" heißen?

Ja, das ist schwierig. Ich glaube, dass wir beide zum Beispiel schon sehr privilegiert sind. Wir sitzen hier und führen ein Interview, haben einen guten Zugang zu Bildung. Aber die Mehrheit der Frauen auf der Welt ist noch nicht an diesem Punkt angekommen. Deshalb brauchen sie unsere Hilfe und die bekommen sie nur, wenn man für Frauenrechte kämpft. Aber bis dahin macht es wenig Sinn, über den genauen Wortlaut zu streiten.

Als Sie Ihre Karriere begonnen haben, gab es auch kaum weibliche Designer. Bei Chloé wurden Sie dann die Nachfolgerin von Karl Lagerfeld. Wie schwierig war es für Sie, sich in dieser Männerwelt zu behaupten?

Naja, ich hatte einfach großes Glück schon von Beginn an. Ich musste niemals richtig kämpfen, um dahin zu kommen, wo ich heute stehe. Ich konnte immer arbeiten, die Menschen mochten meine Kollektionen. Was das angeht, hatte ich eigentlich keine Probleme.

Sie hatten ja auch schon einen bekannten Namen.

Aber es gab natürlich auch schwierige Momente in meiner Karriere. Gerade als Frau in einem von Männern dominierten Umfeld. Am Anfang wurde mir von einem Mann gesagt, dass ich es als Frau niemals schaffen würde. "Nenn mir irgendeine weibliche Modedesignerin aus England, die Erfolg hatte. Kannst du nicht", sagte er. Und ich wollte ihm natürlich das Gegenteil beweisen.

Wie wichtig finden Sie es dann, dass die selbst auch als Medium für Gleichberechtigung eingesetzt wird? Ich denke da an die Äußerungen Donald Trumps und den feministischen T-Shirt-Slogan von Dior als Antwort darauf.

Ja, wieso nicht? Alles ist die richtige Plattform für politische Statements. Wir sollten alle politisch sein, ob mit unseren Filmen, mit unserer Kunst, mit Mode oder eben über Twitter. Ganz egal. Aber grundsätzlich sollte Modedesign und Kreativität doch eher auf der persönlichen Erfahrung beruhen, die man ausdrücken will. Wenn man zu sehr auf Äußeres schaut, bleibt das erfolglos.

Ist das auch die Botschaft, die Sie den Nachwuchsdesignern des DfT mit auf den Weg geben wollen?

Ja. Denn ich bin immer nur in die Richtung gegangen, die sich für mich auch gut und ehrlich angefühlt hat und mit dem, was mir immer wichtig war, wie Tierschutz und Nachhaltigkeit. Am Anfang war das natürlich nicht immer förderlich, weil es auch Menschen gab, die das noch nicht verstehen konnten. Aber aus heutiger Sicht, war es der bessere Weg, mit dem ich mir treu bleiben konnte und werde.


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