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19. August 2007, 14:33 Uhr

Schnell, nicht schön

Wenn eine Horde von Frauen auf High Heels um die Wette sprintet, nennt man das "Stiletto-Run". Die Siegerin aus Berlin brauchte für die 100-Meter-Strecke weniger als 15 Sekunden. Von Björn Erichsen

Füße im Eimer, Frau im Ziel - Stiletto-Run in Berlin© Glamour

Die wichtigste Meldung vorneweg: "So weit wir wissen, ist niemand ernsthaft verletzt worden", sagt Nikolaus Albrecht, Chefredakteur der Frauenzeitschrift "Glamour". "Aber um geschwollene Füße werden einige der Damen sicher nicht herumkommen." Er muss es wissen, schon zum zweiten Mal veranstaltet seine Zeitschrift an diesem Wochenende in Berlin den "Stiletto-Run". Ein Hundertmeterlauf der besonderen Art: Die Strecke muss in High Heels bewältigt werden.

"Ich mache nur aus Spaß an der Sache mit", sagt Martina, 24 aus Berlin. Es ist das, was die meisten Läuferinnen als Grund angeben, warum sie freiwillig auf hohen Hacken um die Wette sprinten. "Aber natürlich wäre es schon schön zu gewinnen", fügt sie noch hinzu. Denn das lohnt sich wirklich: Der Siegerin winkt ein Einkaufsgutschein im Wert von 10.000 Euro.

Sonya Kraus kneift

Vor dem Start geht es für die 100 Teilnehmerinnen noch zur Präsentation auf den Laufsteg. Da kommt der Berliner auf dem belebten Wittenbergplatz zwischen Wochenendeinkauf und mittäglicher Knackwurst ordentlich ins Kieken, als die Sexy-Hundertschaft, teilweise ein wenig unbeholfen, über den Freiluft-Catwalk stöckelt. High Heels in allen Formen und Farben. Pink, Türkis und schlangenledergrün, mal strasssteinbesetzt, mal vorne offen. Für den Lauf gibt es nur eine einzige Vorgabe: Die Absätze müssen mindestens sieben Zentimeter hoch und 1,5 Zentimeter breit sein.

Moderiert wird die Veranstaltung von Sonya Kraus, TV-Total-Blondine und bekennende Schuhfetischistin, wie sie ein paar Mal betont, während sie im luftigen Jeans-Kleidchen über die Bühne tänzelt. Natürlich ist auch sie in High Heels unterwegs. Ob sie selbst schon mal in Stilettos gesprintet ist? "Nee, Gott bewahre, bei mir geht Schönheit eindeutig vor Schnelligkeit!"

Bruce Darnell schwebt

Nach einem kurzen Plausch über die kommende Schuhmode einigt sich Kraus mit der Beauty-Chefin von "Glamour" darauf, dass der Stiletto-Run alles andere als frauenfeindlich sei. Kritiker hätten so etwas im Vorfeld behaupt. "Das ist geradezu absurd", meint die Beauty-Chefin. "Im letzten Jahr gab es nur positive Resonanz von den Leserinnen. Außerdem trägt das Stiletto-Tragen zum Körperbewusstsein bei."

Damit ist Bruce Darnell reichlich gesegnet. Der Mit-Juror bei "Germany's next Topmodel" ist der Star der Veranstaltung, Jubel brandet auf, als der Model-Trainer im weißen Anzug auf die Bühne kommt. "Der einzige Mann, der den Frauen die Schau stehlen kann" (Kraus) wirkt zurückhaltend, fast scheu und lässt sich ein paar Mal bitten, bevor er über den Laufsteg schreitet. Sieben, acht sichere Schritte, dann eine zackige Drehung auf den Spitzen seiner flachen Silberschuhe. Jawohl so wird's gemacht. Sein Tipp für laufbreiten Damen: "Alles tolle Mädchen, einfach Augen zu und durch!"

Blond und brillant beschuht: Nena aus Stuttgart© Björn Erichsen

Daniela Hanitzsch sprintet

In der abgesperrten Bayreuther Straße, gleich nebenan, scharren die 100 Ladies inzwischen mit den Pfennigabsätzen. Ein letzter Blick in den Schminkspiegel, das Make up sitzt. Dann der Startschuss. Die erste Reihe flitzt davon, dahinter kommen einige ins Wanken. Eine Blondine knickt um, ihr Schuh fliegt durch die Luft. Die Masse johlt. An der Spitze kommt es zum Zweikampf, den die Startnummer 4, Denise Hanitzsch, mit weit ausholenden Schritten für sich entscheidet.

Die Zeit der 24-jährigen aus Berlin Hohnschönhausen in ihren sportiven Stilettos - 7,5 Zentimeter, hoch, weiß mit zwei roten Streifen - kann sich wahrlich sehen lassen: 14,7 Sekunden. So schnell sind andere nicht mal in Turnschuhen. "Ich habe überhaupt nicht trainiert und Sport mache ich auch nicht", verrät die Kauffrau für Bürokommunikation nach dem Zieleinlauf. "Aber ich trage im Job eigentlich immer Stilettos, sodass ich Übung habe." Was sie sich von den 10.000 Euro kaufen wird, weiß sie noch nicht. "In jedem Fall werden Schuhe dabei sein."

Petra braucht das Fußpflegeset

Petra aus Essen hat weniger Glück, sie trottet mit dem geschlagenen Feld ins Ziel. Atemlos, mit hochroten Kopf, wie fast alle Stöckelsprinterinnen. "Meine Füße tun weh und meine Oberschenkel fühlen sich an, als würden sie gleich platzen", gibt sie zu Protokoll. Ihre roten Heels, stolze zwölf Zentimeter hoch, haben den Lauf nicht überstanden. An der Seite eingerissen, nicht mehr zu gebrauchen. Doch sie kann sich trösten: Wie alle Teilnehmerinnen bekommt sie eine Glamour-Tüte. Darin: eine Urkunde, die an diesen besonderen Tag erinnert, ein paar hohe Clogs und ein Fußpflegeset.

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Stilettos - tolles Accessoir oder Körperverletzung?

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Von Björn Erichsen
 
 
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