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21. Dezember 2008, 12:04 Uhr

Geld verprassen, das traut sich keiner mehr

New York City ist ein Shopping-Paradies, besonders vor Weihnachten. Im ersten Dezember nach der Wirtschaftskrise sieht aber alles anders aus. Wo sich sonst Touristen drängen, herrscht gähnende Leere. Nicht einmal mehr gut betuchte New Yorker geben gern und offensiv ihr Geld aus. Von Ulrike von Bülow, New York

New York, Shopping, Shopping Pardies, Shopping in New York

Viele New Yorker Geschäfte, wie hier "Banana Republic", versuchen mit zusätzlichen Prozenten Käufer anzulocken© Mario Tama/Getty Images

Die New York Yankees sind die berühmteste und reichste und lauteste Baseball-Mannschaft der Welt. Bescheidenheit ist ein Fremdwort für sie, Erfolg inzwischen leider auch. Die Yankees sind der Rekordmeister der amerikanischen Major League Baseball, ihren letzten großen Titel aber gewannen sie 2000. In dieser Saison fanden die Play-Offs der Liga ohne sie statt, erstmals seit 1993, was auch daran lag, dass Alex Rodriguez, ihr Homerun-König, nur abseits des Spielfeldes auffiel: als angeblicher Liebhaber von Madonna, der Pop-Königin. Champions sind die Yankees nur noch im Geld ausgeben. Das aber kommt in Zeiten von Rezession und Rekordarbeitslosigkeit nicht besonders gut an.

Im Frühling ziehen die Yankees in ein neues Stadion, dessen Bau 1,3 Milliarden Dollar gekostet hat, vorher verpflichteten sie noch schnell Carsten Charles Sabathia, genannt C.C., von den Milwaukee Brewers. C.C. Sabathia ist der beste Werfer der Liga - und nun auch der bestbezahlte: Die Yankees garantieren ihm in den nächsten sieben Jahren 161 Millionen Dollar - eine Rekordsumme. Am Donnerstag wurde Sabathia in New York City präsentiert, natürlich mit mächtig viel Getöse, derweil das "New York Magazine" leicht angeekelt fragte, wie man ausgerechnet "während einer Finanzkrise" darauf kommen könne, jemanden "zum teuersten Werfer in der Geschichte des Baseballs zu machen"?

New York, Shopping, Shopping Pardies, Shopping in New York

Trotz Finanzkrise: der riesige Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center steht auch 2008© Julie Jacobson/AP

New Yorker erzählen ungefragt, was ihr Verlobungsring wert ist

Geld ist ein wichtiges Thema in New York, jedenfalls in Manhattan; die Menschen hier definieren sich gern über ihr Einkommen und ihre Ausgaben, sie erzählen ungefragt, wie hoch ihre Miete und was ihr Verlobungsring wert ist. Nun aber, da täglich schlechte Nachrichten von der Wall Street, von überall her kommen, ist Geld auch ein sensibles Thema. Die New Yorker sind ungewöhnlich zurückhaltend und nachdenklich in diesen Tagen, da sich Weihnachten nähert und jeder, der nicht sozial blind ist wie die Yankees, spüren kann, dass etwas anders ist als sonst. Die Festtagslaune fehlt.

Manhattan in der Vorweihnachtszeit, das ist eigentlich traumhaft schön. Vor dem Rockefeller-Center leuchtet der legendäre XXXL-Weihnachtsbaum, auf den Straßen funkeln Weihnachtssterne, die Bäume tragen Lichterketten und der Sound der Stadt wird von Weihnachtslieder bestimmt: Überall hört man "White Christmas" oder "Have Yourself A Merry Little Christmas". Im Dezember 2007 reisten allein eine Million Europäer zum Christmas-Shopping nach New York und erfreuten sich am günstigen Dollar-Kurs. Auf weiten Teilen des Broadways bekam man Platzangst, nicht anders war es auf der Fifth Avenue in Midtown: Gefühlt waren dort täglich zehn Millionen Menschen unterwegs, Einheimische wie Fremde, die mit ihren Einkaufstüten die Gehwege verstopften.

Viele Verkäufer, keine Käufer

Heute aber kann man sich auf der Fifth Avenue ganz entspannt bewegen. Bei Gucci oder Roberto Cavalli sieht man viele Verkäufer herum stehen, aber kaum Einkäufer. In fast jedem Schaufenster hängen Schilder, die nach Kundschaft rufen: "Sale" steht darauf, Ausverkauf, "alles um 50 Prozent reduziert!" Nur bei Abercrombie & Fitch nicht, deren Kapuzenpullis mit Aufdruck ja bei jungen Leuten furchtbar beliebt sind, weil sie auch von Hochglanzpoppern wie David Beckham getragen werden und nicht die Welt kosten. Abercrombie & Fitch erlebte im November einen Verkaufseinbruchs von 28 Prozent, weigert sich aber, die Preise herabzusetzen, weil das die Marke billig erscheinen lassen könnte, wie der Firmenchef sagt. Schön blöd: Übermäßig voll ist der Laden gerade nicht.

Schräg gegenüber bei Tiffany gibt es jetzt rote Schildchen in den Schmuck-Vitrinen, die darauf hinweisen, wo "Schmuck unter 150 Dollar" und "Schmuck unter 200 Dollar" zu finden ist. "Die Leute geben ihr Geld nicht mehr so leicht aus", sagt einer der Angestellten "Wir alle spüren die Krise", sagt er noch, dann holt er einen silbernen Ring mit einem Mini-Diamanten hervor, kein Schnäppchen, und fragt: "Wollen Sie den mal probieren?"

Reiche shoppen anonym

Das alles heißt natürlich nicht, dass in New York City niemand Geld ausgeben mag; es gibt immer noch viele Menschen, die mehr als genug davon haben. Es scheint ihnen wegen des wirtschaftlichen Klimas aber ein bisschen unangenehm zu sein, mit dicken Tüten durch die Gegend zu laufen, auf denen Prada & Co steht. In der "New York Times" gab es kürzlich eine große Geschichte, in der es um "anonyme Luxus-Shopper" ging: Reiche Leute, die beim Geld ausgeben lieber nicht gesehen werden wollen.

Die so denken wie Maggie Buckley, Redakteurin bei der Modezeitschrift "Allure": "Es ist in diesen Zeiten ein bisschen peinlich, einkaufen zu gehen", sagt Miss Buckley, "das hat fast etwas vulgäres." Sie geht jetzt lieber zu privaten Kaufveranstaltungen, von denen es in der Stadt neuerdings eine Menge gibt: Tupperwarepartys im High End-Bereich. Sie finden in Luxus-Hotels statt oder in Luxus-Apartments, Designer oder Juweliere bieten ihre Luxusgüter im ausgewählten Kreis an. Man ist unter seinesgleichen - und niemand muss sich schämen, der eine Brosche mit Diamanten und Saphiren kauft, die etwa so viel kostet wie ein Privatflugzeug.

Von Ulrike von Bülow, New York
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Longen (22.12.2008, 10:55 Uhr)
So ein Bloedsinn!
Wer hat diesen Unsinn geschrieben? Der Autor sollte einfach mal mit offenen Augen durch Manhattan laufen (falls er/sie ueberhaupt da war). Die 5th Avenue ist voll wie jedes Jahr und die Sales gehoeren einfach zu Weihnachten, jedes Jahr. Ein weiterer, ueberfluessiger Artikel, der an der Wahrheit vorbei ist und unsere tolle Krise nutzt, Zugriffszahlen auf eine Nicht-Information zu erzielen. Danke Stern, Du wirst wie der Spiegel. Schliesst auch am besten zusammen, das erspart mir wenigstens, mich ueber 2 Sites und deren Informationsgehalt zu aergern.
Sanjoaquin (22.12.2008, 10:10 Uhr)
SirExekutive - wieder voll am Thema vorbei
Liebster SirExekutive, auch wenn Sie wieder einmal reflexartig Rockefeller - böser Kapitalismus kombinieren, sind Sie mit Vollgas in die falsche Richtung unterwegs. Das Rockefeller Center musste nämlich in den 80-er Jahren als George Bush I Präsident war, weil der Eigentümer kein Geld mehr hatte, an den Mitsubishi Konzern verkauft werden. Deshalb heisst es auch heute im Volksmund spöttisch das Mitsubushy-Center. Wenn schon ein Symbol, dann ein Symbol für den Niedergang des Kapitalismus.
Ansonsten klingt der gesamte Artikel so, als ob irgendein Leihredakteur gesagt hätte: "Schreiben Sie mal irgendwas über Weihnachtseinkäufe und Finanzkrise, Frau Bülow, aber machen Sie schnell, übermorgen ist Weihnachten!"
SirExekutive (21.12.2008, 14:48 Uhr)
sehr symbolreich
das der newyorker weihnachtsbaum direkt hinter dem rockefeller "brunnen" steht... bzw. vor dem rockefeller gebäude.
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den leuten wird die "wahrheit" quasi direkt ins blickfeld geparkt und trotzdem nicht erkannt..
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und die herren finden es wahrscheinlich noch hoch amüsant
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jeder sieht den brunnen aber keiner kennt dessen bedeutung
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würden sie die bedeutung kennen, würden sie den purer zynismus in anbetracht der aktuellen "weltwirtschaftskrise" erkennen..
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nicht umsonst gehört der rockefellerclan zu jenen monopolkapitalisten, welche ihr vermögen in den großen "kriesenzeiten" systematisch potenzieren konnten und gleichzeitig die befungnisse der FED usw. über alles andere stellen
starmax (21.12.2008, 14:00 Uhr)
Nach der Wirtschaftskrise ?
Sorry, die USA sind mitten drin und kommen in die Depression.
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