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"Manchmal fühle ich mich gar nicht lustig"

Alkoholsucht, Herz-OP, Scheidung, dritte Heirat. Robin Williams hat viel durchgemacht in den vergangenen drei Jahren. Jetzt ist er wieder da. In der englischen Originalfassung von "Happy Feet 2" spricht er gleich zwei der Hauptcharaktere. stern.de traf den Komiker in Los Angeles.

Von Frank Siering

Robin Williams steht an der Veranda-Tür vom Beverly Hilton Hotel und trinkt ein Glas Wasser. Schwarzer Pulli, schwarze Hose. Frisch rasiert. Lächelnd. Er lädt den Reporter ins Hotelzimmer ein. Williams spricht leise. Er ist sehr höflich, fast schon ein bißchen schüchtern. Unerwartetes Auftreten von einem, der als einer der lustigsten Menschen der Welt gilt. Aber Williams kennt den Fluch der Komiker. Immer und überall erwartet die Welt, dass "Mrs Doubtfire" gleich den nächsten Witz rauslässt. Nicht so an diesem sonnigen Nachmittag in Los Angeles. Williams, frisch verheiratet (zum dritten Mal), hat viel durchgemacht in den letzten drei Jahren. Alkoholsucht, Entzug, Herz-OP, Hochzeit. Eine bunte Themen-Palette für den Superstar, der gleich zwei süssen Pinguinen seine Stimme in der englischen Version von "Happy Feet 2" verleiht.

Mr. Williams, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch. Sie sind relativ frisch verheiratet.

Ja, vielen Dank für die Blumen. Wie sagt man so schön: Alle guten Dinge sind drei, oder? (lacht)

Es ist tatsächlich Ihr dritter Versuch. Aber diesmal genießen Sie es offensichtlich, in einer festen Beziehung zu sein.

Ja, das stimmt. Ich bin echt happy. Mein Leben scheint in die richtige Richtung zu zeigen.

Sie sagen das so, als zählten Sie nicht zu den erfolgreichsten Stars in Hollywood.

Naja, beruflich läuft es ja auch alles prima. Jetzt durfte ich sogar noch einmal mit "Happy Feet 2" als Stimme von Ramon und Lovelace zurückkommen. Aber privat hab ich schon eine Menge durchgemacht in den letzten Jahren.

Sie sprechen Ihre Herzoperation an, ja?

Genau. Wenn die dich so richtig aufmachen und in dein Herz reinschauen, das verändert dich schon. Du schätzt das einfache Leben plötzlich viel mehr. Die einfachen Dinge, Sonne, Atmen, auf einmal sind das Attribute, die dich ohne wirklichen Grund zum Lachen bringen.

Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Sie eine zweite Chance im Leben bekommen haben?

Ja, das stimmt absolut. Du hast das Gefühl, dass du präsenter bist in der Gegenwart. Du eilst nicht mehr so durchs Leben. Das war hart für mich, diese ständige Hast im Leben. Und die ist jetzt weg.

Man sagt, dass eine Herzoperation Emotionen freisetzt. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Ich bin heute viel emotionaler, heule bei der kleinsten Gelegenheit. Manchmal ist es sogar ein bisschen peinlich (lacht).

Mr. Williams, warum arbeiten Sie heute eigentlich noch? Um Geld kann es ja nun wirklich nicht mehr gehen?

Das stimmt wohl, um Geld geht es nicht mehr. Für mich geht es heute darum, mich spirituell weiterentwickeln zu können. Das ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Deshalb gehe ich auch weiterhin gerne zur Arbeit. Ich möchte an interessanten Projekten mit interessanten Leuten zusammenarbeiten. Und das Schöne ist, dass ich heute warten kann, dass spannende Projekte auf mich zukommen. Ich muss nicht mehr aktiv hinter den Jobs herjagen.

Wie ist das eigentlich, wenn Sie in einen Raum kommen und alle erwarten, dass Sie lustig sein müssen?

Das ist schon komisch. Denn manchmal fühle auch ich mich nicht besonders lustig. Vor allem bei gemeinsamen Fotos ist es manchmal nervig. Ich schaue dann ganz normal drein und meist kriege ich einen Kommentar wie "Nun lachen Sie doch mal". ­ Was ist, wenn ich nicht in der Stimmung bin zu lachen?

In "Happy Feet 2" sprechen Sie in der englischen Version "Ramon". Der ist recht romantisch. Ist Robin Williams das auch?

Ich werde langsam ein bißchen besser. Früher war das nicht so, früher fand ich das albern. Aber heute genieße ich es.

Was mögen Sie am meisten an den kleinen Pinguinen in "Happy Feet"?

Niemals aufgeben, immer weitermachen. Das mag ich, das ist immer auch mein Motto gewesen.

Sie haben als TV-Star angefangen. Was schauen Sie sich eigentlich heute im Fernsehen an?

Ich mag "Modern Family", eine tolle Schow. Und ich schaue auch gerne "Glee". Diese Sendungen transformieren die politische Landschaft in Amerika. Sie predigen Toleranz und sie haben damit Erfolg.

Sie waren gut mit Christopher Reeve befreundet. Wie behalten Sie sein Vermächtnis in guter Erinnerung?

Ich vermisse ihn enorm. Er war ein toller Mensch. Wir können nur seine Foundation fördern. "Stem-Cell Research" lag ihm sehr am Herzen. Ich setze mich auch dafür ein.

Was vermissen Sie am meisten, wenn Sie an Supermann Reeve denken?

Er war wie eine Lichtsäule. Ich habe es total gemocht, wenn er mit seinem Sohn und mit seiner Tochter zusammen war. Er hat es geliebt, laut zu lachen. Und ich erinnere mich daran, dass immer sehr viele Menschen auf ihn zukamen und sagten, dass er ihr Held sei. Er antwortete dann immer: Findet einen anderen Helden. Er wollte diesen Druck nicht.

Was bedeuten Ihnen heute Familie und Freundschaft?

Das sind die stärksten Komponenten in meinem Leben. Freunde helfen dir durch die schlimmsten Stürme im Leben. Ich habe nicht zu viele Freunde, aber die wenigen sind großartig. Wenn der Superstar mit mir durchgeht, dann erinnern sie mich einfach schnell an ein paar meiner schlechten Filme wie zum Beispiel "Popeye", das ernüchtert enorm (lacht).

Hey, ich fand "Popeye" recht gut.

Ach, Sie waren das. (lacht)

Ist es Ihnen heute noch wichtig, berühmt zu sein?

Ach, das mit der Berühmtheit ist so eine Sache. Sie kommt und geht. Ich weiß nicht, ob es mich noch wirklich interessiert. Ich nehme es mit Sicherheit nicht mehr so ernst.

Sie kennen auch die Schattenseiten des Ruhmes. Sie haben ihre Erfahrungen mit Drogen ...

Ja, habe ich. Aber heute trinke ich nicht mehr. Heute kann ich darüber reden. Es ist schwierig, wenn du noch trinkst und so tust, als sei alles in Ordnung und keiner würde es merken, wenn du volltrunken in der Ecke sitzt.

Wie haben Sie ihre Alkoholsucht ersetzt?

Mit guten Freunden, guter Konversation. Das ist übrigens viel besser, als sich volllaufen zu lassen.

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