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7. Januar 2003, 18:22 Uhr

Napoleon & Joséphine

Er eroberte Europa, aber nicht seine Kaiserin, die er abgöttisch liebte. Sie betrog ihn, er rächte sich mit trotzigen Amouren. Am Ende blieb nur die Scheidung.

Gemälde Davids

Nein, er will Joséphine nicht mehr sehen. Nie mehr. Es ist aus und vorbei. Er wird sich scheiden lassen.

Was war das für eine Demütigung in Ägypten! Glühend verliebt hatte Napoleon sich in Paris von seiner Frau verabschiedet. War dann monatelang mit seinen 40.000 Soldaten und 200 Schiffen unterwegs, um diese arroganten Engländer irgendwie über den Umweg einer Eroberung an den Verhandlungstisch zu zwingen. Sie sollten endlich das neue Europa anerkennen. Ein gefährlicher Job war das. Fast wäre der 28-jährige General dabei draufgegangen.

Aber er gewinnt die Schlacht bei den Pyramiden und lässt – wie André Maurois in seiner Napoleon-Biografie schreibt – all seine Juristen, Verwaltungsbeamten, Pädagogen, Forscher, Ärzte, Künstler und Schriftsteller, die der Stratege mit auf den Feldzug genommen hat, ausschwärmen. Und schafft mit ihnen ein modernes Ägypten – streng islamisch mit französischem Touch.

Ja, er ist stolz. Stolz auf seine Begabung und seinen Erfolg. Lässt Hieroglyphen entziffern, medizinische Stationen einrichten, hält seine Truppen mit Theater und Straußenjagden bei Laune, trägt auch Turban und orientalische Gewänder, diktiert Depeschen im Stil, den er für morgenländisch hält, wäre, wenn man es von ihm erwartet hätte, sogar Mohammedaner geworden. Und er schreibt Liebesbriefe an Joséphine.

Aber dann kommt die Nachricht aus Paris: Seine Frau betrügt ihn. Schon wieder. Dabei hatte sie ihm nach dem letzten Seitensprung geschworen, treu zu sein. Und nun? Vergnügt sie sich in Paris, macht Schulden, kauft mal eben Schloss Malmaison, tanzt in durchsichtigen Roben und liegt in den Armen dieses jungen Oberleutnants Hippolyte Charles. Napoleon ist außer sich. Brüllt seinen Sekretär an: Ich werde all diese Laffen und Stutzer vernichten! Und dann die Scheidung einreichen. Jawohl, eine Scheidung!

Doch zum Zorn kommt die Verzweiflung. Seinem Bruder Joseph schreibt er, wie unglücklich er ist: Alle Gefühle sind verdorrt. Der Ruhm schmeckt fade. Er möchte nur noch allein sein. Sein Bruder soll ihm ein Landhaus besorgen, egal wo, nur weg von Joséphine.

Dieser Brief wird vom englischen Belagerer Admiral Nelson, der Napoleons Flotte kurz zuvor in der Bucht bei Abukir vernichtet hat, abgefangen und nach England geschickt. Am 24. November 1798 erscheint er im Londoner „Morning Chronicle“. Und schon ein paar Tage später lachen in Paris Außenminister Talleyrand, Polizeichef Fouché und alle Gegner und Feinde über den gehörnten kleinen General. Napoleon kann viel vertragen, nur keinen Spott. Und so nimmt er sich denn aus Wut, aus Trotz und verletzter Eitelkeit eine Geliebte.

Es sind ja genug Französinnen in der Armee, Wäscherinnen, Näherinnen, Köchinnen. Und Pauline Fourès ist eine entzückende Blondine. Er liebt sie nicht, aber sie erfüllt seinen Zweck. Er fährt im offenen Wagen mit ihr durch Kairo. Und trotz der englischen Blockade, schreibt Vincent Cronin in seiner Napoleon-Biografie, erfährt Joséphine, dass der Eroberer Ägyptens eine Kleopatra hat.

Als Napoleon am 16. Oktober 1799 um sechs Uhr früh nach fast eineinhalb Jahren zu Hause ankommt, ist niemand da. Den Heimkehrern aus Ägypten ergeht es wie denen von Troja, sagt er zu seinen Begleitern. Deren Frauen waren ja genauso treu.

Joséphine kommt zwei Tage später völlig aufgelöst in der Rue de la Victoire an. Sie war ihrem Mann über Burgund entgegengereist, wollte ihn abfangen, bevor seine Familie mit Mutter, Brüdern, Schwestern über sie herziehen konnte. Doch er war über Nevers gekommen. Nun fleht sie um Vergebung. Aber Napoleon hat sich im Schlafzimmer eingeschlossen. Er will sie nicht sehen. Joséphine weicht nicht von der Schwelle. Sitzt die ganze Nacht bittend und buhlend vor seiner Tür. Sie liebe doch nur ihn. Das mit Hippolyte sei längst vorbei. Der habe sie auch nur beschützt und begleitet.

Beschützt? Begleitet? Er hat sich doch erkundigt. Hat nachgefragt. Hat von allen Freunden die eine vernichtende Antwort bekommen. Nein, er bleibt hart, und die Tür bleibt zu. Bis zum frühen Morgen.

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