Rettet den Feierabend

29. Januar 2013, 15:59 Uhr

Viel Stress, wenig Ruhe: Das halten auf Dauer nur die wenigsten von uns aus. Doch es gibt Methoden, wie wir unser Leben vor der Arbeit schützen können.

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Deutsche Arbeitgeber sind zum psychischen Arbeitsschutz gesetzlich verpflichtet: "Mit allen Sanktionen, mit allen Konsequenzen", sagt Ursula von der Leyen©

Hoher Druck am Arbeitsplatz: Fast jeder Fünfte fühlt sich überfordert - und 43 Prozent der Berufstätigen in Deutschland klagen über wachsenden Stress. Das geht aus dem "Stressreport Deutschland 2012" der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hervor, der am Dienstag in Berlin vorgelegt wurde. Für die Studie wurden bundesweit fast 18.000 Arbeitnehmer zu psychischen Anforderungen, Belastungen und Stressfolgen ihres Arbeitsalltags befragt. Ergebnis: Anforderungen und positive Aspekte im Berufsalltag haben sich seit 2005/2006 "auf hohem Niveau" kaum verändert.

Nach der Studie sind Termin- und Leistungsdruck in Deutschland häufiger als im Durchschnitt der 27 EU-Länder: Knapp 60 Prozent der Befragten gaben an, verschiedene Aufgaben gleichzeitig betreuen zu müssen. Fast jeder Zweite wird demnach bei der Arbeit durch Störungen wie Telefonate und E-Mails unterbrochen. Jeder vierte Arbeitnehmer lässt der Studie zufolge seine Pause ausfallen - meist, weil diese nicht in den Arbeitsablauf passe oder es zu viel Arbeit gebe.

Für 35 Prozent ist die Arbeitswoche länger als 40 Stunden. Insgesamt 64 Prozent arbeiten auch samstags, 38 Prozent an Sonn- und Feiertagen. Besonders belastet sind Chefs. Das erschwere zugleich eine gute Personalführung, sagte BAuA-Präsidentin Isabel Rothe.

Gegen Burnout: Kurse für Stressmanagement

Häufig schadet Stress der Gesundheit: 17 Prozent der Befragten fühlten sich in den letzten zwölf Monaten während der Arbeit häufig körperlich und emotional erschöpft. Zudem haben die Beschwerden an sich - von Rücken- oder Nackenschmerzen, über Müdigkeit, Schlafstörungen bis hin zu Reizbarkeit und Nervosität - zugenommen.

Das Bundesamt für Arbeitsschutz fordert die Arbeitgeber auf, Organisationskulturen mit überlangen Arbeitszeiten, Zeitdruck und Multitasking kritisch zu hinterfragen. Möglichkeiten seien dabei unter anderem die Einführung störungsfreier Arbeitszeiten oder Kurse zum Zeit- und Stressmanagement. Bei Restrukturierungen müssten neben den Chancen für die Wettbewerbsfähigkeit auch die Risiken für die Beschäftigten beachtet werden.

Wenn es um den Schutz vor körperlichen Gefahren gehe, seien deutsche Unternehmen "spitze", leider machten sich aber noch viel zu wenige Betriebe Gedanken, wie sie ihre Mitarbeiter vor Stress und Burnout schützen können", erklärte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen. "Wir haben 2011 59 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen registriert. Das ist ein Anstieg um mehr als 80 Prozent in den letzten 15 Jahren." Daraus ergäben sich Produktionsausfälle von sechs Milliarden Euro. "Es kostet richtig viel Geld." Psychische Erkrankungen seien bei der Frühverrentung mit 41 Prozent inzwischen "Ursache Nummer eins".

Tabuthema psychische Erkrankungen

Eine geplante Unterzeichnung einer Erklärung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und des Ministeriums zur psychischen Gesundheit bei der Arbeit kam nicht zustande. Der DGB und die IG Metall wiesen der Arbeitgeberseite dafür die Verantwortung zu. Der BDA erklärte dagegen, es gebe in vielen Punkten Einigung, allerdings sei eine von den Gewerkschaften geforderte Rechtsverordnung "weder sinnvoll noch notwendig".

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt signalisierte weitere Gesprächsbereitschaft. Es schade aber der Sache, wenn die Debatte über psychische Gesundheit mit falschen Zahlen, verzerrenden Darstellungen und unberechtigten Vorwürfen geführt werde. Der Grund für den Anstieg festgestellter psychischer Erkrankungen liege vor allem in geänderten Diagnosen. Auch die Betriebe, so Hundt, seien an der psychischen Gesundheit ihrer Mitarbeiter interessiert. Es offenbarten sich jedoch nur 16 Prozent derer, die Hilfe benötigen, ihren Vorgesetzten. Das Thema müsse aus der Tabuzone heraus.

Nach den Worten von der Leyens sind die Arbeitgeber schon heute zur Prävention und auch zum psychischen Arbeitsschutz gesetzlich verpflichtet: "Mit allen Sanktionen, mit allen Konsequenzen." Arbeitsschutz gebe es aber wegen der unterschiedlichen Betriebsbedingungen "nicht von der Stange".

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