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16 Trends, die 2016 nicht überleben sollten

In den brandneuen Yeezys ein Kaffee-Selfie mit Hundefilter posten? Dazu diesen 1 neuen Cloudrap-Track am Pokéstop hören und einmal kräftig "dabben"? Nein, das will doch niemand. Wir zeigen euch 16 Trends aus 2016, auf die wir im nächsten Jahr gut verzichten können.


Pokémon Go

2016 war das Jahr, in dem die 90er zurückkamen und damit auch Pokémon, ein Trend von dem wir dachten, dass er zusammen mit dem alten Gameboy in einer Kiste auf dem Dachboden verstauben würde. Wir sollten uns irren. In diesem Jahr enterte Pokémon Go unsere Smartphones, die ja irgendwie auch die Gameboys der 2010er Jahre sind. Es war ja, wenn wir einmal ehrlich sind, schon auf der Höhe des Hypes etwas seltsam, wenn 40- und 14-Jährige andächtig gemeinsam von Pokéstop zu Pokéstop zogen und sich gegenseitig mit Lockmodulen erfreuten. Und trotz furchtbarer Ängste, was dieses ganze Rausgehen, rumlaufen und Daten sammeln mit "der Jugend" nun schon wieder anstellen würde, lebte die Monsterjagd dann doch eher kurz, aber dafür heftig. Recht so. Wir freuen uns jedenfalls, im neuen Jahr nicht wieder riesige Menschentrauben an absurden Orten herumstehen zu sehen, weil dort gerade ein Evoli abhängt.


Fitnesswahn und Spiegelfotos

Zugegeben, der Fitnesstrend begann nicht 2016, sondern im alten Griechenland oder auf Arnold Schwarzeneggers Hantelbank. Das lässt sich nur schwer rekonstruieren. Fakt ist, niemand interessiert sich für Joggingstrecken, Vorher- Nachher-Bilder, Latissimusse oder deren Plural. Wenn sich die Gym-Pics in Instagram-Timelines und Tinderprofilen 2017 nur halbieren würden, dann wäre diese Welt ein besserer Ort. Vor allem für Menschen, die schonmal Kartoffelchips gegessen haben, die einige Tage in der Sofaritze lagen.


Choker

 Und wieder bekommen wir Besuch aus den 90ern. An und für sich ist gegen Choker, also Ketten, die sehr eng am Hals getragen werden, zuerst einmal nichts einzuwenden. Eigentlich. Sie können sehr elegant und understated wirken, auch ein bisschen sexy, ein bisschen BDSM-Hundehalsband-Schick in den Alltag bringen - aber sie können auch einfach furchtbar aussehen. Vor allem die "Tattoo"-Versionen des Chokers, diese 90er-Ketten, die vor ein paar Jahren wieder anfingen, hip zu werden, sind definitiv das schwarze Schaf der Choker-Familie. Über diesen trashigen Plastik-Look sind wir 2016 eigentlich hinweg. So lange der Verzicht auf Billo-Plastik nicht im anderen Extrem, nämlich den sehr breiten Chokern, die aussehen wie ein abgetrennter Rollkragen, endet, gerne weiter Halsbänder. Aber bitte wieder in hübsch.


Rote Schuhe

Eigentlich ein Trend aus dem Jahr 2015, bei dem wir gehofft hatten, dass er irgendwo zwischen Weihnachtsgans und Bleigießen auf der Strecke bleiben würde. Leider wurde uns dieser Wunsch nicht erfüllt. Im Gegenteil, es war erst der Anfang. Leider existieren keine fundierten Schätzungen, wie viel Geld trendbewusste Teenager ihren Eltern in diesem Jahr aus den Rippen geleiert haben, um sich davon ein Paar Nike Air Yeezy Red October 2 (siehe Absatz: Kanye West) mit extra dicken Schnürbändern und zusätzlichem Klettverschluss zu besorgen. Wenn auf dem Konfirmationskonto noch Kapazitäten waren, wurde das Outfit dann mit einem überlangen T-Shirt, mit aufgedruckten gothischen Lettern veredelt (siehe Absatz: Kanye West). Wir wünschen uns ein wenig Individualität und hoffen, dass wir den selben Text 2017 nicht über grüne Schuhe schreiben müssen.


Dabbing

Bitte wie? Dabbing! Ok, es ist eine Erklärung vonnöten. Das “Dabbing”, auch bekannt als “Dab Dance” ist ein Trend aus Atlantas Hip-Hop-Szene. Ein Arm wird dabei ausgestreckt, der andere vors Gesicht gehalten und die Geste endet in einer Art Verbeugung. Populär wurde der “Dab” durch den amerikanischen Footballspieler Cam Newton, der während eines Spiels acht Sekunden “dabbte”. Ihm folgen Musiker wie Jason Derulo und Fußballspieler wie Franck Ribery. Auf diesem Weg fand der “Dab Dance” seinen Weg in deutsche Klassenzimmer, sodass ein befreundeter Grundschullehrer kürzlich von einem Drittklässler gefragt wurde, ob es ok sei, wenn er nach jeder korrekten schriftlichen Divisionsaufgabe “dabben” würde. Um es mit den Worten des großen Peter Lustig († 23. Februar 2016) zu sagen: “Klingt komisch, ist aber so.” 


Cloudrap

Cloudrap kommt ebenfalls aus den amerikanischen Südstaaten und in diesem Jahr kam der Trend auch nach Deutschland und wurde zu musikalischen Monster of the Week/Year. Genau so jung wie der Trend sind oft auch die Interpreten. Die Basis für einen Cloudrap-Track ist ein minimalistischer Beat, darüber wird ein oft improvisierter Text über Frauen Geld und Drogenerfahrungen gerappt. Soweit nichts neues. Der Kniff ist, dass das Schreiben eines Cloudrap-Tracks nicht länger als vier Minuten dauern sollte und das überrascht beim Anhören auch niemanden. Beim Elternsprechtag nennt man soetwas auch Arbeitsverweigerung.


Der 1 vong-Sprech

Wir haben es hier gesagt und werden es noch einmal sagen: Was die Sparkasse für sich entdeckt, hat jeglichen Anspruch auf Coolness verloren. Und jetzt mal ehrlich: Wie oft kann man einen normalen Satz so umbauen, dass er in das “1… vong” Muster passt, ohne zu wirken wie ein grammatikalisch minderbemittelter Depp? Man kann dieses Phänomen Menschen, deren natürlicher Lebensraum nicht das Internet ist, quasi nicht erklären. Es ist wohl letztendlich einfach der kollektive Wille, mal ein bisschen dumm zu klingen. Aber nur ironisch natürlich. Leider war “Sachen ironisch machen” schon 2014 nicht mehr das, was man als 1 coolen Move beschreiben würde. So vong Lustigkeit her.


Kanye West

Kanye hat dieses Jahr nicht nur eine weitere, seltsam erdfarbene Yeezy-Kollektion inklusive überteuerter Sneaker verbrochen, sondern auch mit immer wirrer werdenden öffentlichen Auftritten, abgebrochenen Konzerten und Hangouts mit Donald Trump für Aufmerksamkeit gesorgt. Viel wurde debattiert, ob dieser Mann denn nun genial, geistig verwirrt oder einfach nur ein gigantisches Arschloch sei - aber ganz ehrlich? Uns wäre es lieber, wenn er 2017 erst einmal keinen weiteren Gesprächsstoff liefern und sich eine kreative Pause in einer Rehabilitationseinrichtung seiner Wahl genehmigen würde. Bitte, Kanye.


Besorgte Burger

 Ja, hier handelt es sich Ausnahmsweise um Nahrungsmittel. Wir wissen nicht, wann die Burger-Epidemie ausbrach, ab welchem Zeitpunkt die Burgerläden mit Namen, die sich auf einem Kreativitätslevel mit dem durchschnittlichen Friseursalon befinden (Burgermeister, Burgeramt oder Grilly Idol), begannen, wie giftige Pilze aus dem Boden jeder deutschen Klein- bis Großstadt zu sprießen. Dieser Trend weckt dunkle Erinnerungen an hunderte Bubble Tea-Stände in jeder Innenstadt und darf gerne sehr schnell, sehr still und sehr leise das Zeitliche segnen.


Die Böhmermann-Verschwörung

Jan Böhmermann war 2016 überall. Ob ihm das so recht war, das lässt sich in seinem Zeit-Interview bei Rooze oder Kai Diekmann nachlesen oder hören. Böhmermann hat geliefert, das kann man ihm nicht absprechen. Nicht zuletzt, indem er einen Fake-Kandidat bei “Schwiegertochter gesucht” einschleuste und Vera Int-Veen beim Menschen vorführen vorführte. Die Folge war, dass hinter jeder medialen Kuriosität eine Böhmermann-Undercover-Action vermutet wurde. “Da hat sicher Böhmermann seine Finger im Spiel” wurde das “Leider Geil” des Jahres 2016, benutzt von Menschen, die sich ein paar Wochen zuvor noch am RTL-Programm erfreuten. Doch die US-Präsidentschaftswahl und das EU-Austrittsvotum in Großbritannien fanden ohne Jan Böhmermanns Eingreifen statt. Ganz wirklich! 


Fake-Events bei Facebook

“Crystal Meth richtig konsumieren in drei Tagen”, “Pickup Artist Workshop - vom Kennenlernen bis zur einstweiligen Verfügung” oder “Benzin-Wetttrinken für Neunjährige” waren dieses Jahr durchaus Veranstaltungen, die in jedermanns Facebook-Feed zum Teilnehmen einluden. Das war ja anfangs auch ganz witzig und befeuerte die sonst so Baby- und urlaubslastigen Timelines mit ein wenig kreativer Absurdität, aber irgendwie hat es seinen Charme mittlerweile verloren. Allerdings ist jeder medium-witzige Veranstaltungsname besser als die dieses Jahr grassierenden Veranstaltungen wie "Netflix and Chill Open Air", die ernst gemeint aussahen, aber niemals stattfanden. Dann doch lieber "Endlich Gnocchi und Ciabatta richtig aussprechen - Ein Wochenendkurs".



Kush-Romantik

Wir dachten, dass wir Feuerzeuge, T-Shirts und Flipflops mit Hanfblatt-Print im Jahr 2005 gelassen hätten. Zu früh gefreut. 2016 wurden Hanfblätter auf Smartphonebumpern, Socken und Snapbacks wieder Salonfähig. Weiter geht es dann bei Instagram, tätowierte Beine, Bong und weiße Bettwäsche. Auch beliebt ist es sich einen prall gefüllten Beutel mit Gras ans Ohr zu halten, als würde man damit telefonieren. In den 90ern waren es Pac und Biggie, in den 00er Jahren der EMP-Katalog und jetzt die Influencer auf Instagram. Jedes Jahrzehnt hat seinen Dope-Testimonials, aber der nächste Hype kann sich gern noch ein paar Jahre Zeit lassen.


But first, coffee.

Und wo wir schonmal bei Genussmitteln sind. "Death before decaf", "Caffeine is bae" oder "Anything I say before coffee doesn't count" prangen dieses Jahr neckisch unter diversen Instagram-Fotos von Cappuccino, Flat White oder Latte. Es wirkt teilweise, als sei ihre Art, ihren Kaffee zu trinken ("Schwarz wie meine Seele") die Eigenschaft, über die sich manche Menschen dieses Jahr hauptsächlich selbst definierten. Das ist, ehrlich gesagt, ein bisschen seltsam. Es sind letztendlich immer noch braunes Pulver und heißes Wasser. Nichts, das wirklich als Fundament für die Ausbildung einer gefestigten Persönlichkeit gelten kann. Das gilt genauso für Pizza, Nutella, Whiskey oder Craft Beer. Etwas gern zu essen oder zu trinken ist, Überraschung, keine Charaktereigenschaft. Und mit dem eigenen Arschlochverhalten vor dem ersten Kaffee zu kokettieren ist, pardon, einfach Arschloch-mäßig. 


Mannequin Challenge

Ach wie schön war es, als wir uns einen Eimer mit Eiswasser über den Kopf geschüttet und damit ALS besiegt haben. Dieses Jahr überfiel ein neuer viraler Trend unsere Filterbubbles, und zwar die Mannequin Challenge. Die Probanden tun in einem Video so, als seien sie Schaufensterpuppen. Sportstars wie Buffalos NFL-Team oder die Fußball-Europameister aus Portugal machten es vor. Schulklassen, Dax-Vorstände und Pfadfindergruppen, die gerade nicht mit dem Dreh eines Carpool-Karaoke-Videos beschäftigt waren, machten es nach. Hintergrund bei diesem Phänomen war es nicht Aufmerksamkeit für eine Nervenkrankheit zu schaffen, sondern die Rapper Rae Sremmurd und Gucci Mane zu reichen Leuten zu machen. Sie traten mit dem Musikvideo zu ihrem Song “Black Beatles” den Trend los. “Black Beatles” verkaufte sich weltweit über eine Million mal.


Das Internet geht vor die Hunde

 Jeder, der bei Snapchat ist, folgt doch dieser einen Person, die über jedes Selfie den Hundefilter legt. Warum? Was soll das? Wisst ihr überhaupt noch wie die Nase dieser Person aussieht oder hat sie in euerer Erinnerung einfach eine Hundeschnauze. Ja, der Filter ist ganz süß, aber sein Aufstieg zum Lieblingswerkzeug aller “Oh nein, lösch das Foto!”-Kreischenden, die das eigene Gesicht lieber ein bisschen verstecken möchten, zieht meine Mundwinkel weiter nach unten als der entsprechende Snapchat-Filter. Ganz ehrlich, Leute: Ihr seid keine Hunde. Ihr müsst auch keine sein, um süß zu sein. Zumindest nicht auf jedem einzelnen Bild. Also fahren wir die Verwendung dieses Filters 2017 wieder ein bisschen runter, okay?


#HandFace

髪の毛ばさっと行きました #selfie#handface#断髪

Ein von TAKUYA YAMAZAKI (@takuya_yamazaki14) gepostetes Foto am

 Wem ein Hundegesicht noch zu viel zeigt, der hielt sich 2016 einfach die Hand vor das Gesicht und betitelte das Bild mit dem Hashtag #HandFace. Die Verwendung einer Hand im Gesicht brachte eine völlig neue Dimension in die internationale Selfie-Community. Die gezeigten Gefühlsregungen reichen von nachdenklich, über melancholisch bis hin zu anonymisiert. Solange dies denn möglich ist, wenn man auf dem Foto verlinkt ist. Wir konnten dem #Handface-Hype leider nicht mehr als ein #Facepalm abgewinnen. Unser Tipp fürs nächste Jahr: ein Selfie mit dem eigenen Fuß im Gesicht. So kann man den Followern auch gleich die neuen Schuhe präsentieren. Daraus lässt sich sicherlich auch eine Challenge machen, mit der sich ein Rapper die Portokasse aufbessern kann. Vong Viralität her.


In diesem Sinne wünschen wir euch einen Guten Rutsch ins neue Jahr und macht nicht jeden Quatsch mit.


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