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Siff und Konflikte: Trainspotting 2 fühlt sich an wie Klassentreffen

„Trainspotting“ war der beste und radikalste Film der späten Neunziger Jahre. Zwanzig Jahre später trafen sich der Regisseur und die Schauspieler noch einmal, um die Fortsetzung „T2“ zu drehen - ab heute im Kino.

"Gut siehst du aus!" sagt Sick Boy. "Danke, das sagen alle" entgegnet Renton. Das sind die ersten Sätze, die die beiden Trainspotting-Stars nach zwanzig Jahren auf der Leinwand miteinander sprechen. Die beiden stehen tagsüber am Billardtisch im miesgehenden Pub "Port Sunshine", das Sick Boy jetzt betreibt. Es entspinnt sich eine klassische Klassentreffen-Unterhaltung, ein bisschen Smalltalk, ein bisschen Abchecken, wer es besser erwischt hat. Bis Sick Boy seinen ehemaligen besten Freund attackiert und eine fiese Kneipenschlägerei losbricht.

Siff und Konflikte 

Eine Mischung aus Klassentreffen und Rauheit – genauso ist der gesamte Film "T2", die langersehnte Fortsetzung des Kultfilms der 1990er Jahre "". Das letzte Zusammentreffen der ehemaligen Freunde war allerdings nicht die Abschlussprüfung, sondern ein krimineller Coup, an dessen Ende Mark Renton mit der Beute durchbrannte und damit seine drei besten Freunden Sick Boy, Begbie und Spud betrog. Als nun Rentons Mutter stirbt, kehrt Mark Renton aus seiner Wahlheimat Amsterdam in seine schottische Heimat zurück und trifft seine alten Freunde, die ihm noch immer gram sind. Und der Siff und all die unverdauten Konflikte sind noch da.

Für jeden Scheiß zu haben

Es gibt einen Plot in "T2", und ja, er ist auch konsistent. Im Grunde stürzt sich die Clique ins Prostitutionsmilieu und versucht zusammen mit der Bulgarin Veronika und mithilfe von EU-Geldern ein Bordell zu eröffnen. Begbie ist aus dem Knast ausgebrochen, Spud verlagert seine Drogen- in eine Schreibsucht und Sick Boy lässt sich jetzt Simon nennen und nimmt jetzt Kokain statt Heroin. Aber genau wie bei jedem Klassentreffen geht es gar nicht darum, was genau passiert, sondern darum, wie die alten Kumpels aussehen, was ihnen für Dramen passiert sind, und ob die Chemie untereinander noch stimmt. Und ja, sie stimmt in "T2". Der Zuschauer spürt die Wiedersehensfreude. Renton (Ewan McGregor) hilft dem noch immer drogenkranken Spud (Ewen Bremmer) auf geradezu zärtliche Weise, zwischen Simon (Jonny Lee Miller) und Renton fliegen noch immer die Fetzen und wenn Simon die Anwältin Gail (Shirley Henderson) wiedertrifft, knistert es noch. Die Darsteller sind brillant, die Dialoge sind Weltklasse und manche Szenen in "T2" sind für die Ewigkeit: Etwa, wenn Simon und Renton in die Lage geraten, in einem Pub voller Betrunkener etwas singen zu müssen und on stage ein Lied improvisieren, bei dem jede Strophe mit "There were no more Catholics left!" endet.

Fraglich ist, ob jemand, der "T2" sieht, ohne "Trainspotting" zu kennen, sich auf diesem wohlfühlt. Womöglich schon – denn die Jungs sind immer noch wild und zu jedem Scheiß bereit. Und sie haben noch mehr gute Geschichten zu erzählen als 1996.


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