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Ello: Das »Bio-Facebook« im Test

Der neueste Hype ist ein soziales Netzwerk namens Ello. Seine wichtigsten Eigenschaften: Werbefreiheit, Datenschutz und kein Sortierungsalgorithmus. Quasi ein »Bio-Facebook«. Ein soziales Netzwerk, das das »sozial« in seiner Bezeichnung noch ernst nehmen will. Funktioniert das? Der Test.

Ello befindet sich derzeit noch in der Beta-Phase – wer es nutzen will, kommt nur über eine Einladung hinein. Das verleiht dem Ganzen nebenbei eine gewisse Exklusivität und ein Überlegenheitsgefühl derer, die momentan in allen konventionellen sozialen Netzwerken tönen »Ich habe noch Ello-Invites! Will jemand?«

Von einer Bekannten erhältst du per Mail eine Einladung zu Ello. Du klickst auf den Link und findest dich auf einer schwarz-weißen Seite wieder, die extrem schlicht gehalten ist. Ein schwarzer Smiley ohne Augen lächelt dich mit einem weißen Mund an. Ein bisschen gruselig, findest du, und schaust dich erst einmal um.

Viel gibt es nicht zu gucken. Das ist vielleicht ganz gut so. Keine Reizüberflutung, keine Werbebanner, Pop-Ups oder Sponsored Tweets. Alles so schön unbunt hier. Eine Wohltat für die Augen. Du bekommst keine Aufforderung, irgendwelche Produkte zu liken oder Promis zu folgen. Das ist schön. Aber wem folgst du dann? Noch ist alles sehr leer.

Du klickst in die Suchzeile und tippst Namen von Leuten ein, die du kennst. Du drückst Enter, aber nichts passiert. Wie schickst du die Suchanfrage ab? Es funktioniert nicht, und du bist enttäuscht. Offenbar musst du direkt bei deinen Freunden fragen, ob sie bei Ello sind, und wie sie dort heißen. So kannst du sie bei Ello finden: ello.co/nutzername.

Du findest die Aufteilung »Friends« und »Noise«. Du kannst Leuten folgen (sie müssen dir aber nicht zurückfolgen), und sie sortieren. Wenn du ihre Postings sehen willst, dürfen sie »Friends« bleiben. Wenn dir ihre Updates zu nervig sind, du das Folgen aber nicht rückgängig machen willst, schiebst du sie in »Noise« (»Rauschen«). Damit blendest du sie aus. Das Schöne: Sie sehen nicht, wohin du sie sortiert hast.

Apropos Sortierung: Ello bestimmt nicht, was du wann zu sehen bekommst – im Gegensatz zu Facebook (und seit neuestem auch Twitter). Du siehst die Beiträge deiner Freunde genau in der Reihenfolge, in der sie veröffentlicht werden. Nicht mehr, nicht weniger.

Der Slogan des neuen Netzwerks: Du bist kein Produkt. Damit spielen die Macher auf soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter an, die zwar kostenlos sind, für die man aber mit seinen Daten bezahlt – und so zum Produkt für Werbekunden wird. Stattdessen will Ello in Zukunft Features einführen, die man dann dazukaufen kann. Premium-Funktionen, also. Alle paar Wochen kommen neue Funktionen dazu, erst einmal nur kostenlose. Du kannst also Ello beim Wachsen zuschauen. Ihr nächstes großes Vorhaben sind ihre eigene Version von »Likes«. Der Ello-Like wird »Love« heißen. Eine Steigerung, mehr Gefühl. Du wirst das, was deine Freunde sagen, nicht nur mögen. Du wirst sie lieben, findet Ello.

Du schreibst deinen ersten Beitrag und merkst: Es gibt keine Zeichenbegrenzung wie bei Twitter. Die Länge deiner Updates bestimmst du. Du kannst auch Bilder posten. Deinen Text kannst du layouten, wenn auch nur begrenzt. Fett und Kursiv stehen zur Auswahl. Und statt einer sichtbaren langen URL kannst du einen Link auch hinter Text verstecken. Wer will, kann deine Postings kommentieren. Es gibt (noch) keinen Button zum Teilen.

Du klickst deinen eigenen Namen an und gelangst auf dein Profil. Dort kannst du unter »Einstellungen« deine Sichtbarkeit festlegen, ein Profilbild hochladen, eine Kurzbeschreibung anlegen und sogar ein Headerbild einfügen, so wie du das bei Facebook und Twitter auch kannst.

Du klickst noch ein wenig herum und merkst, dass es noch viele Bugs gibt. Manchmal sind Links tot oder führen auf die falsche Seite. Manchmal findest du Buttons nicht, die vorher da waren. Aber du weißt, dass das die Beta-Version ist, und dass es deswegen nicht so schlimm ist.

Dann surfst du ein bisschen auf anderen Seiten herum und findest immer mehr Beiträge und Nachrichten über Ello. Einige loben den Datenschutz, die Werbefreiheit und die Schlichtheit. Andere sehen das Ganze skeptischer, weil Ello mit Venture Kapital finanziert wurde und deine Daten früher oder später sowieso an Dritte weiterverkauft werden, weil man die Investitionen ja wieder reinholen muss.

Du beschließt panisch, dein Profil wieder zu löschen. Oder du wartest noch ab und behältst die Entwicklung dieses neuen sozialen Netzwerks im Auge. Schlimmer als Facebook kann es schließlich nicht werden – oder?

Wir sind übrigens auch auf Ello.Falls ihr euch anmelden wollt, schickt uns gerne eine Mail an: online@neon.de – Betreff: Ello-Invite. Wir verschicken Einladungen, bis wir keine mehr übrig haben.

Es ist soweit: unsere Invites sind alle.

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