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Wie lustig ist der Nahost-Konflikt?

Der Regisseur Ali Samadi Ahadi macht gerne lustige Filme über ernste Themen und eigentlich ist es fast seltsam, dass sich noch kein iranischer Mullah oder Gotteskrieger aufgerafft hat, sein Werk mit einer Fatwa zu würdigen (Filmpreise hingegen hat er völlig zurecht schon einige bekommen). Nach »Salami Aleikum« , in dem er die islamische Revolution im Iran und das Ende der DDR in einem Film verarbeitet hatte, folgt nun eine Komödie über den Nahost-Konflikt. In »45 Minuten bis Ramallah« müssen die zwei Brüder Rafik und Jamal den Leichnam ihres Vaters von Israel nach Ramallah schmuggeln, weil dieser in seiner Heimat beerdigt werden soll. Es dauert nicht lange, und die Brüder sind auf der Flucht vor israelischen Grenzbeamten, palästinensischen Terroristen und russischen Autoschiebern. Ein irrer Roardmovie in einer irren Region.


Herr Ahadi, ist die Komödie das passende Format, um den Nahost-Konflikt darzustellen?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass schwierige Themen Menschen besser erreichen, wenn sie leicht aufbereitet werden. Wenn man anfangen kann, über das Leid zu lachen, ist das stückweise auch eine Therapie. Man bekommt Abstand und eine andere Sichtweise auf die Probleme.

Gilt das auch für Hinrichtungen und Selbstmordattentate?

Es ist natürlich immer eine schwierige Geschichte, solche Szenen unterhaltsam darstellzustellen. Aber ich sehe es wie Woody Allen, der sagte: »Komödie ist Tragödie plus Zeit.« Ich halte es daher für richtig, mit solchen surrealen Situationen humorvoll zu arbeiten.

Sie sind im Iran aufgewachsen. Die Konflikte in der Region sind Ihnen also nicht fremd. Im Film bezeichnet der Protagonist Rafik sein Heimatland als Irrenhaus. Warum?

Weil die Situation in Israel wirklich verrückt ist: verrückt. Das wollte ich in der Szene zeigen, in der ein alter Palästinenser den Grenzübergang in Richtung nicht passieren darf. Er hat zwar dort einen Termin für eine Herz-Operation, auf die er ein halbes Jahr gewartet hat. Aber er wird abgewiesen. Rafik und Jamal sind nach ihm an der Reihe. Sie sagen: Wir wollen einfach mal auf die andere Seite schauen. Und dürfen passieren. Das ist absurd und völlig willkürlich. Aber genauso passiert es.

Verrückter als die Wirklichkeit kann kein Film sein: der Trailer zu »45 Minuten bis Ramallah«

Hatten Sie Probleme bei den Dreharbeiten?

Oh ja. ich habe den Film mit einem internationalen Team in Jordanien, Israel und Hamburg gedreht. Als ich nach Israel einreisen wollte, wurde ich erst einmal siebeneinhalb Stunden verhört. Palästinensische Schauspieler durften nicht nach Israel einreisen, israelische Schauspieler durften nicht nach Palästina einreisen.

Sie machen sich über orthodoxe Juden, den islamischen Dschihad und die russische Mafia lustig. Keine Volksgruppen, die für ihren Humor bekannt sind. Haben Sie Drohungen bekommen? Wie sind die Reaktionen auf ihren Film?

Ich wurde mit meinem Film sowohl bei vielen jüdischen als auch bei arabischen Filmfestivals eingeladen. Das ist gut, und zeigt mir, dass man sich auf beiden Seiten mit dieser Thematik beschäftigt. Die Figur Rafik zum Beispiel steht für eine neue Generation, die sich von den alten Ideologien gelöst hat. Junge Menschen wie er rebellieren gegen ideologische Kriege, sie rebellieren dagegen, andere Menschen zu hassen, weil man sie schon immer gehasst hat. Rafik will kein Verräter, kein Palästinenser und kein Israeli sein. Sondern einfach nur Rafik.

»45 Minuten bis Ramallah« läuft ab 5. Dezember im Kino. Mit Karim Saleh, Navid Akhavan und Julie Engelbrecht.

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