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Warum das Reeperbahn Festival viel mehr als nur Musik ist

Für Fans der unterschiedlichsten musikalischen Genres gibt es auf dem Reeperbahn Festival mehr zu erleben, als an vier Veranstaltungstagen zu schaffen ist – und dabei handelt es sich nicht ausschließlich um Konzerte.

Der Spielbudenplatz beim Reeperbahn Festival

Die Sonne lässt sich beim Reeperbahn Festival traditionell gerne - und für Hamburger Verhältnisse erstaunlich häufig - blicken

Das Reeperbahn Festival mag dem Fan eine musikalische Entdeckungsreise bieten. Aber bei aller Kiezromantik wird der Besucher auch an jeder Ecke daran erinnert, dass es sich hier um eine riesige Branchenveranstaltung handelt. Zum Beispiel durch den englischen Doppeldeckerbus, der durch die Straßen von St. Pauli tuckert und an dessen Bord sich Fans und Journalisten das neue Album von Liam Gallagher anhören können. Oder durch die unzähligen Plakate, mit denen an jeder Wand das neue Album der Foo Fighters beworben wird.

Warum, fragt man sich, investiert die Plattenfirma der Band von so viel in eine sichere Hit-Platte, deren Erscheinen sich wohl jeder Festivalgänger ohnehin bewusst ist? Das mutet bei einem Festival, das sich so ausführlich und überzeugend dem musikalischen Nachwuchs widmet, fast ein bisschen ironisch an.

Das Reeperbahn Festival ist viel mehr ist als bloß Konzerte

Aber auch wenn das Business bisweilen seltsame Blüten treibt, sorgt die Tatsache, dass das Reeperbahn Festival viel mehr ist als bloß Konzerte, vor allem für zahlreiche Highlights abseits der Konzertbühnen. Wer eine Pause von stickiger Club-Atmosphäre braucht, kann sich in den Kinosessel fläzen und zu -Dokus entspannen; kann sich bei Panels und Diskussionsrunden über Hintergründe informieren; kann Lesungen lauschen oder über die traditionelle Flatstock-Poster-Convention auf dem Spielbudenplatz schlendern; kann Preisverleihungen besuchen, bei denen das beste Festival (geht in diesem Jahr an das "Watt en Schlick"), die beste musikjournalistische Leistung unter 30 (geht in diesem Jahr an Jan Kawelke) die beste Nachwuchsband (der Anchor Award, Gewinner wird am Samstagabend verkündet) gekürt wird.

Dem Rock’n’Roll als vielseitige Kultur wird rund um die Reeperbahn dieser Tage ein Forum in allen Facetten geboten. Aber vor allem bringt er, so kitschig es klingen mag, die Menschen zusammen. Das Festival bietet die Möglichkeit zum Austausch unter Gleichgesinnten, wie er weltweit fast einmalig ist und in der Form sonst nur auf dem SXSW-Festival in Texas zu beobachten ist.

Die Liebe zur Musik eint die Leute

So trifft man im Molotow auf das ältere Pärchen, das zu den Fast Romantics schwoft; so kann man ein paar Kids dabei beobachten, wie sie vor dem Reeperbus auf dem Spielbudenplatz zu Maximo Park tanzen; so fordert Ray Cokes die Gäste im Publikum im Rahmen seiner Revue auf, doch bitte einmal kurz aufzustehen und den Nebenmann zu umarmen. Eine Geste mit Symbolkraft, denn tatsächlich gehen die Festivalbesucher allerorten sehr rücksichtsvoll miteinander um. Die Liebe zur Musik eint die Leute und sie lässt das Festival größer werden als die Summe seiner Teile beziehungsweise seiner Events.

So wird aus dem Reeperbahn Festival viel mehr als "nur" eine spannende Konzertparty. Viel mehr sogar.


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