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Läuft bei dir, wenn du diese Sneaker hast: Das lukrative Geschäft mit den teuren Tretern

Beim Sport werden sie zwar auch noch getragen. Aber eigentlich hat man das Gefühl, Sneaker sind mittlerweile in der Hauptsache zu Sammlerobjekten und regelrechten Wertanlagen geworden. Dafür haben auch die Hersteller selbst gesorgt.

Läuft bei dir, wenn du diese Sneaker hast: Das Geschäft mit den teuren Tretern

Sneaker sind längst eine Wertanlage - in der Online-Börse "stockx.com" werden zahlreiche Schuhe hoch gehandelt

Er wird seinem Namen in vielerlei Hinsicht gerecht. Mittlerweile lässt er vor allem eine Lesart zu: Der "" (von "to sneak", englisch für schleichen) hat sich geradezu still und heimlich vom simplen Zweckschuh zum teuren Sammlerobjekt und Statussymbol geschlichen. Er wird wie Wertpapiere in Online-Börsen gehandelt, sorgt für aberwitzige Warteschlangen im Netz und auf der Straße, hat eine eigene Szene begründet.

Wer in dieser Szene unterwegs ist, nennt sich in der Regel "Sneakerhead" - und steckt vermutlich viel Geld in die teuren Treter. Im Zweifel, um die oftmals limitierten Sammlereditionen weiter zu verkaufen. Ungetragene und besonders seltene Exemplare erzielen auf der Online-Börse "stockx.com" fünf- bis sechsstellige Beträge. Für die drei großen Labels bzw. Linien - Adidas, Nike und Jordan (Nike) - gibt es sogar eine Art Aktienindex.

So wird ein (lukrativer) Schuh draus

Ein lukratives Geschäft. Besonders für den Hersteller selbst, der von dem Wertpapierhandel in Schuhform wohl am meisten profitieren dürfte. Denn wie beim Dax oder Dow Jones bestimmen auch hier Angebot und Nachfrage den Preis - und dieser lässt sich in der Szene natürlich künstlich in die Höhe jazzen. Etwa durch den neuen "München Made in Germany" von , einem Sneaker im Oktoberfest-Look.

Der Schuh im eigentlich klassischen Adidas-Design ist limitiert, kostet bereits auf der hauseigenen Website knapp 200 Euro - und ist schon so gut wie ausverkauft. "Limitiert" und "ausverkauft", das sind potenzielle Reizwörter für einen "Sneakerhead". Durch die geringe Stückzahl und das vergleichsweise hohe Interesse (Stichwort: Angebot und Nachfrage) sind die Schuhe schnell vergriffen. Besonders ambitionierte Käufer greifen daher schon zu spezieller Software (sogenannte Sneaker-Bots), um während des Ansturms auf den Web-Shop noch ein Paar zu ergattern.

Nicht nur im Netz macht sich Euphorie breit, wenn ein neuer Sammlerschuh verkauft wird. Auch die Straßen von Trendstädten (bzw. Trendstätten) wie New York, wo Kult-Labels wie Supreme oder Kith sitzen, illustrieren die Sneakermanie. Auf den Bürgersteigen bilden sich schon mal aberwitzige Besucherschlangen, wenn streng limitierte Treter verkauft werden. 

Läuft bei dir, wenn du diese Sneaker hast: Das Geschäft mit den teuren Tretern

Fans harren in Nottingham (England) für die "Yeezy Boost 350 V2 Trainers" von Adidas aus, die US-Rapstar Kanye West mitentworfen hat

"Das gehört für uns zum Geschäft", sagt ein Sammler namens Orlando der "FAZ". Der Sammler aus New York verdiene sich durch solche Aktionen Geld dazu, seinen "bislang größten Profit" habe er mit den Yeezy Boosts von Adidas gemacht. "An denen habe ich 3500 Dollar verdient", sagt Orlando der Zeitung. Andre, ein weiterer Sneakersammler, betreibe das Sammelgeschäft mittlerweile hauptberuflich. Über Facebook und seinen Instagram-Account "Sole Street" würde er genug Geld einnehmen, um sich und seine Familie zu ernähren.

Leicht zu binden, schwer zu finden

Für welche astronomischen Summen seltene Sneaker gehandelt werden können, veranschaulicht vor allem ein Schuh: Der "Nike Air Mag Back to the Future (2016)", der konkurrenzlos an der "stockx.com"-Spitze verharrt. Aktuell liegt der Bietpreis bei 23.000 Dollar (etwa 19.100 Euro), das letzte Paar habe laut Website für 28.000 Dollar (etwa 23.100 Euro) den Besitzer gewechselt.

Besonders an dem Paar anlässlich des "Zurück in die Zukunft"-Jubiläums: Die Schuhe schnüren sich nicht nur von selbst (wie im Film), sondern waren nur für Interessenten zu haben, die eine US-amerikanische oder kanadische Lieferadresse besitzen (wie der "Independent" berichtet hatte). Darüber hinaus waren die Schuhe auf 100 Paar limitiert und nur über eine Verlosung zu ergattern, die obendrein zehn Dollar Teilnahmegebühr gekostet hat. Die Erlöse wurden an die Michael-J.-Fox-Stiftung für Parkinson-Forschung gespendet.

 Nicht die einzigen Schuhe, die Sneakersammler-Herzen höher schlagen lassen:

  1. "Jordan 4 Retro Eminem Carhartt" - Wer auf diese Sneaker bieten möchte, ist bei "stockx.com" aktuell mit 9.500 Dollar dabei.  Es existieren offenbar nur zehn Paare, wie etwa "Highsnobiety" berichtet. Die limitierte Auflage wurde bei einer Auktion versteigert und erzielte fünfstellige Verkaufspreise. Das Geld wurde dem "Literacy Through Songwriting"-Programm für benachteiligte Kinder und Jugendliche gespendet. Unter anderem initiiert von der "Marshall Mathers Foundation", der Stiftung von US-Rapper Eminem - daher der Name.
  2. "Nike Dunk Low Pro SB 'Paris'" - Diese Sneakers sind nicht nur exklusiv, weil sie auf 202 exemplare limitiert wurden: Das Design stammt vom französischen Maler Bernard Buffet. Jedes Paar sieht etwas anders aus und ist damit ein Unikat. Wer auf "stockx.com" mitbieten möchte: Das aktuelle Gebot liegt bei 7.000 Dollar.
  3. "adidas NMD R1 Overkill Firestarter" - Wie "Sneakernews" berichtet, war dieses Paar nur "friends and family of the brand", also Freunden und Familie, zugänglich. Obendrein wurden die Sneakers auf 300 Paare limitiert. Auf "stockx.com" liegt das aktuelle Gebot bei 3.350 Dollar.

Sneaker, Sammlerobjekt, Statussymbol 

Die Labels wecken damit ungeahnte Begehrlichkeiten bei ihren Käufern, machen ihre Turnschuhe, die sie schließlich sind, zu heiß begehrten Sammlerobjekten und Statussymbolen. Die folglich auf Online-Börsen wie "stockx.com" für viel Geld gehandelt werden. Das zahlt auch insgesamt auf das Prestige der Hersteller ein. So ist etwa um den weißen Tennisschuh "Stan Smith" von Adidas - 1963 ins Leben gerufen, 2012 abgesetzt und 2013 wieder auferstanden - ein neuer Kult entstanden. 2015 verkaufte der fränkische Sportartikelkonzern acht Millionen Exemplare. Vom "Superstar", dem am häufigsten verkauften Sneaker überhaupt, sogar 15 Millionen (wie die "NZZ" berichtet).

Im vergangenen Jahr erzielten die Platzhirsche Adidas (19,3 Milliarden Dollar) und Nike (34,35 Milliarden Dollar, Geschäftsjahr 2016/17) neue Umsatzrekorde. Das liegt nicht zuletzt an namhaften Kollaborationen mit mutmaßlichen "Sneakerheads" wie US-Rapper Kanye West, Popstar Pharell Williams oder Basketballlegende Michael Jordan, die mit eigenen Linien die Begehrtheit der Schuhe zusätzlich in astronomische Höhen treiben. Allein in den USA wurden 2015 Air Jordans für 2,6 Milliarden Dollar verkauft, berichtet die "NZZ" - dank einer Umsatzbeteiligung soll der ehemalige Basketballprofi pro Jahr 100 Millionen Dollar einstreichen. Bei seinen prominenten Kollegen dürfte es ähnlich lukrative Deals geben. 

Du hast selbst eine kostspielige und/oder ungewöhnliche Sammelleidenschaft? Erzähl' uns davon! Und schicke uns eine E-Mail an leseraufruf@stern.de - wir freuen uns, von dir zu hören!

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