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Schlagen, Fesseln, Demütigen - der brutale Drogenentzug der Kirche in Myanmar

Myanmar ist einer der gefährlichsten Orte der Welt für Drogensüchtige. Die Kirche will Abhängige mit allen Mitteln umerziehen. Dazu wird sie im Namen Gottes sogar kriminell.

Von Verena Hölzl

Zau Ring Aung, 23, in einer notdürftigen Dusche im Camp

Zau Ring Aung, 23, in einer notdürftigen Dusche im Camp. Er macht hier nicht nur einen kalten Entzug durch, sondern wird auch misshandelt. Was er sich wünscht: "Ein neues Leben, weit weg von hier"

Die Ausbeute des Tages ist 23, Drogenjunkie und trägt ein schwarzes Herztattoo mit Flügeln auf der linken Brust. Zau Ring Aung ist eine magere Ausbeute, eigentlich sollte ein Drogendealer aus dem Verkehr gezogen werden, aber er entwischte. Dafür führen die jugendlichen Fänger jetzt einen seiner Kunden an den Schultern durch das Wellblechtor des Bibel-Camps.

Die Hände baumeln in Handschellen vor seiner schwarzen Trainingshose. Der Brustkorb unter dem karierten Hemd hebt sich so schnell, dass er zu beben scheint. Wenn Zau Ring Aung sich überhaupt traut, etwas zu sagen, verhaspelt er sich. Seine Unterlippe blutet. Er will erst einmal auf die Toilette.

Die Fänger, das sind die Jungs von der Kirche. Sie stellen ihre Motorroller im Hof des Bibel-Camps ab. Der Chef der Mission, klein und zäh, Spitzname "der Kurze", streckt sich, nun doch zufrieden mit dem Fang. "Für den fängt jetzt ein neues Leben an", freut sich der Kurze.

Myanmar, der zweitgrößte Opiumproduzent der Welt

Das Bibel-Camp liegt in Kachin, dem nördlichsten Teilstaat Myanmars an der Grenze zu China. Laubbäume ragen neben Palmen in die ferne Bergkulisse. Zuweilen mutet die Landschaft mediterran an, die Luft hier ist klarer als im tropischen Süden. Myanmar mit seinen zahllosen buddhistischen Tempeln ist seit der politischen Öffnung zum Sehnsuchtsort für Backpacker und Bildungsreisende geworden. Doch in vielen Grenzregionen des Landes, dort, wo Ausländer nicht hin dürfen, wüten ethnische Konflikte, Bürgerkrieg und Drogenepidemien. Myanmar ist nach Afghanistan der zweitgrößte Opiumproduzent der Welt.

In Kachin kostet der Schuss weniger als ein Bier, auf den Mauern der Unitoiletten lassen sich ohne Mühe Depots mit frischem Spritzbesteck finden, manche Abhängige sind noch Kinder. Deshalb ist die christliche Kirche hier auf fragwürdiger Mission: Sie kidnappt Drogensüchtige und Dealer und sperrt sie in Bibel-Camps. Dort werden sie umerzogen, mit allen Mitteln, die ihr bekannt sind: mit Rohrstock, Handschelle und der Bibel.

Einige Tage nachdem die Kirche ihn geschnappt hat, sieht Zau Ring Aung so aus wie die anderen Junkies. Sein Kopf ist kahl geschoren. Sogar die Augenbrauen haben sie ihm abrasiert. Seine Stimme ist jetzt ruhig, er wirkt erwachsen. "Ich wusste, dass ich irgendwann einmal in der Scheiße landen würde", sagt er. Zau Ring Aung hatte bereits von den Jungs von der Kirche gehört. Er weiß, dass sie Drogenabhängige kidnappen. Vieles andere lernt er erst jetzt, während der zwei Monate, in denen ihn die Kirchenleute auf den rechten Weg führen wollen.

"Was ich brauche, ist ein neues Leben"

Zum Beispiel, dass der Rohrstock, mit dem die Jungs von der Kirche die Junkies züchtigen, mit Gummi umwickelt ist. Dass die überdimensionierte hölzerne Zange, in die Junkies mit einem Bein gesperrt werden, schmerzhafte Druckstellen am Knöchel hinterlässt. Dass "der Kurze" beim militärischen Frühsport mit den Junkies als Einziger bei den Liegestützen schummelt. Dass bei der Andacht jeden Abend viele die religiösen Liedtexte nicht können. Er auch nicht.

Damit die Gefangenen nicht weglaufen, stecken ihre Füße in hölzernen Zangen.

Damit die Gefangenen nicht weglaufen, stecken ihre Füße in hölzernen Zangen. Dieser 21-Jährige wird im Bibel-Camp festgehalten, weil er Heroin verkaufte.


Mit der Kirche hatte Zau Ring Aung nie viel zu tun, obwohl er wie die meisten in Kachin Christ ist. Abends bei der Andacht starrt er ins Leere und denkt über sein Leben nach. Dass die zwei Monate im Bibel-Camp ihm helfen werden, glaubt er nicht. "Was ich wirklich brauche, ist eine neue Stadt, ein neues Leben, weit weg von den hier", sagt er. Man hat ihn aber nicht gefragt. Man fragt ihn nie irgendetwas.

Seine dunklen Augen sind klein, er wirkt müde. Er schweigt noch mehr als die anderen. Nur ab und zu huscht ihm ein verschmitztes Lächeln übers Gesicht. Etwa wenn er erzählt, dass einer der Junkies beim Klogang abgehauen ist. Was für Amateure!

Heroin ist besser als Liebe, da ist Zau Ring Aung sich ganz sicher, auch wenn er noch nie verliebt war. "Deine Muskeln entspannen sich, das ist einfach unvergleichlich", beschreibt er. "Sogar das Hässliche wird schön." Vom Hässlichen gab es viel in seinem Leben.

Arbeiter werden in Heroin bezahlt

Mit 15 suchte er wie viele junge Männer in der Region sein Glück in den Jademinen von Hpakant, fünf Autostunden von Kachins Hauptstadt Myitkyina entfernt, wo das Bibel-Camp steht. In Hpakants Rauschgift-Cafés, "shooting galleries" genannt, wird Heroin so selbstverständlich serviert wie Tee und Snacks. In den Minen werden viele Tagelöhner mit Drogen versorgt, damit sie noch mehr Steine nach Jade abklopfen. Irgendwann werden sie direkt in Heroin ausbezahlt.

Seit fünf Jahrzehnten herrschen in Kachin Bürgerkrieg und Anarchie, nur zwischen 1994 und 2011 schwiegen die Waffen. So ist das Ökosystem gewachsen, in dem die Drogen florieren. Wenn die Dämmerung hereinbricht, trauen sich in der Hauptstadt Myitkyina die jungen Leute nicht mehr auf die Straße. Die Männer aus Angst vor Zwangsrekrutierung, die Frauen aus Angst vor Vergewaltigung.

Kachin könnte wohlhabend sein. In den Böden der Region lagern neben Jade auch Bernstein und Gold. Doch während Militär und Rebellen sich in Kachins Dschungel beschießen, verweist man im Parlament schulterzuckend auf die eigene Machtlosigkeit. In diesem Vakuum hat sich die Kirche breitgemacht. Kachin wird von ihr regiert. Die Kirchen sind voll, Gott ist in. Die Menschen haben im Glauben eine heile Parallelwelt gefunden. Nicht für alle ist sie ein angenehmer Zufluchtsort.

Es gibt Dutzende solcher Stätten

Ein paar Tage, nachdem sie Zau Ring Aung erwischten, haben die Jungs von der Kirche doch noch den Dealer gefangen, auf den sie es abgesehen hatten. Er kauert auf dem Boden, den nackten Oberkörper nach vorne gebeugt. Ein Haarschneider fährt surrend über seinen Kopf, schwarze Haarbüschel fallen auf die Erde. Noch zwei Bahnen, und auch er wird aussehen wie die anderen Junkies und Dealer im Camp.

"So fallen sie besser auf, wenn sie abhauen", witzelt San Li. Er ist 26, hat einen Master in einem Fach mit dem Namen Divinity und ist Pastor. Ihm unterstehen ein Dutzend Junkies, rund 15 freiwillige Helfer, ein Haus auf einem eingezäunten Grundstück inmitten einer Wohnsiedlung in Myitkyina und ein Hund, den "die Jungs" "altes Mädchen" nennen. Es gibt Dutzende solcher Stätten in Kachin.

Pastor San Li, der das Bibel-Camp leitet (rechts) betet für die freiwilligen Helfer, bevor sie zu einer Razzia ausrücken.

Pastor San Li, der das Bibel-Camp leitet (rechts) betet für die freiwilligen Helfer, bevor sie zu einer Razzia ausrücken. Eine Hetzjagd mit Gottes Segen.


San Li wirkt wie ein harmloser Zeitgenosse, einer, mit dem man abends ein Bier trinken gehen würde. Auf der Oberlippe und am Kinn sprießen ein paar zarte Bartstoppeln, die Igelmähne ist gegelt. Er hat keine Ahnung, warum ausgerechnet er für den Job ausgewählt wurde. Manchmal bleibt er fast bis mittags im Bett, der Job als Camp-Boss zehrt an seinen Reserven. In dem Haus, in dem er jetzt Junkies festhält, hat er als Teenager selbst Drogen probiert. "Nur ein einziges Mal, einen kleinen Joint", sagt er verlegen und wiegt den Kopf hin und her.

"Menschenrechte stehen nun einmal nicht jedem zu"

Wenn er mit den Junkies zu tun hat, wird San Lis Gesicht hart. Sie nennen ihn "Saya", Meister. Mit seinen jungen 26 würde er in Myanmar sonst nur als Arzt so angesprochen werden. San Li fällt den Junkies ins Wort, er lacht darüber, dass einer von ihnen versucht hat sich mit einer Glasscherbe umzubringen: "Hat natürlich nicht funktioniert." Dass die jungen Männer blauschwarze Schenkel von den Züchtigungen seiner Jungs haben, stört ihn nicht.

"Menschenrechte stehen nun einmal nicht jedem zu", findet San Li. Süchtige und Dealer sollen erst mal zu besseren Menschen werden. Mit der Meinung ist er nicht alleine, vielleicht weil man Menschenrechtsverstöße mehr gewohnt ist, als man sich eingestehen will. Dass Staatenlose, Muslime und Drogensüchtige in Myanmar behandelt werden wie Tiere, beunruhigt in der ehemaligen buddhistischen Militärdiktatur kaum jemanden.

Militärischer Frühsport am Morgen, Beten bei der Andacht am Abend, dazwischen werden die Gefangenen in die Zange gesperrt

Militärischer Frühsport am Morgen, Beten bei der Andacht am Abend, dazwischen werden die Gefangenen in die Zange gesperrt, hier zwei Süchtige, 23 und 19. So will die Kirche alle Probleme lösen.


Langsam geht die Sonne unter und taucht den Himmel in ein milchiges rosa Glühen, am Straßenrand lodern wie jeden Abend die Müllfeuer, eine Glocke aus Rauch und Asche legt sich über Myitkyina. Zeit für eine Razzia. San Li steigt in einen weißen Lieferwagen, vor ihm ein voll besetzter Hyundai mit seinen Jungs an Bord. Das Einsatzkommando rauscht vorbei an der Straße, die zu den verhassten Militärkasernen führt. Nachts ist sie abgesperrt. "Die Generäle haben Angst vor Zivilisten. Lustig, oder?", sagt San Li. Er trägt Flip-Flops und kurze Hosen, wie immer.

"Irgendjemand muss ja mehr tun als nur reden"

Unweit der Kaserne, der Abendstern ist am Himmel aufgetaucht, kommen sie auf der Lichtung an, die neuerdings für Drogendeals bekannt ist. Der Hyundai parkt in einem nahe gelegenen Waldstück. Das rote Rücklicht erlischt. Nichts rührt sich. In der Ferne bellt ein Hund. Die Jungs warten.

In ihren Taschen haben sie Handschellen, Steinschleuder, Rohrstock. Man muss sich schließlich verteidigen. Pistolen haben sie nicht. "Wir sind ja nicht die Polizei", sagt San Li. Weder Dealer noch Junkies tauchen auf. Die Jungs sind sauer, irgendwer hat sie auffliegen lassen. Game over. Zumindest für diese Nacht.

Nicht alle Kirchenleute befürworten die Hetzjagden und Umerziehungsprogramme. Pastor Mung ist über Programme von internationalen Organisationen weit in der Welt herumgekommen. Ihm wäre Aufklärung lieber als Gewalt, sagt er, schränkt die Aussage aber gleich wieder ein. Auch er sieht im Moment keine Alternative zu den Camps. "Was bleibt uns denn anderes?", fragt er. "Die Polizei steckt mit den Dealern unter einer Decke. Irgendjemand muss ja mehr tun als nur reden." Als Pastor muss Mung regelmäßig Heroinopfer beisetzen. Er erinnert sich vor allem an die Beerdigung seines besten Freundes: "Die Drogen haben ihn regelrecht aufgefressen."

Die Jungs, die als Freiwillige für die Kirche arbeiten, durchsuchen das Umland von Myitkyina nach Drogensüchtigen und Dealern

Auf Menschenjagd: Die Jungs, die als Freiwillige für die Kirche arbeiten, durchsuchen das Umland von Myitkyina nach Drogensüchtigen und Dealern.


In einem Randbezirk von Myitkyina steuert Pastor Mung seinen Motorroller auf einer Schotterpiste durch sein Viertel. "Mit den Drogenjunkies ist es wie mit wilden Elefanten, die du fängst" , sagt der 34-Jährige, der in Yangon zehn Jahre lang Menschenrechte unterrichtet hat. "Die muss man auch erst einmal an die Kette hängen." Er freut sich über seinen Vergleich.

Am Wegesrand tauchen die Spritzen auf

Mister Mung, so möchte er genannt werden, könnte man leicht für einen Aufreißer halten. Sein Dauerlächeln gibt eine kleine Lücke zwischen den Schneidezähnen preis, mit seiner sonoren Stimme versprüht er in einwandfreiem Englisch, bei allem was er erzählt, Charme. Innerhalb der Kirchengemeinde stößt man immer wieder auf Mung.

Er hebt die Hand vom Lenkrad, grüßt einen Nachbarn. "Der dealt auch", raunt er. "Aber mit den Beweisen ist es so eine Sache, sein Sohn ist bei der Polizei." Die Kirche leistet sich bei ihren Aktionen sogar Anwälte. Wenn schon Hausfriedensbruch, dann immerhin ordentlich abgesichert.

Die Schotterpiste wird buckliger, die Bambushütten werden weniger. Kurz nachdem Mung in eine Apokalypse aus dürren Teakholzbäumen eingebogen ist, tauchen am Wegesrand die ersten Spritzen auf. Es herrscht gespenstische Stille, die dicken grauen Wolken am Himmel geben ein paar Regentropfen frei. Mit dem Schuh kickt Mung eine der Spritzen weg. "Ist noch kein Dunst drin", sagt er fachmännisch. "Da hat sich jemand erst vor ein paar Stunden einen Schuss gesetzt." Es ist helllichter Tag.

Mung war zwölf, als eines Morgens der Bruder nicht aus seinem Zimmer kam. Er war Sänger in einer Band, hatte mit den Kumpels getrunken und war spät nach Hause gekommen. Bevor er ins Bett ging, spielte er ein bisschen Gitarre. Die Eagles mochte er gern. Ist wohl verkatert, dachte Mung. Als sich mittags immer noch nichts rührte, kroch das ungute Gefühl in ihm hoch. Von draußen spähte er in das Zimmer, wo er den Bruder in seinem Erbrochenen liegen sah. Die Familie brach das Schloss auf. Mungs Bruder war tot. Gestorben an einer Überdosis. Heute ist die leere Stelle in der Tür zu seinem Zimmer mit Klebstoff abgedichtet. Mung hat seither nie wieder "Hotel California" gehört.

Nichts läuft ohne den Segen Gottes

Als die Anti-Drogen-Gruppe der Kirche sich vor drei Jahren gründete, war er sofort dabei. Endlich war er nicht mehr machtlos. Seither hat Mung es weit gebracht in der Kirchenbewegung. Vergangenes Jahr leitete er die Zerstörung von 400 Hektar Schlafmohn, dem Rohstoff von Opium und Heroin.

Im Januar 2016 rückten von Myitkyina aus 1200 Freiwillige in Pfadfindertracht, darunter ein Model und ein Greis, zur Mission aus. Nach 24 motorisierten Stunden auf staubigen Pisten ging es drei weitere Tage zu Fuß weiter. Bei den Feldern angekommen, richtete man als Erstes ein provisorisches Gebetszelt ein. Nichts läuft ohne den Segen Gottes.

Die Kirche bedeutet für Mung auch Fortschritt. Er ist schon viel durch die Welt gereist, Programme internationaler Organisationen haben ihn von Thailand über Singapur und Malaysia bis nach Europa geführt. Kachin hinke dem Rest der zivilisierten Welt zwei Jahrhunderte hinterher, sagt er. "Ohne die Missionare wären wir hier immer noch Wilde und Nomaden."

Morgens müssen die Gefangenen im Bibel-Camp für Ordnung sorgen, auch das gehört zur Umerziehung.

Morgens müssen die Gefangenen im Bibel-Camp für Ordnung sorgen, auch das gehört zur Umerziehung. Die Aufpasser haben Süchtigen und Dealern die Haare abrasiert, damit man sie leichter erkennt.


Er stoppt seinen Roller am Rande des Teakholzfeldes. 200 Meter von der Polizeistation weg reiht sich wieder Kanüle an Kanüle. Einen Ballwurf davon entfernt spielen auf der Straße Kinder. Viele der Spritzen stammen von Médecins du Monde. Die NGO verteilt in Kachin sterile Nadeln, um zumindest zu verhindern, dass HIV sich weiter ausbreitet. Die Kirche ist bei ihrer Arbeit jeden Tag Thema. Sie lehnt Methadon ab, den Ersatzstoff, der Süchtigen helfen soll, langsam vom Heroin wegzukommen. Die Kirche glaubt nur an ihr eigenes Methadon, die Bibel.

Die Spitzen liegen dort, wo Kinder spielen

Nicht alle hier billigen diesen Ansatz. Für die Kirche sind Süchtige Sünder, für Ernst Wisse von Médecins du Monde sind sie Menschen mit einer chronischen mentalen Störung. "Abhängigkeit wird durch eine chemische Veränderung im Gehirn ausgelöst. Das kannst du aus niemandem herausprügeln", sagt er. Ganz im Gegenteil. Der "cold turkey", der abrupte Entzug ohne medizinische Unterstützung, sei kontraproduktiv. Die Rückfallquote liegt bei 95 Prozent. "Mit jedem Fehlversuch wird der nächste Entzug umso schwieriger."

Auch die myanmarische Regierung fährt im Kampf gegen die Drogen einen repressiven Kurs. Die Lobbyarbeit internationaler Akteure, die sich für mehr Unterstützung und weniger Bestrafung von Drogennutzern einsetzen, trägt nur langsam Früchte. Generell scheint es schwer, hier das Richtige zu tun. Was den Kampf gegen die Drogen voranbringt, kann zugleich schaden: Zerstört Pastor Mung die Felder mit Schlafmohn, nimmt er Dutzenden Bauern die einzige Lebensgrundlage. Die Spritzen, die Süchtigen helfen sollen, liegen später benutzt dort, wo Kinder spielen.

Der Staat, Hilfsorganisationen, Süchtige, die Kirche: Am Ende wissen alle, dass sie im selben Boot sitzen, das sie mit unterschiedlichen Ruderschlägen und manchmal in entgegengesetzte Richtungen über den Drogensumpf steuern.

Zau Ring Aung ist inzwischen aus dem Bibel-Camp entlassen worden, doch das ist keine gute Nachricht. Er lebt jetzt wieder in Hpakant, der Stadt, in der Heroin in Bars verkauft wird, der Stadt, in der er mit den Drogen angefangen hat. Ausgerechnet die Kirchenleute haben ihn dort hingebracht. Sie sagen, er müsse Geld verdienen, um seine Familie zu unterstützen, das könne er am leichtesten in den Jademinen. Mit Gottes Segen werde er seinen Weg finden. Bisher geht es Zau Ring Aung einigermaßen gut. "Ich versuche zu vergessen, was ich im Camp erlebt habe", erzählt er am Telefon, der Empfang ist schlecht. Die Plätze, an denen es Drogen gibt, meide er, sagt er noch. Dann bricht die Verbindung ab.

Dieser Text ist in der Ausgabe 8/2017 von NEON und auch digital für das Tablet auf iOS und Android erschienen. Hier können Einzelhefte des Magazins nachbestellt werden.


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