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Wenn Menschen ihre Erfolge nicht schätzen können - was man dagegen tun kann

Astronaut, Popstar, Schauspieler: Manche scheinen alles erreicht zu haben, und doch fällt es ihnen manchmal schwer, die eigenen Leistungen anzuerkennen. Wenn das Selbstbewusstsein uns den Erfolg nicht gönnen will.

Von David Weinard

Mann zweifelt

Habe ich mir meinen Erfolg wirklich verdient, oder bin ich ein Hochstapler und hatte einfach nur Glück?

"Ich schaue all diese Menschen an und denke mir: Was zum Teufel mache ich hier? Die haben alle unglaubliche Dinge geleistet. Ich ging einfach nur dahin, wo ich hingeschickt wurde". Dieser Satz stammt von niemand geringerem als Neil Armstrong. Richtig, der Neil Armstrong. Der erste Mensch auf dem Mond; eine Lebensleistung, die kaum größer ausfallen könnte. Und doch fiel es ihm zeit seines Lebens schwer, sich diesen Erfolg auch selbst auf die Fahnen zu schreiben.

Wann fliegt mein "Schwindel" auf?

Nun können wir leider nicht alle zum Mond fliegen - genau genommen fliegt da mittlerweile niemand mehr hin. Aber vielen Menschen fällt es ebenfalls schwer, eigene Erfolge anzuerkennen und sich über ein Kompliment einfach mal zu freuen. Es gibt sogar einen Fachbegriff für dieses Phänomen. Das Ganze heißt Hochstapler-Syndrom. Menschen, die darunter leiden, fühlen sich oft als Betrüger und warten nur darauf, dass ihr "Schwindel" irgendwann auffliegt.

Die Schauspielerin Jodie Foster zum Beispiel hielt ihren ersten Oscar für einen reinen Zufallstreffer. Nach der Preisverleihung hatte sie regelrecht Angst, dass man sie zu Hause aufsuchen wird, um ihr die begehrte Trophäe wieder abzunehmen. "Entschuldigung, der Preis war eigentlich für jemand anderen gedacht. Der geht an ".

Die hätte ihn wahrscheinlich sowieso wieder an Jodie Foster zurückgegeben, denn witzigerweise fiel es Meryl Streep genauso schwer, ihre Erfolge richtig einzuordnen. Auf die Einschätzung ihres Talents angesprochen sagte sie mal: "Ich verstehe sowieso nichts von Schauspielerei, warum mache ich das überhaupt?". Die Frau hatte da schon drei Oscars auf dem Kaminsims stehen, und wurde insgesamt 20 mal nominiert.

Erfolg von außen, Scheitern von innen

Als der Begriff Ende der 70er erstmals von Pauline R. Clance und Suzanne A. Imes eingeführt wurde, galt das Hochstapler-Syndrom noch als vorrangig weibliches Phänomen. Man sah darin die Kehrseite der damals aufkommenden Frauenförderung im Berufsleben. Mittlerweile hat man jedoch in Befragungen festgestellt, dass Männer fast zu gleichen Teilen betroffen sind.

Die Gefahr dieser sprichwörtlich falschen Bescheidenheit liegt auch nur zum Teil in der Betrachtungsweise des eigenen Erfolgs. Mindestens genauso schwer wiegt der kritische Blick auf das eigene Scheitern. Während nämlich Erfolg stets Umständen von außen zugeschrieben wird, projiziert man Misserfolg automatisch nach innen. Man nimmt Misserfolge grundsätzlich auf die eigene Kappe, selbst wenn man mal nichts dafür kann.

Social-Media als Zerrbild der Realität

Heutzutage wird eine Teilschuld für die anhaltende Verbreitung solcher Unsicherheiten auch in der Social-Media-Blase vermutet. Immerhin ist die Gruppe der Millennials hier besonders häufig betroffen. Man geht davon aus, dass 70 Prozent von ihnen sich regelmäßig wie Hochstapler fühlen.


Die Gruppe, die auch besonders häufig auf Facebook und Instagram unterwegs ist, wird konstant mit den gefilterten "Wirklichkeiten" der anderen bombardiert. Niemand teilt Geschichten über den eigentlich misslungenen Urlaub, Videos von der letzten Grippe, oder Bilder vom verbrannten Kuchen. Wir sehen eben nur das, was andere uns sehen lassen wollen. Durch diese Selektion entsteht mit der Zeit der Eindruck, dass alle um uns herum ein besseres, aufregenderes oder erfolgreicheres Leben führen. Das mag ja in seltenen Fällen sogar stimmen, aber in der Regel ist es eher Quatsch.

Was kann man tun?

Es gibt durchaus Tipps und Tricks, um den inneren Hochstapler auch mal ruhigzustellen. Zum Psychologen rennen muss deswegen niemand, wenn man sich an ein paar Grundregeln hält:

1. Hör auf, dich ständig zu vergleichen

Vergleiche können uns zwar auch inspirieren und motivieren, allerdings sollte man sich nicht unentwegt am Leben der anderen orientieren. Falls man sich doch mal ein Update von wichtigen Menschen einholen will, sollte man sich lieber auf ein Bier oder einen Kaffee treffen, oder zumindest telefonieren. Im persönlichen Gespräch merkt man meist recht schnell, dass alles nicht so heiß gegessen wird, wie es gepostet wurde.

2. Nimm Komplimente ruhig an

Selbst wenn du dich im ersten Moment ertappt oder eingeschüchtert fühlst, finde es einfach mal gut, wenn andere dich gut finden. Du musst dich für Komplimente nicht rechtfertigen oder erklären, ein "Danke" und ein kleines Lächeln reichen völlig aus!

3. Sieh es positiv

So verrückt es klingen mag, das Hochstapler-Syndrom hat auch durchaus positive Seiten. Sich derart kritisch selbst zu betrachten, bedeutet in der Regel, dass man extrem hohe Ansprüche an die eigene Arbeit hat, vielleicht sogar schon zum Perfektionismus neigt. Findet man hier die richtige Balance zwischen Anspruch und Wirklichkeit, kann daraus große Kunst oder ausgezeichnete Arbeit entstehen.

Abgesehen davon haben die gefühlten "Hochstapler" in der Regel großen Respekt vor ihren Kollegen, jedenfalls mehr, als vor sich selbst. Wenn man von ungelenken Reaktionen auf Komplimente mal absieht, stellen sie oft ganz angenehme Zeitgenossen dar.

4. Notier deine Erfolge

Das wirkt ein wenig selbstverliebt, aber genau darum geht es ja letztendlich - sich selbst auch mal gut finden. Wenn die Zweifel wieder lauter werden, kann ein kleiner Blick in ein "Erfolgs-Tagebuch" Wunder wirken. Schulische oder berufliche Erfolge, Komplimente - es empfiehlt sich, alle positiven Eindrücke über dich festzuhalten. Falls du mal wieder vergisst, wie gut du eigentlich bist, dein Tagebuch wird sich erinnern.

"Ich fühle mich manchmal noch immer wie ein Loser Kid in der Highschool und muss mich jeden Morgen daran erinnern, dass ich ein Superstar bin", sagt zum Beispiel Lady Gaga.

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