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Das hat mein Sexleben gerettet: „Danach heulte ich vor Freude“

Nina, 25, fand Sex mechanisch und stressig. Bis sie sich endlich richtig verliebte.

Text: Theresa Bäuerlein | Illustration: Mrzyk & Moriceau

„Mein erstes Mal hatte ich mit 21, betrunken, mit irgendeinem Freund. Anschließend war ich frustriert. Wenn das Sex ist, kann ich darauf verzichten, dachte ich.

Bei meinen Dates danach wollte ich nie mehr als knutschen. Alles Weitere fühlte sich mechanisch und fordernd an. Schon beim Gedanken an Sex zog sich alles in mir zusammen.

Auf der Abschlussfeier meiner Musicalschule hatte ich dann mein erstes Aha-Erlebnis. Wir haben im Garten gegrillt, alle waren super drauf und irgendwann haben eine gute Freundin und ich uns auf den Mund geküsst. Ihr Freund fand das sehr aufregend. Später fragten die beiden mich, ob ich die Nacht mit ihnen verbringen wolle. In meiner Partylaune dachte ich: Warum nicht? Wir haben dann noch zu dritt aufgeräumt. Die Luft hat ziemlich geknistert, wir wussten ja, was wir vorhatten. Als die Wirkung des Weins nachließ, wurde mir mulmig. Ich hatte doch kaum Erfahrung. Dann überraschte ich mich selbst damit, dass ich gar nicht so verklemmt war. Und dass ich eine Frau so anfassen konnte, dass es ihr gefiel! Und da merkte ich, dass ich mich lieber mit ihr als mit ihrem Freund beschäftigte.

Mit der Zeit wurde mir immer klarer, dass ich auch auf Frauen stehe. Ich kam sogar kurz mit einer Arbeitskollegin zusammen, aber auch das hat mein Problem nicht gelöst. Wenn wir zusammen auf dem Sofa eine DVD sahen, dachte ich: ‚Oh Gott, jetzt will sie gleich mit mir ins Bett.‘ Wir haben es auch versucht, aber ich war einfach nicht erregt und fühlte mich bedrängt. Als wir uns getrennt haben, war mein Selbstbewusstsein total im Eimer. Dann kam meine Rettung. Ich wollte es noch einmal versuchen und habe mich online mit einer Frau verabredet. Beim ersten Treffen haben wir zusammen bei ihr die Fußball-WM der Frauen geschaut. Wir redeten dabei ganz locker, und plötzlich küsste sie mich kurz. Dann schaute sie sofort wieder zum Fernseher. Mich hat das total irritiert, ich konnte mich gar nicht mehr konzentrieren. Sie tat ganz cool. Wenn das Strategie war, hat es gewirkt. Ich spürte, dass ich mehr wollte. Beim nächsten Date habe ich mich richtig in sie verliebt. Vielleicht auch deswegen, weil sie mir null Druck gemacht hat. Als wir nach zwei Wochen das erste Mal Sex hatten, war plötzlich alles ganz einfach. Es war ein fließender Übergang von Küssen zu Streicheln zu mehr. Hinterher lag ich da und habe vor Freude geheult. Ich kam mir sehr dramatisch vor, aber es ging nicht anders. Jetzt merkte ich, wie sehr ich mir vorher schon gewünscht hatte, richtig verliebt zu sein. Diesmal war ich es. Und da wollte auch mein Körper. Ob ich bi oder lesbisch bin, weiß ich nicht, das ist auch egal. Ich will einfach mit dieser Frau zusammen sein, ohne in einer Schublade zu stecken. “

Theresa Bäuerlein fragt jeden Monat Menschen, was ihr Liebesleben verbessert hat. Erzählt uns eure Geschichte.
Schreibt an: sexrettung@neon.de


Dieser Text ist in der Ausgabe 07/2016 von NEON erschienen. Hier können Einzelhefte nachbestellt werden. NEON gibt es auch als eMagazine für iOS & Android. Auf Blendle könnt ihr die Artikel außerdem einzeln kaufen. Eine Übersicht aller „Das hat mein Sexleben gerettet“ Kolumnen findet ihr hier.

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