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Das hat mein Sexleben gerettet: „Plötzlich ging gar nichts mehr“

Ina, 28, dachte, sie sei richtig gut im Bett. Bis sie sich das erste Mal verliebte.

Text: Theresa Bäuerlein | Illustration: Mrzyk & Moriceau

„Ich dachte immer, dass ich perfekt im Bett sei. Das war ich auch. Wenn ich beim Sex mal nicht in Fahrt kam, dann waren immer die Männer die Bremser. Bis ich meinen jetzigen Freund kennengelernt habe. Mit ihm hatte ich den schlechtesten Sex meines Lebens. Und es lag ganz klar an mir.

Bevor ich ihn kennengelernt habe, mussten mir Männer gar nicht erst sagen, was sie heiß finden. Ich wusste einfach, wie ich jeden Kerl beglücken kann und wie ich gucken muss, damit er wahnsinnig wird. Es war wie ein Spiel für mich. Vielleicht weil ich eine Angststörung habe. Ich fürchte mich vor zu viel Nähe, aber auch vor dem Alleinsein und bin in Gedanken nie zur Ruhe gekommen. Aber ich bin auch intuitiver als viele und nehme die Gefühle anderer besser wahr. Wenn die Männer im Bett glücklich waren, fühlte ich mich sicher, weil ich die Kontrolle hatte. Oft hatte ich One-Night-Stands, aus denen dann Beziehungen wurden. Eigentlich bin ich es gewohnt, dass eine Beziehung mit Sex anfängt.

Meinen jetzigen Freund habe ich beim Feiern kennengelernt. Ich habe ihn an der Bar stehen sehen und dachte: Wow, den will ich haben. Also habe ich ihn angequatscht. Komischerweise habe ich ihm aber an dem Abend am Ende einen Korb gegeben. Vielleicht weil ich wusste, dass ich mich in ihn verlieben könnte. Weil wir an derselben Uni studiert haben, verlor ich ihn danach nicht aus den Augen. Wir haben uns oft in den Pausen zwischen den Vorlesungen getroffen und gequatscht. Sonst lief aber lange nichts. Bei ihm hatte ich Hemmungen, die ich bis dahin gar nicht kannte. Ich glaube, weil ich für ihn stärkere Gefühle hatte als für die Männer vorher. Irgendwann haben wir doch angefangen, in den Fluren der Uni rumzuknutschen wie Teenager. Nach drei Monaten bin ich nach der Uni mit zu ihm nach Hause. Dort hatten wir zum ersten Mal Sex und bei mir ging nichts mehr. Ich konnte keine Rolle mehr spielen. Also habe ich nur dagelegen und wusste nicht, wo ich hingucken sollte. Mir war gar nicht klar, dass man überhaupt schlechten Sex haben kann. Hinterher haben wir darüber geredet und ich habe versucht, ihm zu erklären, dass ich normalerweise richtig gut im Bett bin.

Mittlerweile sind wir anderthalb Jahre zusammen und ich kann zum ersten Mal sagen: Ich liebe diesen Mann. Der Sex ist jetzt auch gut, was aber vor allem an ihm liegt. Ich weiß oft nicht, was ich machen soll, und denke mitten im Sex Dinge wie: Du guckst bestimmt gerade bescheuert. Dann nimmt er mich in den Arm und sagt mir, dass ich mich entspannen kann und dass er mich lieb hat. Und ich kann mich dann wieder fallen lassen.“

Theresa Bäuerlein fragt jeden Monat Menschen, was ihr Liebesleben verbessert hat. Erzählt uns eure Geschichte.
Schreibt an: sexrettung@neon.de


Dieser Text ist in der Ausgabe 07/2016 von NEON erschienen. Hier können Einzelhefte nachbestellt werden. NEON gibt es auch als eMagazine für iOS & Android. Auf Blendle könnt ihr die Artikel außerdem einzeln kaufen. Eine Übersicht aller „Das hat mein Sexleben gerettet“ Kolumnen findet ihr hier.

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