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Die Tinder-Typologie

Seit einem Jahr revolutioniert Tinder unser Liebesleben. Für die aktuelle NEON-Titelgeschichte habe ich zehn Gründe gesammelt, warum uns die Dating-App dabei entspannter und romantischer gemacht hat.

Ganz so einfach ist das am Ende aber natürlich nicht. Vor dem Match steht schließlich das Profilbild. Und mit Tinder-Fotos ist es ein bisschen wie mit Hotelbeschreibungen und Wohnungsannoncen – Darstellung und Wirklichkeit haben häufig eine geradezu lächerlich-geringe Schnittmenge:



Wild Thing

Wahrscheinlich gibt es mittlerweile Reiseanbieter, die nichts anderes tun, als Horden von Tinderern nach Afrika zu karren, wo die sich dann mit Löwen, Elefanten oder Krokodilen fotografieren lassen können.

Botschaft: Ich bändige wilde Tiere. Als nächstes Dich. Grrr!
Wahrheit: Aber nur, wenn du dabei auch 850 Meter entfernt hinter einem Drahtzaun liegst und schläfst. Schnarch!



Schmusebär

Hast du es nicht bis ins nächste Wildtierreservat geschafft, greifst du auf Hund, Katze oder Kaninchen deiner Mitbewohnerin zurück. Gerne vergräbst du dabei ganze Gesichtsteile (Mund, Nase) im Fell des hektisch guckenden Tieres.

Botschaft: Ich bin sehr verschmust.
Wahrheit: Du musst dafür nicht umsonst auf Vierbeiner zurückgreifen.



Ex-Schau

Hochzeitsfotos, Pärchen-Urlaubsfotos, Fotos, auf denen du und dein(e) Ex fröhlich durch einen goldenen Barock-Bilderrahmen schaut, Fotos eurer Eheringe auf einer Baumrinde, Fotos vom Richtfest eures Hauses, Fotos mit den gemeinsamen Kindern.

Botschaft: Ich kann Bindung!
Wahrheit: Findet deine Ex nicht!



PS-Profilierung

Du sitzt in oder stehst vor einem Porsche/Lamborghini/Aston Martin/Ferrari.

Botschaft: Das ist mein Auto!
Wahrheit: Das ist egal.



Back to Nature

Foto eines Wildbachs, einer Bergkette, eines Strandes. Kein Mensch zu sehen, nirgends.

Botschaft: Ich bin sehr naturverbunden.
Wahrheit: Ich bin sehr vergeben.



Wimmelbild

Vor allem unter Frauen beliebt: Fotos mit mindestens fünf weiteren Mädels. Meist aufgenommen auf einer Party (kurze Kleider) oder im Urlaub (kurze Kleider und Sonnenbrand).

Botschaft: Ich bin beliebt.
Wahrheit: Ich bin garantiert nicht die, von der du hoffst, dass ich es bin.



Epic-Time

Screenshot eines tiefsinniges Zitats von Antoine de Saint-Exupéry oder Marilyn Monroe. Manchmal auch: Foto eines Tattoos dieses Zitats.

Botschaft: »Man sieht nur mit dem Herzen gut.«
Wahrheit: Nicht bei Tinder, Baby, da sieht man ganz regulär mit den Augen.



Bunny-Style

Foto im Bikini, Foto in Badehose, Selfie im hautengen Kleid, Selfie im Fitnessstudio-Spiegel.

Botschaft: Ich habe eine tolle Figur, möchte aber nicht darauf reduziert werden.
Wahrheit: Doch.



Helmpflicht

Eine Bergkette, Schnee, in 100 Metern Entfernung ein Skifahrer. Ein Strand, Wellen, in 100 Metern Entfernung ein Surfer. Eine Steilwand, Felsen, in 100 Metern Entfernung ein Kletterer.

Botschaft: Ich bin irre sportlich und aktiv.
Wahrheit: Der Helm ist nicht umsonst mein liebstes Freizeit-Accessoire.



Die Business-Biene

Bewerbungsbild aus dem kleinstädtischen Fotostudio, Bild hinterm Schreibtisch, Bild von sich am Handy, Bild von der Übergabe eines Zeugnisses, Zertifikats, Mikrofons oder Blumenstraußes.

Botschaft: Die Arbeit ist mein Leben.
Wahrheit: Die Arbeit ist ihr Leben.


Der Filter

Auf dem Bild ist irgendein Mensch zu erkennen. Es kann wirklich jeder sein. Vintage-Effekt, Weichzeichner, Unschärfe im Hintergrund.

Botschaft:Ach, das hat nichts mit Unsicherheit zu tun, da hab ich bloß ein bisschen mit Instagram rumgespielt.
Wahrheit: Lüge.


Der komplette Text ist in der Ausgabe 04/15 von NEON und als E-Mag erschienen. Hier können Einzelhefte des NEON-Magazins nachbestellt werden. Alle Ausgaben seit September 2013 gibt es auch digital in der NEON-App.

Fotos: Adam Gregor, Andreas P, Jusakas, kantver, Knut Wiarda, Olha Rohulya, pressmaster, steevy84, WavebreakmediaMicro (2) / alle fotolia.de

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