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Wenn aus dem One-Night-Stand ein Problem wird

Jeder Dritte war schon mal in einen Kollegen verknallt. Problematisch? Ja klar. Aber ändert ja nichts. Wie also kann die Liebe im Büro funktionieren? Was macht man mit penetranten Verehrern? Teil 3 der neuen NEON-Reihe.

Von Charlott Friederich

Eine Affäre im Büro (Symbolbild)

"Wenn ich eine Affäre oder Liebesbeziehung mit einem Vorgesetzten eingehe, egal wie kurz, lang oder ernst sie ist, muss mir bewusst sein, auf was ich mich einlasse", sagt Peter Groß, Diplom- und Wirtschaftspsychologe aus Köln (

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Montagskonferenz. Die Sonntagslaune haben die meisten Kollegen zusammen mit dem "Tatort" ausgeschaltet, müde Gesichter, leicht genervte "Alles auf Los"-Stimmung. Und dann geht die Tür auf. Er kommt rein. Schaut irre gut aus. Schaut, das gibt’s doch gar nicht, noch besser aus als am Freitag. Nicken, lächeln. Der Chef beginnt mit der Aufgabenverteilung für den Tag, einzelne Kollegen schließen die Augen, atmen schwer. Man selbst auch, allerdings aus ein bisschen anderen Gründen. Hat es je einen besseren Tag gegeben als den Montag, diesen Startschuss zu fünf Tagen flauem Magen und Hitzewallungen? Wahrscheinlich nicht.
Klingt irgendwie vertraut? Statistisch gesehen gibt es jedenfalls bloß zwei Gelegenheiten, bei denen wir uns öfter verlieben: Nicht etwa beim Onlinedaten, sondern einzig im Freundeskreis und beim Ausgehen funkt es häufiger als im Büro. Ist ja auch kein Wunder. Mit niemandem verbringen wir so viel Zeit wie mit unseren Kollegen, mindestens 40 Stunden. Dazu der ganze Stress und die geteilten Höhen und Tiefen des Büroalltags. Wissenschaftler sagen: Je größer die Identifikation mit dem , desto emotionaler geht es auch unter den Kollegen zu. Und Emotionen, das weiß man ja, lassen sich nur bis zu einem bestimmten Grad bewusst kanalisieren.

Trotzdem sind Büroflirts bis heute nicht überall gerne gesehen. In den USA können Beziehungen unter Mitarbeitern sogar vertraglich verboten werden. Klingt hart, hat aber gute Gründe. Das Ganze kann auch zum Problem werden, wenn zwei Kollegen sich näherkommen, der eine dann aber mehr will als der andere. Timo (Name geändert, Anm. d. Red.), 24, aus München hielt deshalb länger an einer Affäre fest, als ihm lieb war:

Fall 3: Aus dem One-Night-Stand wird ein Problem

Letzten Sommer habe ich ein Praktikum bei einer PR-Agentur gemacht. Die meisten Kollegen waren nur ein paar Jahre älter als ich und total lässig drauf. Mit einer Kollegin habe ich mich besonders gut verstanden. Sie war supernett und dazu ziemlich scharf. Trotzdem wäre ich nie auf die Idee gekommen, mich im Büro nach einem Flirt umzuschauen. Doch sie machte immer eindeutigere Avancen. Nach einer Firmenfeier hat sie mich schließlich gefragt, ob wir noch zu zweit weiterziehen wollten. Zuerst hatte ich ein ungutes Gefühl, irgendwann sind wir dann aber doch bei ihr gelandet. In den nächsten Wochen kamen täglich Mails über den hausinternen Server. Sie fragte mich, ob wir alleine Mittagessen gehen wollten oder ob ich Lust auf "kurz und dreckig" in einem der Showrooms hätte. Ich war ziemlich überfordert und wusste nicht, wie ich aus der Nummer wieder rauskommen sollte. Schließlich war sie es, die meinen Chef über meine Arbeit feedbackte. Ich habe dann noch eine Weile mitgespielt, mir aber sooft es ging Ausreden einfallen lassen, warum ich keine Zeit habe. Das war anstrengend. An meinem letzten Praktikumstag war ich richtig erleichtert.


"Wenn ich eine Affäre oder Liebesbeziehung mit einem Vorgesetzten eingehe, egal wie kurz, lang oder ernst sie ist, muss mir bewusst sein, auf was ich mich einlasse" , sagt Peter Groß, Diplom- und Wirtschaftspsychologe aus Köln. Jahrelang hat er große Konzerne in Personalentwicklungsfragen beraten und weiß, welchen Einfluss amouröse Verstrickungen auf die Teamdynamik haben, weil sie zu Ausgrenzung, Skepsis oder Neid unter den Kollegen führen können: "Zu einem gesunden Betriebsklima gehört auch, mal über den Chef zu lästern." Ist nun einer der Kollegen mit dem Lästerobjekt verbandelt, ist das Vertrauen der Belegschaft dahin.


Hört sich logisch an. Nur: Hat man sich emotional erst mal auf einen Kollegen eingeschossen, helfen all die schlauen Gedanken nicht mehr. Frieda, 28, aus Bremen - seinen Fall lest ihr demnächst bei uns. 

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