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NEON #12/2016

Christoph Koch schreibt seit der ersten Ausgabe für NEON – und immer wieder auch über seine Selbstversuche. An denen fand er mit der Zeit so großen Gefallen, dass er mehrere Bücher über Self-Tracking verfasste. Zum Beispiel: „Die Vermessung meiner Welt“.

Mit wie wenig Schlaf kann man auskommen? Und ist die Idee, ihn am Stück zu verpulvern, nicht längst überholt? Ich habe es für unseren Schwerpunkt zur Nacht ausprobiert.

EDITORIAL von Christoph Koch, Autor

„Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.“ Ich fand diesen Satz schon immer affektiert. Von Superregisseur Fassbinder geht er gerade noch so. Aber wenn ihn Kunststudenten und Leute sagen, die in der Agentur noch „die Präse für den krassen Pitch morgen“ fertig machen, klingt er für mich immer so, als würden sie sich selbst und ihre Schaffenskraft ein wenig zu wichtig nehmen. Ich dagegen finde Schlafen super. Trotzdem hätte ich, wie wohl alle Menschen, gerne mehr Zeit für andere Dinge. Das Versprechen des Polyphasenschlafs – statt einer großen Ruhephase lieber diverse Nickerchen über den Tag verteilen – fand ich also verheißungsvoll. Wie es mir bei dem Schlafentzugsexperiment ergangen ist und warum ich es ab einem gewissen Punkt absolut zum Kotzen fand, kann man auch nachlesen.

Die Ruhezeit im Bett ist neuerdings sowieso ein heißes Thema: Wie Lars Weisbrod in seinem Essay richtig feststellt, wird unser Schlaf allmählich zum Lifestyle-Trend. Wir vermessen und schützen ihn und philosophieren über Matratzen wie vor Kurzem noch über Fixie-Bikes oder Induktionsherde. Meine Lieblingsstelle: „ZzzzZZZzz ist das neue Nomnomnom.“ Endlich spricht mal jemand meine Sprache. Ebenfalls toll: Lena Steegs Gedanken darüber, was mit der Nacht passiert, wenn man sich darin bewegt, statt sie zu verschlafen. Und das ist dann ja auch das Gute an dieser vor uns liegenden Jahreszeit der langen Nächte: Wir können sie nutzen, wie wir wollen. Es liegt einiges vor uns.

Heimlicher Zeuge schöner und mieser Dates: David Moon steht seit zwölf Jahren hinterm Tresen.

Modestrecke: Geschenke übergeben und dabei gut aussehen.

Lernen von: Elyas M’Barek mag keinen Glamour bei Schauspielern

Fotos: Tim Bruening, Nico Krijno, Oana Szekeley

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