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Das steht in unserer September-Ausgabe

Vier Paare erzählen, wie sie Romantik und Haushaltsausgaben in Einklang bringen | Bar-Treffen mit einem AfD-Politiker | 35 Wohntipps | Gute Frage: Von welchem Gegenstand würdest du dich nie trennen? u. v. m.

EDITORIAL

In Bars trinkt man mit Freunden – und eher nicht mit AfDlern. Was aber passiert, wenn man das doch mal versucht?

Der Termin für die NEON-Serie "Auf ein Glas mit …" in Stuttgart war für mich kein gewöhnlicher. Denn ich habe zwei Dinge vermischt, die ich sonst trenne: Ich gehe gerne mit Freunden in eine Bar. Und ich treffe auch gerne Politiker, meist in ihren Parteizentralen. Bei Cem Özdemir gab es einmal – klar – grünen Tee, bei Frank-Walter Steinmeier Filterkaffee.
Markus Frohnmaier, der die Jugendorganisation der leitet, bestellte nach einem Bier, Cuba Libres und anderen Drinks plötzlich "zwei Kurze".

Reporter versuchen normalerweise, dem Geschehen seinen Lauf zu lassen, um die Gewohnheiten ihres Gesprächspartners kennenzulernen. Aber zum Schnaps zu fortgerückter Stunde sagte ich: "Nein danke." Ich fürchtete schwindende Sinne, da ich zwar Drinks, aber keine Kurzen vertrage.

Zudem traute ich Frohnmaier nicht. Er wollte etwa wissen, ob ich damit einverstanden wäre, dass er einen Text über unser Treffen verfasst. Klang für mich, als ob er ein Spiel spielen, die Rollen tauschen und die "Lügenpresse" kontrollieren wollte. Ein anderes Mal fragte er nach meiner Haltung zum Nahostkonflikt.

Ich hatte für die NEON AfD-Wähler undercover auf einer Israelreise begleitet. Ich war mir sicher, dass er die Geschichte gelesen hatte. Er behauptete jedoch, er habe sich nicht über meine Texte informiert. Kann das stimmen? Mit der AfD habe ich mich oft auseinandergesetzt; einmal schrieb ich, was ich tun würde, wenn ich mit einem AfD-Sympathisanten an einer Bar sitzen würde. Nämlich, ihn "einen Whisky Sour lang" von meinen Ansichten überzeugen. Frohnmaier bezeichnete sich als Stammgast der Bar, er dürfte die Karte kennen. Nach einer Weile bestellte er ausgerechnet eine Runde Whisky Sour, und zwar mit dem Kommentar: "Weiß nicht, ob die ihn haben." Echt Zufall?

Als er nach fünf Stunden Diskussion die Bar verließ, sprach ich die Bedienung an. Sie bestätigte, Frohnmaier sei Stammgast – und berüchtigt. Nicht weil er von der AfD ist, sondern weil er kaum Trinkgeld gibt.

Die neue NEON ist ab dem 7. August im Handel.

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