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Anzeige gegen Kraftklub-Sänger - Band plant schon die Befreiung aus dem Knast

Wegen Beleidigung wurde Kraftklub-Frontmann Felix Brummer von einem Stadtrat der rechtspopulistischen Bewegung "Pro Chemnitz" angezeigt. Die Band reagiert gewohnt ironisch und ruft schon zur Gefangenenbefreiung auf.

Kraftklub-Sänger Felix Brummer (l.) hat sich juristischen Ärger eingehandelt (Archivbild)

Kraftklub-Sänger Felix Brummer (l.) hat sich juristischen Ärger eingehandelt (Archivbild)

Dass die Mitglieder der Band Kraftklub kein Blatt vor den Mund nehmen, ist bekannt. Die Chemnitzer selbst bezeichnen sich in Interviews als "politische Band", für sie ist es selbstverständlich, sich gegen rechte Ideologien und Gewalt zu positionieren.

Gezeigt haben sie das auch am 11. Juni in ihrer Heimatstadt, beim Festival "Rock am Kopp" unter den Augen des meterhohen Karl-Marx-Monuments im Zentrum der Stadt: Während des Auftritts vor tausenden Fans bezog Sänger Felix Brummer klar Stellung gegen rechts und sagte offenbar in Richtung Publikum: "Das geht übrigens auch raus an die ganzen Vollidioten, die sich 'ne ganze Weile (...) versammelt haben, von 'Pro Chemnitz' oder von Pegida oder wie die alle heißen. Fick Finger!" Die Fans reagierten darauf mit "Nazis raus"-Sprechchören.

Rote Linie überschritten?

So steht es zumindest in einem Schreiben, dass der Musiker von der Polizei erhalten hat, belegt sei alles durch Videoaufnahmen. Dafür, dass er die Rechtspopulisten von "Pro Chemnitz" und Pegida als "Vollidioten" bezeichnet haben soll, gab es nämlich eine wegen Beleidigung von Martin Kohlmann, dem Vorsitzenden der dreiköpfigen "Pro Chemnitz"-Fraktion in Chemnitzer Stadtrat. Auf Beleidigung steht bis zu ein Jahr Gefängnis.


Die Fraktion war bislang nicht zu erreichen, laut Internetportal "Tag24" rechnet Anzeigerstatter Kohlmann aber offenbar selbst nicht mit einer Verurteilung: "Ich sehe zwar die Chancen für den Herren ziemlich hoch, dass er irgendeinen linken Staatsanwalt findet, der ihm das als geringfügig einstellt, aber das kriegt er dann nicht noch einmal, also muss er sich zumindest in der Zukunft etwas zusammenreißen", sagte der 39-Jährige. Er sehe demnach eine "rote Linie überschritten", wenn "eine ganze Gruppe von Leuten als 'Vollidioten'" bezeichnet werde.


Felix Brummer hat jetzt die Gelegenheit, sich schriftlich als "Beschuldigter" zu dem Vorwurf zu äußern, heißt es in dem Brief der Polizei.

Kraftklub veröffentlichte Anzeige im Netz

Öffentlich schriftlich geäußert hat sich die Band bereits in den sozialen Netzwerken. Sie teilte ein Foto des Schreibens und kommentierte es gewohnt ironisch mit der Ankündigung, ihren Sänger notfalls aus dem Gefängnis zu befreien: "Wer holt uns Felix aus dem Knast?"


Einen Weg, Felix Brummer aus dem Knast zu holen, hat die Band offenbar auch schon gefunden - es ist der Klassiker unter den Befreiungsversuchen: die Feile im Kuchen.


Die Fans unterstützen die Band

So richtig ernst scheinen die Anzeige nicht zu nehmen; Unterstützung für die Haltung gibt es von den Fans, die sich in den Kommentaren über die Anzeige lustig machen.


Wie der Sänger letztendlich mit der Anzeige umgehen wird, ist nicht bekannt. Er wollte auf NEON-Anfrage zunächst keine weitere Stellungnahme abgeben.

Und trotz allen Spotts, die es im Netz für die Anzeige gibt: Persönlichkeitsrechte gelten auch für Rechte. Daher werden die Ermittlungsbehörden das Verfahren fortführen, bestätigte uns die Chemnitzer . Ob es aber tatsächlich eine Anklage gegen den Kraftklub-Frontmann gibt, entscheidet dann die Staatsanwaltschaft.


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