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Die Waffen der Frauen

Im Irak kämpfen die Peschmerga gegen Islamisten und für Kurdistan. Und die Frauen in der Truppe für ihre Freiheit.

Text: Theresa Breuer | Fotos: Jacob Russell

Wenn die Dschihadisten angreifen, wollen sie vorbereitet sein. »Ihr drei, vortreten!«, brüllt die Kommandantin. »Gewehr zerlegen!« Wie befohlen rennen drei Soldatinnen vor die Truppe. Hastig nehmen sie die Magazine ihrer Kalaschnikows heraus und entfernen das äußere ­Gehäuse. Es folgen Schließfeder, Ladegriff und Bolzen. Sie breiten die Einzelteile auf dem Boden aus. Dann setzen sie alles wieder ­zusammen. »Fertig«, schreit das Mädchen in der Mitte. Sie hat weniger als eine ­Minute gebraucht.

Jeden Morgen um acht Uhr treten die zwanzig Soldatinnen in Tarnanzug zur Truppenübung an. Dann heißt es aufmarschieren. Gewehr auf die linke Schulter. Gewehr auf die rechte Schulter. Abmarschieren. Ihre Militärbasis liegt außerhalb der Stadt Sulaymaniya, im Südosten der nordirakischen Region Kurdistan. Um sie herum: Berge und ockerfarbene Felder. Schweiß perlt auf den Gesichtern der Frauen. Die Sonne brennt vom Himmel. 42 Grad, so wie gestern und vorgestern. So wie morgen wieder.

Das Sinnbild der kurdischen Emanzipation sind die weiblichen Peschmerga. Sie dürfen rauchen, müssen keinen Schleier tragen.

Die Soldatinnen dienen in der Frauentruppe der Peschmerga-Einheit 70. Sie sind irakisch-kurdische Kämpferinnen, insgesamt rund 600. Peschmerga bedeutet übersetzt »die dem Tod ins Auge sehen«.

Seit Mitte Juni kämpfen die Peschmerga im Irak gegen die sunnitische Terrorgruppe »Islamischer Staat in Irak und in Syrien« (ISIS). Mitte 2013 wurde die Gruppe international bekannt, weil sie in Syrien Städte in ihre Gewalt brachte und dort die Scharia einführte. Ihr Ziel ist es, ein islamisches Kalifat zu errichten. Dabei gehen ihre Mitglieder brutal vor: Sie enthaupten, kreuzigen und verstümmeln ihre Gegner. Jetzt versucht ISIS den Irak einzunehmen. Die Gruppe schlug vielerorts die irakische Armee in die Flucht, kontrolliert bereits mehrere Städte im Land, ­darunter Iraks zweitgrößte Stadt Mossul. Die Fotos und Videos, im ­Internet bei Twitter oder Youtube hochgeladen, waren auf den Titelseiten der internationalen Medien zu sehen: Männer knien auf dem Boden, die Arme hinter dem Rücken zusammengebunden. Dahinter: schwarz vermummte Islamisten, die Waffen auf die Köpfe der Männer richten. Auf dem nächsten Bild sind alle Männer tot, ihre Körper im eigenen Blut zusammengesackt.

Dass ISIS fast ungehindert ganze Städte im Irak einnehmen ­konnte, liegt vor allem an der Schwäche des irakischen Militärs. Zehntausende Soldaten sind desertiert und in den kurdischen Norden geflohen, als die Terrorgruppe angriff. Die Armee ist frustriert und gespalten: Seit dem Sturz des sunnitischen Diktators Saddam Hussein besetzen die Schiiten zentrale Regierungsstellen und Militärposten im Land. Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat nichts dafür getan, Sunniten und Schiiten zu einen; die Sunniten fühlen sich unterdrückt, auch in der Armee. Die Kurden sehen in dem Konflikt eine Chance: Sie konnten in den vergangenen Wochen ihr Gebiet um mehrere hundert Quadratkilometer erweitern – unter anderem um die Stadt Kirkuk, die traditionell zum Kurdengebiet gehört. An den Außengrenzen von Kirkuk kämpft ISIS gegen die Peschmerga um die Vorherrschaft. Allerdings halten sich die sunnitischen Extremisten zurück – offenbar fürchten sie die Stärke der kurdischen Kämpfer.

Sheyma Muheddin posiert mit ihrer AK47 – einer Kalaschnikow.

Knapp 150 Kilometer liegen zwischen den Frauen und der Front. Doch die Front dieses Krieges verläuft nicht nur zwischen Nord- und Südirak. Sie verläuft auch zwischen den Gesellschaftsformen. Seit dem Irakkrieg 2003 ist die Region Kurdistan weitgehend unabhängig, ­friedlich und fortschrittlich. Das Sinnbild der kurdischen Emanzipation sind die weiblichen Peschmerga. Sie dürfen rauchen, müssen keinen Schleier tragen, bilden eine starke Gemeinschaft, in der Männer keine Rolle spielen. Für sie würde ein Leben unter ISIS-Herrschaft die vollständige Unterordnung bedeuten. Sie dürften nach den Regeln der ­Terrorgruppe das Haus nicht mehr verlassen. Und wenn, dann nur voll verschleiert. Es ist die Rebellion gegen Unterdrückung, die viele der Frauen zu Soldatinnen gemacht hat.

Irakisch Kurdistan hat seit Saddam Husseins Sturz 2003 einen ­enormen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. In den Städten entstehen Luxushotels und Einkaufszentren im amerikanischen Stil. Junge ­Frauen laufen in engen Jeans und hochhackigen Schuhen durch die Straßen. Doch unter der modernen Oberfläche ist Kurdistan ein konservatives Land. Es gibt kaum bekannte Politikerinnen oder Geschäftsfrauen. Als primäre Rolle der Frau gilt es weiterhin, Hausfrau und Mutter zu sein. Auf dem Land gehen viele Mädchen nicht zur Schule. Ein Eintritt bei den Peschmerga bedeutet Respekt, Kameradschaft, Selbstbestimmung.

In den Pausen könnte es auch ein Ferienlager sein. Nach der Truppenübung essen die Frauen gemeinsam zu Mittag in ihrer Kaserne. Der hellgrüne Betonbau liegt am oberen Rand der 2,5 Quadratkilometer großen Militärbasis. Ein Innenhof vor dem Gebäude wird eingegrenzt von drei weißen Wassertanks und dem Büro der Befehlshaberin. Es gibt Reis, Hühnchen und Zucchini in Tomatensoße. In Grüppchen sitzen die Frauen in den schattigen Ecken. Sie kichern über Bilder auf ihren Smartphones, die sie vom Essen und von sich selbst gemacht haben. Sie halten Händchen, legen die Köpfe auf die Schultern ihrer Kameradinnen.

Die Peschmerga trainieren bei diesem Manöver den Angriff.

Nach dem Mittagessen teilt die Befehlshaberin die Frauen für ihre Aufgaben am Nachmittag ein. In diesen Tagen müssen sie vor allem die Posten der männlichen Peschmerga übernehmen, die an der Front sind. Das bedeutet: Checkpoints besetzen, Krankenhäuer und ­Parteizentralen bewachen. Selbst wenn sie nicht kämpfen, erfüllen sie eine ­symbolische Funktion. Sie zeigen Gruppen wie ISIS: Seht her, wir Frauen sind stark und emanzipiert.

Wer die Frauen fragt, warum sie sich den Peschmerga ­angeschlossen haben, hört immer wieder denselben Satz: »Weil ich mein Land verteidigen will.« Es sind unreflektierte Worte, einer kriegerischen Kultur geschuldet. Die Menschen im Nordirak glorifizieren ihre Kämpfer. »Wir Kurden müssen uns verteidigen«, dieser Satz wird den Frauen seit ihrer Kindheit eingetrichtert. Redet man länger mit ihnen, werden jedoch persönliche Motive hinter der Fassade erkennbar.

Drei Jahre war Shadan Fuad Ahmed verheiratet, als sie herausfand, dass ihr Mann noch eine andere Familie hatte. Eine Frau und vier ­Kinder. Als sie ihn damit konfrontierte, erzählt die 25-Jährige, hat er gebrüllt und sie geschlagen. Sie hat sich sofort scheiden lassen und den Peschmerga angeschlossen. Das war vor zwei Jahren. Heiraten will sie nie wieder.

Gemeinsames Essen, ohne Männer, ohne Kopftuch.

Shadan trägt einen goldenen Nasenstecker, ihre dunklen Augen sind mit Kajal umrandet. Sie lacht oft und laut. Sie sagt, sie fühle sich befreit, seit sie bei der Truppe ist. Männer sollen ihr nicht mehr befehlen ­dürfen, wie sie zu leben hat. »Als ISIS Mossul eingenommen hat, habe ich ­große Angst bekommen«, sagt sie. »Gerade für uns Frauen ist es wichtig, dass wir uns ihnen entgegenstellen, weil sie uns unterdrücken wollen.« Unter den weiblichen Peschmerga gibt es viele, die kein Interesse an Ehe und Kindern haben.

Dirger Xdrsofe, die Befehlshaberin diese Woche, ist erst 27 Jahre alt und doch bereits Hauptmann. Sie ist zierlich, aber ihre tiefe, rauchige Stimme lässt Autorität erkennen, wenn sie ihren Soldatinnen Befehle erteilt. Bereits mit fünfzehn Jahren schloss sie sich den Peschmerga an. Damals, als die Peschmerga noch Guerillatruppe und weniger offizielle Armee waren, ging das. Heute müssen die ­Frauen mindestens achtzehn Jahre alt sein, um der Truppe beizutreten. Dirger sagt: »Ich bin zur Soldatin geboren.«

Sie erzählt, wie sie am ersten Tag bei der Truppe zum Küchendienst eingeteilt war. Sie sollte Auberginen für einen Auflauf zubereiten. Das Essen war ungenießbar. »Ich hatte keine Ahnung, was ich in der Küche machen soll«, sagt sie. »Aber als ich das erste Mal eine Kalaschnikow in der Hand hatte, wusste ich instinktiv, wie ich sie bedienen muss.« Der Eintritt in die Armee hat sie von der Pflicht befreit, ein traditionelles Familienleben zu führen.

Das Auseinandernehmen und Zusammensetzen der Waffen gehört zu jeder militärischen Ausbildung.

Warum für viele Kurden Unabhängigkeit über allem steht, versteht man nach einem Gespräch mit Frauen wie Muzhda Saed Khalaf. Die 50-jährige Peschmerga sitzt in der Bibliothek der Armeebasis. Sie hat dunkelbraune Augen, einen ernsten Blick. Auf den Epauletten ihrer Uniform prangen drei Sterne. Sie signalisieren ihren Rang: Hauptmann. Hinter ihr stehen Bücher über die kurdische Geschichte. Vieles davon hat sie persönlich erlebt.


Die Geschichte der Peschmerga

1918
Nach dem ersten Weltkrieg zogen die Siegermächte Frankreich und England die Grenzen im Nahen Osten neu. Die kurdische Region wurde unter dem Iran, der Türkei, Syrien und Irak aufgeteilt. Der Teil, in dem sich kurze Zeit später die Peschmerga formten, fiel an das britische Mandats­gebiet Irak. Die irakisch-kurdischen Kämpfer Peschmerga widersetzten sich von Beginn an dem jeweils herrschenden Regime im Irak. Ein Guerilla-Krieg brach aus, der Jahrzehnte dauern sollte. In ihrem Kampf einten die Peschmerga die kurdischen Stämme. So trugen sie maßgeblich zum Nationalismus der ­irakischen Kurden bei.

1980
In den 80er Jahren unterstützten die Peschmerga die iranische
Seite im Iran-Irak-Krieg. Das irakische Regime rächte sich mit einer Bombardierungs­kampagne, bei der es auch Giftgas einsetzte.
4500 Dörfer wurden damals ­zerstört, Zehntausende Menschen getötet, 182 000 ­verschwanden spurlos. Im Zuge eines Aufstands 1991 mussten sich Saddams Truppen aus ­Kurdistan zurückziehen.

1990
Nach dem Rückzug brach ein Machtkampf zwischen rivalisierenden kurdischen Parteien aus, der in einen Bürgerkrieg mündete. Er dauerte bis ins Jahr 1998 an.

2003
Die kurdischen Fraktionen kämpften geschlossen aufseiten der Amerikaner gegen Saddam Husseins Truppen. Seit seinem Sturz genießt die Region ­weitgehend Autonomie. Heute umfassen die Peschmerga nach verschiedenen Schätzungen knapp 200 000 Kämpfer. Etwa fünf Millionen irakische Kurden wünschen sich die volle Unabhängigkeit und internationale Anerkennung als souveräner Staat.


Als drittes von sechs Kindern kam Muzhda auf einer Farm in ­Halabja zur Welt. Der Ort liegt nahe der iranischen Grenze. Mit dreizehn Jahren nahmen Saddams Truppen sie fest. Sippenhaft, weil ihr älterer Bruder Peschmerga war. Zwei Jahre saß sie in einem Gefängnis nahe Basra. Eingepfercht mit anderen Frauen. Ohne medizinische Versorgung. Gelegentlich kamen die Wärter, nahmen sich eine Frau, vergewaltigten sie und warfen sie wieder in die Zelle, erzählt Muzhda. »Ich höre ­heute noch die Schreie der Frauen.«

Peschmerga bedeutet: Die dem Tod ins Auge sehen.

1988 erlebte sie, wie Saddam Hussein ihre Stadt mit Giftgas bombardierte. Sah, wie Menschen von dem Gas hysterische Lachanfälle bekamen und wenige Sekunden später tot umfielen. Sie erzählt von einer Frau, die sich vor ihren Augen von einer Brücke in den Tod ­stürzte. »Sie hatte realisiert, dass sie in ihrer Panik ihr Baby zu Hause ­vergessen hatte, und konnte den Gedanken nicht ertragen.« 1989 kam sie wieder ins Gefängnis, das Amna Suraka in Sulaymaniya. Damals war es berüchtigt als Saddams Folterknast. Heute ist es ein Museum. »Die Elektroschocks waren am schlimmsten«, sagt sie, »als ob ein Feuer durch den Körper geht.« Nach ihrer Freilassung wollte sie sich nie wieder so wehrlos fühlen. Sie schloss sich den Peschmerga an.

Muzhda spricht mit ruhiger Stimme über ihr Leben. Sie schaut einem in die Augen, wenn sie von Folter und Vergewaltigung erzählt. Sie ­redet nicht zum ersten Mal darüber. In der kurdischen Gesellschaft leidet man im Kollektiv. Die Menschen kennen die Geschichte der anderen, weil sie Ähnliches erlebt haben. Ihr Schicksal ist nur ein weiteres Puzzleteil, das sich mit anderen zu einem großen Bild zusammenfügt. Die kollektive Identität der Kurden ist maßgeblich von zwei Eigenschaften ­geprägt: Stolz und Leidensfähigkeit.

Am frühen Abend bewachen acht Frauen den Checkpoint am ­Eingang der Basis. Träge von der Hitze sitzen sie auf einer Bank. Die Kalaschnikows stehen neben ihnen. Eine alte Peschmerga serviert ihnen alle paar Minuten kaltes Wasser. Als ein gelbes Taxi vorfährt, tritt ­Sheyma Mohedin aus dem Schatten des Betonvordachs. Ihre Aufgabe ist es, das Auto auf Sprengstoff zu untersuchen und Ausweise zu kontrollieren. Sheyma nimmt ihre verspiegelte Sonnenbrille ab und wirft einen misstrauischen Blick durch das geöffnete Fahrerfenster. Der Fahrgast ist ein Oberstleutnant der Basis. Sie erkennt ihn, nickt ihm zu und winkt das Taxi ohne weitere Kontrolle durch. Dann dreht sie sich um und setzt sich wieder zu ihren Kameradinnen.

Muzhda Saed Khalaf hat den Rang eines Hauptmanns.

Es ist derselbe Checkpoint, an dem Sheyma auch am Nachmittag des 16. Juni Dienst hatte. Jenem Nachmittag, als ihre Befehlshaberin sagte: »Macht euch bereit, morgen kämpfen wir.« Sheyma erzählt, dass sie es kaum erwarten konnte, endlich ISIS entgegenzutreten. Am Abend davor, ging sie früh ins Bett. Sie träumte nicht. Sie frühstückte nicht. Um 7.30 Uhr ging es los. Die 25 Frauen verteilten sich auf die Ladeflächen von sechs weißen Nissan Pick-ups. Im Gepäck hatten sie ­Kalaschnikows und Duschkas, schwere Maschinengewehre, die gegen leicht ­gepanzerte Fahrzeuge und Flugzeuge eingesetzt werden können.

Drei Stunden fuhren sie nach Bashir, einer Ortschaft südlich von Kirkuk. ISIS-Kämpfer waren in die Stadt eingedrungen. Sheyma erzählt, wie die Frauen während der Fahrt revolutionäre Lieder über kurdische Freiheitskämpfer und Märtyrer sangen. Die Bevölkerung in Bashir empfing sie freudig, die Frauen stationierten sich drei Tage lang neben einem Wasserwerk. Anwohner brachten ihnen Tee und süßes Gebäck. Die ­Islamisten hatten sich in einem anderen Stadtteil verschanzt. Sheyma feuerte immer wieder Duschkas ab. »Ich weiß aber nicht, ob ich getroffen habe, sie waren zu weit entfernt.« Am zweiten Tag schlug plötzlich ein Geschoss unweit der Frauen ein. Zwar blieben sie unversehrt. Aber der Einschlag erinnerte sie daran, dass sie sich gerade tatsächlich im Krieg befinden. »Ich habe mich wahnsinnig erschrocken«, sagt ­Sheyma. Sie lächelt verlegen und blickt verstohlen zu ihren Kameradinnen hinüber.

Sheyma will nicht über Angst sprechen. Angst zu zeigen, gilt bei den Kämpfern als Schwäche. Lieber zeigt sie Bilder auf ihrem Handy, auf denen sie ein Maschinengewehr bedient und vor einem Hummer-Fahrzeug posiert. Die Hände in die Hüften gestemmt, Siegergrinsen. Vor wenigen Wochen gehörte der Wagen noch der irakischen Armee. »Die irakischen Soldaten hatten den Ort einfach verlassen«, erzählt sie. Die Deserteure seien an die kurdische Grenze gerannt. Sie sollen den Peschmerga ihre Ausrüstung im Austausch gegen Zivilkleidung und Schutz geboten haben. Feige findet Sheyma das. Aber sie versteht es auch. »Die irakische Bevölkerung ist tief gespalten«, sagt sie, »Wir ­haben ein gemeinsames Ziel: unsere Unabhängigkeit zu bewahren.«

Für junge Kurdinnen wie Dirger Xdrsofe bedeutet die Zugehörigkeit zur Peschmerga-Truppe Freiheit.

Deshalb werden die Frauen weitertrainieren. Ob sie kämpfen oder nicht. Sie wollen ein Zeichen setzen. Die meisten Soldatinnen der Peschmerga Einheit 70 sagen, sie können sich nicht vorstellen, ein anderes Leben zu führen. Und das bedeutet: Sie müssen sich Gruppen wie ISIS entgegenstellen. Wenn auch nur symbolisch. Sie stellen den Bildern, die ISIS schafft – männlich, brutal – ihr eigenes Bild entgegen. Es ­besagt: Wir sind gleichberechtigte Frauen im Nahen Osten.

»Uns Kurden ging es nie besser«, sagt Sheyma, »und wir werden ­alles dafür tun, dass das so bleibt.« Vielleicht werden einige von ihnen in den nächsten Tagen wieder an die Front fahren. Von älteren Kameradinnen hat Sheyma gehört, dass sie möglicherweise die Männertruppen in Khanaqin unterstützen sollen, im Osten Kurdistans. Sie sagt, sie sei bereit.

Dieser Text ist in der Ausgabe 08/14 von NEON erschienen. Hier können Einzelhefte des NEON-Magazins nachbestellt werden. Alle Ausgaben seit September 2013 gibt es auch digital in der NEON-App.

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