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Sein Schatz

Der Großvater unseres Autors hat als ­Wehrmachtssoldat in Frankreich ­wertvollen Cognac versteckt. Wer nach so ­etwas schaufelt, gräbt auch in der ­Vergangenheit. Für seine Reportage aus der Februarausgabe 2013 gewann Moritz Baumstieger jetzt den Columbuspreis in der Kategorie Autoren unter 30 Jahren.

Text: Moritz Baumstieger

Nach zwanzig Minuten ist das Loch fünfzehn Zentimeter tief. Bisher bin ich auf keinen ­Cog­nac gestoßen, aber mein Rücken tut schon weh. Die Erde ist nass und schwer. Schnapsidee, denke ich. Dabei sah es simpel aus: Den richtigen Bunker hatte ich gefunden, dann den Platz zum Graben ausgesucht: Irgendwo hier musste der Schatz meines Opas versteckt sein. Auch Pierre Ladvenu hatte tags zuvor bestätigt, dass ich auf der richtigen Fährte war. Um elf Uhr vormittags saß ich in ­seinem alten Bauernhaus. Den Schlauch, der ihn sonst mit Sauerstoff versorgt, hatte er abgelegt und Pastis in schmuddelige Gläser gegossen. Pierre sieht nicht mehr gut beim Abspülen, er ist neunzig Jahre alt. Nach einem Schluck schob er die Baskenmütze zurück und sagte: »Sie haben ja immer viel lieber Cognac getrunken.«

»Sie«, das waren die deutschen Soldaten, die Frankreich im Zweiten Weltkrieg überfallen und vier Jahre besetzt haben. Mein Großvater war einer dieser Soldaten. Marcel Baumstieger, geboren 1914 bei Straßburg und Feinmechaniker, wenn kein Krieg war. Als er starb, war ich zehn, zu klein, um Fragen zur Nazizeit zu stellen. Für mich war er der gemütliche Mann mit Glatze, der als Erstes wissen wollte, ob wir auf der Autobahn »gut durchgekommen« seien, wenn wir ihn besuchten, und seinen Enkeln stolz Fünfmarkstücke überreichte. Zu dem wenigen, was von seinen Kriegserlebnissen überliefert ist, passt eher ein leich­ter Musettewalzer als das dunkle Tremolo der Guido-Knopp-Dokus: Als der Krieg losging, steckte er in seiner Meisterprüfung und wurde nicht eingezogen. Die Wehrmacht marschierte in Warschau und Paris ein, mein Opa ärgerte sich. Seine Bekannten ließen sich als Kriegshelden feiern, er musste Gewinde fräsen und erlebte die großen Siege nur in der Wochenschau. Erst 1941 kam er in die Bretagne, dann in die Normandie. Und wenn die Fotos aus der braunen Pappschachtel, die wir nach Opas Tod im Keller fanden, die Wahrheit erzählen, glich sein Einsatz einem langen Strandurlaub: badende Soldaten, die für die Kamera die Bäuche einziehen, mein Opa beim Ballspielen, seine Kameraden mit einer Krabbe. »Guter Fang« hat Opa hintendrauf notiert, in schnörkeliger, aber korrekter Feinmechanikerschrift.

Als die Alliierten im Juni 1944 in der Normandie landeten, hatte er wieder Glück: Die GIs kämpften sich woanders an Land. Die nächsten zwei Jahre schmeckte Opa das Corned Beef in einem Gefangenenlager in Alabama, nur die Rückkehr verlief anders, als er es sich vorgestellt hatte: Die Stadt war zerbombt, die Wohnung klein, das Essen knapp. Sein ältester Sohn Hans-Bernhard, mein Onkel, während der Gefangenschaft geboren, rief nicht begeistert »Papa!«, sondern versteckte sich unter dem Küchentisch. Das Kind hatte Angst vor dem Vater, den es noch nie ge­se­hen hatte.

Neben innen mit Pin-up-Girls beklebten Koffern brachte mein Opa zwei Geschichten mit. Die eine: In Alabama war es so heiß, dass er ständig kalt duschen musste. Deshalb später die Glatze. Die andere: Eine Kiste besten Cognac hat er in der Normandie vergraben, als die Amerikaner anrückten. Immer wollte er den Schatz bergen, nie hat er es getan. Vielleicht, weil er nie die Zeit fand. Vielleicht, weil er Angst hatte, den Besatzungsopfern wieder zu begegnen. Vielleicht war ja doch nicht alles Strandurlaub.

Bald gibt es niemand mehr, der den Weltkrieg erlebt hat

Dass eine Flasche Cognac aus der Kriegszeit heute fast tausend Euro kostet, ist nicht der Hauptgrund, warum ich jetzt, fast siebzig Jahre später, die Spur meines Großvaters wieder aufnehme. Vor allem möchte ich wissen, was er in Frankreich getan hat, wenn er nicht für Fotos posierte. Um es herauszufinden, muss ich mich beeilen: Bald wird es niemand mehr geben, der den Welt­krieg erlebt hat. Dann werden all die kleinen Geschichten verloren sein, aus denen sich die große Geschichte zusammen­setzt. Die meines Opas ist nur eine von Millionen – er hat sie größtenteils für sich behalten wie die meisten seiner Generation.
Ich grabe nun seit einer halben Stunde, das Loch ist knietief. Ich hätte die Erde weiter weg aufhäufen sollen, ständig kullert sie zurück. Kein Cognac. Wind zieht durch meinen verschwitzten Pulli. Der Atlantik liegt ruhig da, weit zurückgezogen, es ist Ebbe. Die Möwen sitzen regungslos am Strand, der in eine Steilküste übergeht.

Neulich auf dem Geburtstagsfest meiner Eltern trinken wir Prosecco auf der Terrasse und sprechen irgendwann über Cognac. Vielleicht hat Tante Bärbel die Anekdote ­aus­gepackt, vielleicht Tante Maria. Wo genau der Schatz vergraben sei, frage ich. Alle lachen, niemand weiß es. Also wähle ich ein paar Tage später die Nummer der Schwester meines Opas. Tante Ilse braucht ein wenig, bis sie weiß, wer am Telefon ist. Wir haben uns zuletzt vor zehn Jahren gesehen. Ob sie Genaueres zu Opas Zeit in Frankreich wisse? »Erzählt hat der nie was«, sagt Tante ­Ilse. »Nach dem Krieg war jeder erst mal mit sich selbst beschäftigt. Ach Jung, ist das lang her.« Geschichtsnerds von einem Wehrmachtsforum im Netz geben mir einen Tipp: Ich soll die »Deutsche Dienststelle« in Berlin fragen. Die Behörde ist die Nachfolgerin einer Wehrmachts­abteilung und hilft, Vermisstenschicksale zu klären. Sie hat aber auch Informationen zu Soldaten, die aus dem Krieg wieder heimkamen.

Fünf Wochen später ziehe ich einen Umschlag aus dem Briefkasten, in ihm steckt ein militärischer Lebenslauf meines Großvaters. Darin findet sich die Einheit, der er zuletzt zugeordnet war (der 6. Kompanie des Grenadierregiments 739), das Datum der Gefangennahme (25. Juni 1944) und eine Kopie seiner Kriegsgefangenenakte (er hat sich an einem Ofen verbrannt, es war also wohl doch nicht immer heiß in Alabama).
Durch die Details aus dem Archiv weiß ich, dass Opa in der Nähe der Stadt Chèrbourg stationiert war. Nur wo? Auf der Rückseite eines Fotos entdecke ich etwas: »Siesta auf W 226« steht da, das Bild zeigt Opa unter einem Son­nen­schirm. »W 226«, erfahre ich, steht für »Widerstandsnest 226«: einer der unzähligen Bunker und Stützpunkte, mit denen Hitler die Atlantikküste über­ziehen ließ. Ich scanne mehr Bilder ein, den Online­historikern fallen ­Gemeinsamkeiten auf: die Steinmauer, der Bunker. Der Tisch, die Liegestühle – immer dieselben. Opa muss lange hier gewesen sein. Ein Bunkerfreak schickt eine Karte, dort ist »W 226« eingezeichnet. Es liegt am Strand von Urville-Nacqueville, einem Kaff in der Normandie. 2200 Einwoh­ner, kleine Häuser aus grauem Stein. Die Befrei­ung durch die Amerikaner stimmt mit dem Datum von Opas Gefan­gennahme überein. Bingo.

Mittlerweile grabe ich seit neunzig Minuten. Anfangs ­habe ich versucht, mich nicht dreckig zu machen, inzwischen ist es mir egal. Eben habe ich mit der Schaufel ein Plastikrohr durchstoßen, zum Glück sprudelt kein Wasser heraus. Cognac aber auch nicht.

Ich hatte Mails an Vereine, Kirche und Rathaus von Urville-Nacqueville geschrieben. In der Hoffnung, jemanden zu finden, der die Kriegszeit erlebt hat. Doch auch nach ­Wochen: keine Antwort. Ich bin verunsichert: War es takt­los, ausgerechnet die Opfer zu fragen, ob sie mir von der Besatzung erzählen? Andererseits: Opa war ein einfacher Soldat, vielleicht anfangs wie viele von Hitler begeistert, aber kein Partei- oder SS-Mitglied. Ich kann mir nicht vor­stellen, dass der gemütliche alte Mann, der so gerne mit mir Eichhörnchen im Wald beobachtete, an Verbrechen beteiligt war. Nur: Wissen tue ich es auch nicht.

Vielleicht lasse ich mir deshalb trotz des Nieselregens Zeit, als ich den Hof vor Pierre Ladvenus Haus durchquere. Ich kann natürlich nichts dafür, was vor zwei Generationen passiert ist. Nervös bin ich trotzdem. Doch als Pierre mir lächelnd einen Stuhl am Tisch in seiner dunklen Küche zuweist, merke ich, dass ich willkommen bin. Dass er mir nun erzählt, wie sich deutsche Soldaten mit Cognac betranken, verdanke ich Marie Tassel. Die Frau mit den kurzen grauen Haaren hat mich zu ihm geführt und setzt sich dazu. Sie findet es gut, dass ich gekommen bin. »Die Enkelgeneration ist unverkrampfter im Umgang mit dem Krieg«, sagt sie. »Und das ist wichtig. Sonst wird alles ­vergessen.« Früher war Marie Töpferin, heute sammelt sie mit einem Aufnahmegerät Geschichten von früher. »Mémoires et Terroirs« (»Erinnerungen und Schauplätze«) heißt ihr kleiner Verein.

Nach dem Pastis wühlt Pierre mit seinen riesigen Pranken in den Fotos. Die meisten legt er schnell weg, andere hält er nah vor seine blauen Augen. Auf ihnen sind Soldaten und Arbeiter mit Schaufeln. »Die bauen Befestigungen«, sagt Pierre, »das habe ich auch gemacht.« Die Männer seines Jahrgangs mussten eigentlich zur Zwangsarbeit nach Deutschland. Pierre fälschte seine Papiere, machte sich darauf jünger und konnte bleiben. Trotzdem musste er für die Deutschen arbeiten: beim Bunkerbau an der Küste. Ich erzähle, dass mein Großvater im Nachbarort wohl genau solche Arbeitertrupps beaufsichtigte. Pierre reagiert nicht, deshalb frage ich: »Haben die Soldaten die Arbeiter schlimm behandelt?« Nein, antwortet Pierre, sie seien sehr korrekt gewesen. »Wir haben acht Stunden am Tag gearbeitet, und am Abend gab es gutes Geld.« Lohn? Ja, sagt er, die Deutschen hätten immer gezahlt, nicht nur für Arbeit, auch für Brot, Milch und alles andere. Hoffentlich auch für Cognac, denke ich.

Pierre erzählt, wie Besatzer und Besetzte während des Krieges nebeneinanderher lebten. Natürlich sei der Alltag schwierig gewesen – die Fischer durften nicht aufs Meer, abends galt eine Ausgangssperre. Andererseits ­habe man gemeinsam gefeiert, manche verliebten sich. Vier Kinder von Deutschen gab es im Dorf.

»Vielleicht hast du ja einen Onkel oder eine Tante, von der du nichts weißt«, ruft Marie. Als sie und Pierre mein ­verdutztes Gesicht sehen, lachen sie. »Im Ernst: War es wirklich so harmonisch?«, frage ich. Nein, antwortet der alte Mann, er habe die Deutschen gehasst. »Das war ­bezahlte Zwangsarbeit. Weigern ging nicht, wenn man seine Haut retten wollte.« Aber wann immer möglich, habe er die Soldaten seine Ablehnung spüren lassen. ­Indem er nie grüßte und sie in die Irre schickte, wenn sie nach dem Weg fragten. »Mehr war nicht drin«, sagt Pierre, »Widerstand war gefährlich.« Wenn ein Saboteur erwischt wurde, erschossen die Deutschen nicht nur ihn, sondern auch alle männlichen Verwandten.

Nach zwei Stunden wird Pierre müde. In der Nacht zuvor hat er schlecht geschlafen, Kriegserinnerungen kamen hoch. Auf den Fotos hat er meinen Großvater nicht erkannt. Am Ende seien mehr als 6000 Deutsche in der ­Gegend gewesen, sagt er.

Marie hat noch eine Idee. Paul Bedel, ein 82 Jahre alter Bauer, war zu Kriegszeiten ein Kind und trieb sich überall herum. Vielleicht wisse der ja was. Wir fahren zu dem alten Haus, in dem er mit seinen vier Schwestern wohnt. Die Einrichtung kann sich seit dem Kriegsende kaum ver­ändert haben. Paul zeigt uns den Stuhl hinter der Tür, auf dem er sich immer versteckte, wenn Soldaten ins Haus kamen. Paul betrachtet das Foto, auf dem mein Opa lässig raucht. Nein, kenne er nicht, dafür wolle er uns etwas zeigen. Wir fahren eine kurze Strecke, dann hüpft Paul geschickt um die Schlammpfützen einer Weide herum, während ich nasse Füße bekomme. Die Wiese gehörte Pauls Vater. Auch hier, weit im Hinterland, haben die Deutschen gigantische Geschützanlagen gebaut. Obwohl sie gleich in der Nähe sind, habe ich sie auf keinem Foto meines Opas entdeckt – das heißt, dass der Cognac hier kaum sein kann. Paul hüpft trotzdem weiter. Er singt »Heidi, heido, heida« vor sich hin, ein altes Wehrmachtslied. Das Einzige, was er zu Kriegszeiten in der Schule lernte – oder, genauer gesagt: vor der Schule. Der Unterricht fiel aus, nachdem die Deutschen das Gebäude besetzt hatten. Wenn Paul sich trotzdem vor dem Schulhof he­rum­drückte, um ein paar Dinge von den Soldaten zu stibitzen, hörte er sie oft das Lied singen. Ansonsten drehte er die Hähne der Tanklaster auf, mit denen die Wehrmacht das Wasser zum Betonmischen transportierte. »Die Résistance der Kinder«, sagt er. Er lacht.

In meinem Loch stoße ich inzwischen mit dem Schaufelstiel ständig an die Ränder. Es zu vergrößern, wäre aber sinnlos: Opa wollte ja keine Leiche verschwinden lassen, sondern eine Kiste Cognac.

Vielleicht haben mir die Alten auch nicht alles erzählt. Aus Höflichkeit

Heute früh, als ich noch keine Ahnung vom Verhältnis zwischen Breite und Tiefe eines Loches hatte, traf ich Pierre Paris. Er ist 52, Enkel des Bürgermeisters aus Kriegs­zeiten und laut Marie der beste Bunkerkenner von Urville-Nacqueville. Die Stellung von den Fotos meines Opas liege am Strand, sagt Paris. Wir überqueren einen kleinen Bach, dann bleibt er stehen. »Voilà!«

Voilà was? Vor mir erheben sich zwei Hügel, mit Sträuchern und Gras bewachsen. Zwischen ihnen: Matsch. »W 226, der Stützpunkt, den du gesucht hast!«, ruft Paris und klettert auf den linken Hügel. Ich springe hinterher, und wirklich: Zwischen dem Gras schimmert Beton durch. Ich habe den Stützpunkt gefunden, an dem mein Opa Hitlers Wahnsinn verteidigte – und bin enttäuscht. Dieser Schlammhaufen soll der Ort sein, den ich so lange gesucht habe? Aber tatsächlich: Wenn man sich den Dschungel wegdenkt, stimmt alles mit den Fotos überein. Die Natur verschluckt die Spuren des Krieges. Eigentlich gar nicht so schlecht, denke ich.

Pierre Paris verabschiedet sich, er muss noch etwas besorgen. Ich bleibe auf dem Bunker sitzen und überlege, wo ich suchen soll. Links fließt der Bach, da kann man nichts vergraben. Auf der anderen Seite liegt heute ein abgeerntetes Maisfeld, die Sicht auf die äußerste Ecke wird von einer Hecke verdeckt. Wenn Opa zu faul war, die Kiste weit zu tragen, und andererseits nicht von möglichen Schatzräubern gesehen werden wollte, dann muss er sie hier vergraben haben. Ich hole die Schaufel aus dem Auto und ramme sie mit voller Wucht genau in die Mitte der sichtgeschützten Ecke. Nicht mehr lange, denke ich, und die Kiste gehört mir. Nach zwei Stunden kommt Pierre Paris zurück, er trägt nur noch eine Unterhose, eine rote Windjacke und in der Hand einen Kescher. »Crevetten fischen, für heute Abend«, ruft er, »ihr seid eingeladen.« Und: »Gräbst du da nach dem Schatz? Das kannst du vergessen!« Die Küstenlinie, erzählt er, sei früher zwanzig Meter weiter vorne gewesen, das Meer habe sie weggespült. Deshalb müsste der Schatz näher am Wasser liegen. Genervt schütte ich das Loch zu. Leider ist auch das anstrengend.

Monsieur Paris zeigt mir die Stelle, wo früher der Strand aufhörte. Ich fange ein zweites Mal an, er schiebt während­dessen seinen Kescher durch das Wasser, als würde er Schnee schippen. Nach der ersten Sandschicht: immer mehr Steine. Der Haufen mit dem Aushub wächst langsamer, das Graben hat etwas Meditatives. Ich denke ­da­ran, wie Pierre Ladvenu Bunker für den Feind bauen muss­te. Ich lächle, weil andererseits Kinder wie Paul ­Bedel die Arbeit von Soldaten wie meinem Opa sabo­tierten. Ich bin froh, dass ich keine Hinweise darauf ­gefunden habe, mein Opa hätte Verbrecherisches getan – vielleicht haben mir die alten Männer aber auch nicht ­alles erzählt. Aus Höflichkeit, oder weil sie den Krieg selbst ein wenig verdrängen. Trotzdem haben mich ­beide in ihre Häuser eingeladen, vollkommen ohne Hass. Paul war fast enttäuscht, als wir nach Stunden weitermussten. »Wir hatten nie was gegen Touristen wie deinen Opa, aber sie müssen nicht immer gleich vier Jahre bleiben«, sagte er zum Abschied und lachte. Ich wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen.

Als ich auf Grundwasser stoße, bin ich mit Sand paniert. Nichts. Paris kommt mit einer ganzen Schüssel Crevetten vom Fischen zurück. »Vergiss es«, sagt er, »komm!« Wir fahren zum Haus seines Bruders. Der drückt mir eine Fla­sche Calvados in die Hand, zwanzig Jahre alt, selbst gebrannt. »Schmeckt eh besser als Cognac«, sagt Paris.

Dieser Text ist in der NEON-Ausgabe vom Februar 2013erschienen. Hier können Einzelhefte des NEON-Magazins nachbestellt werden. Alle Ausgaben ab September 2013 gibt es außerdem auch digital in der NEON-App.

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