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Digitale Spleens: "Die Lautstärke muss immer auf eine gerade Zahl eingestellt werden"

Macken, Marotten, Alltagszwänge - längst sind sie auch im digitalen Leben angekommen. Fünf junge Menschen berichten, wobei sie im Umgang mit Smartphone, Laptop und Co. unruhig werden.

Lautstärke-Werte, Fernsehsender und Posteingang - vier Menschen erzählen von ihren digitalen Spleens

Lautstärke-Werte, Fernsehsender und Posteingang - vier Menschen erzählen von ihren digitalen Spleens

Markus, 23: "Wenn ich ungelesene Mails, oder Whatsapp-Nachrichten habe, halte ich das nur schwer aus. Wird im Posteingang auch nur eine Nachricht als ungelesen angezeigt, muss ich sie aufmachen, damit die '1' verschwindet. Ich muss den Text in dem Moment auch gar nicht lesen, mir geht es nur darum, dass nichts als ungelesen dargestellt wird. Geantwortet wird dann später - oder gar nicht. Ähnliches gilt übrigens auch für geöffnete Tabs im Browser. Wenn ich eine Seite gelesen habe, muss der Tab auch geschlossen werden, nichts überflüssiges darf geöffnet sein."

Leonie, 24: "Ich werde wahnsinnig, wenn der Lautstärkeregler nicht auf einer geraden Zahl eingestellt ist. 5, 13, oder 21 sind für mich keine guten Werte. Ich muss dann zwanghaft eine Zahl hoch- oder runterdrehen, selbst wenn es mir die Musik dann ein bisschen zu laut oder zu leise ist. Mein Handy zeigt die zwar mit einem Balken an, allerdings habe ich es da auch am liebsten, wenn die Lautstärke genau auf der Mitte des Balkens eingestellt ist. Es ist allerdings nicht ganz so schlimm, wie mit den Zahlen."

Fethi, 22: "Auf meinem iPhone muss ich immer die Apps nach Benutzung sofort schließen. Und zwar nicht nur durch Drücken des Home-Buttons, sondern richtig schließen, also 'wegwischen'. Ich bilde mir ein, dass die Apps ansonsten Akku und Speicher fressen. Ob das wirklich so ist, weiß ich gar nicht. Außerdem ist es auf meinem Handy dann immer schön aufgeräumt, das finde ich beruhigend."

Caro hat einen Sortier-Spleen

Caro, 27: "Ich kann Stunden damit verbringen, meine Dateien und Ordner auf dem Computer neu anzuordnen. Manchmal liege ich sogar abends im Bett und mache mir über eine neue Systematik Gedanken. Mal sortiere ich die Dateien dann anschließend geordnet nach Datum in verschiedene Ordner, manchmal nach Thema. Dazu benenne ich sie dann auch meistens um, damit alles zu meinem neuen System passt. Das dauert manchmal ewig, und oft bin ich dann kurze Zeit später schon wieder unzufrieden und fange von vorn an."


Thilo, 27: "Viel fernsehen tue ich zwar nicht, trotzdem ist es mir ungeheuer wichtig, dass die Sender in der richtigen Reihenfolge programmiert sind. Da ich inzwischen über 200 Kanäle empfange, kann das eine ganz schöne Wissenschaft sein. Klar: ARD muss auf die '1', ZDF auf die '2' und der WDR auf die 3''. RTL gehört zwingend auf die '4', einige Leute haben dort Sat1, das kann ich gar nicht nachvollziehen. Außerdem müssen zum Beispiel alle Nachrichtensender in einem Block hintereinander sein, genauso wie alle anderen Spartensender jeweils zusammen stehen müssen. Am Ende kommen zunächst die religiösen Programme, dann Shoppingkanäle und alle Sender aus dem Ausland. Erst die englischen, dann die spanischen, dann die französischen - in der Reihenfolge, wie gut ich die Sprachen beherrsche - allerdings schaue ich die Sender ohnehin so gut wie nie. Zwei Probleme bringen mich zur Weißglut: Wenn neue Sender dazu kommen, die irgendwo zwischen geschoben werden müssen und die gesamte Ordnung über den Haufen werfen. Und wenn sich zwei Sender eine Frequenz teilen, zum Beispiel der Kika und Arte. Sortiere ich ihn bei den Kulturprogrammen oder den Kindersendern ein? Da habe ich immer noch keine Lösung."

Die Marotten der Fünf sind harmlos, allerdings gibt es auch Zwangsstörungen, die behandelt werden sollten. Wie man diese erkennt und wo es Hilfe gibt, lest ihr hier:

Erkennt ihr euch wieder? Habt ihr auch digitale Spleens oder merkwürdige Macken im Umgang mit oder Laptop? Wir wollen darüber schreiben - berichtet uns davon, gerne auch anonym: leseraufruf@stern.de

wue

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