HOME

Deutsche Bürger schaffen sich ein eigenes Königreich

In einer verlassenen Klinik in Sachsen-Anhalt liegt das Königreich Deutschland. Sind seine Bewohner nur Spinner oder gefährlich?

Hier regiert ein König

Für Versammlungen kommen die Mitglieder und Ihre Majestät regelmäßig im Stuhlkreis zusammen.

Februar 2016, Dessau-Roßlau.

Der Angeklagte hat sich fein gemacht. Die langen Haare sind streng nach hinten gebunden. Über seiner breiten Brust spannt ein nachtblaues Hemd, eine goldene Krone prangt auf Höhe des Herzens. So tritt er vor die Kameras: , der König. In seiner Hand hält er ein grünes Kärtchen, das er stolz präsentiert. Vier Jahre zuvor gab Fitzek den regulären Führerschein zurück, seitdem fährt er mit seinem eigenen. Selbst ausgedruckt und laminiert, mit einer goldenen Krone in der rechten oberen Ecke. Nur erkennt die Bundesrepublik Deutschland den Führerschein nicht an. Darum ist Fitzek hier. Als Angeklagter, der zwischen Oktober 2012 und September 2013 acht Mal ohne gültigen Führerschein beim Fahren erwischt wurde.

EINE ZEREMONIE SAMT THRON UND KNIEFALL

Während des Prozesses beschreibt Fitzek sein Weltbild: „Wir wohnen im Königreich “ , sagt er dann, oder: „Wir haben keine Nachnamen mehr. “ Kinn hoch, Brust raus. Fitzek triumphiert bei diesen Sätzen. Er genießt die Aufmerksamkeit. Packt es ihn richtig, zwinkert er ins Publikum. Sein Auftritt gleicht einem Broadway-Musical: grell, laut und irgendwie eine Spur daneben. Fitzeks Anhänger sind begeistert. Rund 30 Männer, jenseits der 50, wenige Frauen. Kugelschreiber ragen aus Hemdtaschen. Viel Karo, viel Flanell.

Die Zuschauer sind nicht nur zur moralischen Unterstützung hier, sie treten als Prozessbeobachter auf. Wollen sicherstellen, dass das Justizsystem der Bundesrepublik Deutschland Peter Fitzek einen fairen Prozess macht. An Fairness glauben hier die wenigsten, die meisten befürchten Willkür. „Wir haben zwar unseren Führerschein abgegeben, aber nicht unsere Fahrerlaubnis. “ Das ist der Punkt, um den es Fitzek geht. In seinen Augen ist das hier ein Präzedenzfall. Wenn er den Richter dazu bekommt, anzuerkennen, dass das ein echter Staat ist und keine Halluzination, könnte bald jeder seiner Anhänger mit einem königlichen Führerschein durch die Gegend fahren. „Rechtssicherheit“ nennt Fitzek das. „Kompliziert“, sagt der Richter.

Hier regiert ein König

Dieser König ist aus Pappe der echte ist nicht da. Seit Juni sitzt Peter Fitzek in Haft, wegen 1,3 Millionen Euro. Die sind verschwunden.

Am 16. September 2012 rief Peter Fitzek das Königreich Deutschland aus und ließ sich vor Hunderten Untertanen zum König krönen. Thron und Kniefall inklusive. Ein Video der Zeremonie zeigt Fitzek in Purpur gekleidet, mitten im Scheinwerferlicht. Den Auftrag zur Staatsgründung hat Fitzek angeblich von Gott persönlich erhalten, genau wie die Mission, „die Menschheit ins Licht zu führen“ , wie er es nennt. Das Licht, das ist im Königreich die Wahrheit. Fitzeks Wahrheit.

Und die geht so: Die Bundesrepublik ist kein souveräner Staat, sondern immer noch Verwaltungsgebiet der Alliierten. Die deutschen Politiker und die internationalen Finanzmärkte werden gesteuert von einer weltweiten Schattenregierung. Irgendwann soll das Königreich die Bundesrepublik ersetzen. Dann soll ein Staat entstehen, der es besser macht. Ein Staat, in dem keine Steuern erhoben werden, in dem niemand zum Sozialfall wird und in dem Krebs durch Handauflegen geheilt wird. Rund 1000 Menschen hat Fitzek bereits von seiner Idee überzeugt. Taxifahrerinnen, Zahnärzte, Rentner. Sie alle haben sich als Staatsangehörige registrieren lassen, sich zur Verfassung bekannt. 92 Artikel, in denen es um die Rechte und Pflichten von König und Volk geht.

ROYALES LEBEN IN EINER VERLASSENEN KLINIK

Wer das Königreich besuchen will, der muss vorbei an einem Grenzposten. Dort bekommt man normalerweise ein Visum, ein grünes Läppchen mit goldenem Rahmen, das die Einreise offiziell machen soll. Erst dann geht die Schranke hoch. Heute, im November 2016, sitzt niemand im Grenzhäuschen. Wer hineinwill, muss anrufen. Das Reich liegt am Rande von Wittenberg, . Das ehemalige Krankenhausgelände ist riesig, 91 000 Quadratmeter, umgeben von Zäunen und lichten Birkenwäldchen. Ein geteerter Rundweg führt vorbei an einem Gemüsegarten und verfallenen Schuppen und endet am Haupthaus. Ein grauer Klotz, nicht gerade ein Schloss. Baulärm dröhnt aus einem Fenster.

Freiherr Martin von Schulz öffnet die Tür. Mit seinem grauen Strickpullover, dem Studenten-Dutt und den braunen Bartstoppeln sieht er eher hippiesque als royal aus. Neben ihm steht Peter Fitzek, sein König, lebensgroß, im blauen Hemd, in der rechten Hand eine braune Aktentasche. Aber dieser König ist aus Pappe. Denn der echte ist nicht da, er sitzt in Haft. Nun also doch, seit Anfang Juni. Nicht wegen Fahren ohne Führerschein, sondern wegen 1,3 Millionen Euro. Die sind verschwunden, und die Behörden glauben, Fitzek wisse, wohin. Deshalb ist Freiherr von Schulz hier jetzt König in Vertretung.

Hier regiert ein König

Wer das Königreich betreten will, braucht ein Visum, einen Zettel mit goldenem Rahmen. Nur damit darf man den Grenzposten passieren.


Der Freiherr, 29 Jahre alt, geht voran. Die Flure des Haupthauses, über die einmal Patienten geschoben wurden, strahlen frisch gestrichen in Orange. Girlanden kreuzen den Weg, Überbleibsel der Jubiläumsfeier. Vier Jahre Königreich Deutschland. „War ’ne tolle Party“ , sagt Schulz. Im ersten Stock hämmern drei Männer mit Mundschutz auf eine Wand ein. Vor einer Sperrholztür bleibt Schulz stehen, klopft, dann öffnet er die Tür. Zwei junge Männer sitzen an Rechnern. Das sei das königliche Medienamt, erklärt Schulz. Eine Tür weiter ein ähnliches Bild. Hier arbeiten Mitarbeiter der Reichsbank. Daneben steht das Gesundheitshaus. Es ist ein Reich im Umbau, durch das Schulz stolz führt. An jeder Ecke wird geschraubt, gehämmert und gemalert. Die Tatsache, dass das Gelände nie ganz abbezahlt wurde und wieder zum Verkauf steht, stört hier niemanden. Das Königreich wächst.

Freiherr von Schulz ist ein treuer Untergebener, einer, der seinen König in Pappe neben sich stellt. Auf dem Video von der Krönungszeremonie sieht man Schulz, wie er die königlichen Insignien trägt. Den Kopf hält er demütig gesenkt. Früher saß er im Grenzhäuschen, sammelte Ausweispapiere ein und verteilte Visa an Besucher. Früher war Schulz hier der mit dem Stempel. Noch früher hieß der Freiherr einfach nur Schulz. Er war Bundeswehrsoldat, er habe ein Vorbild gesucht, sagt er. Einen, dem er folgen konnte. Im Netz fand er vor sieben Jahren Peter Fitzek, heute 51 Jahre alt, Koch, Karatelehrer, der gerade dabei war, das Königreich zu gründen. Peter sei einer, der den Weg für andere frei mache, sagt Martin Schulz. Nur eben auf unkonventionelle, manchmal provozierende Art. Was daran denn schlecht sein solle?

IST DAS KÖNIGREICH EINE GEFÄHRLICHE IDEE?

Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt zählt Fitzek und seine Anhänger zum Milieu der Reichsbürger, einer losen Bewegung aus Gruppen und Einzelpersonen, vermutlich mehreren Tausend. Die Reichsbürger teilen eine Ideologie, in der Fiktion und Halbwahrheit zu Fakten werden. Sie glauben, dass die „jüdische Weltverschwörung“ das „deutsche Volk“ bedroht und dass die Bundesrepublik eine Firma mit Sitz in Frankfurt am Main ist. Für die Behörden waren die Reichsbürger offenbar lange die Spinner von nebenan. Doch am 19. Oktober 2016 durchsuchten Polizisten ein Haus in Georgensgmünd nach illegalen Waffen. Der Hausherr, Reichsbürger und Waffennarr, schoss. Ein Polizist starb.

Hier regiert ein König

Die Girlanden sind noch von der Jubiläumsfeier übrig: vier Jahre Königreich Deutschland. Bald soll das Reich die Bundesrepublik ersetzen.

Erst da schienen die Behörden zu erkennen, dass diese Spinner von nebenan Teil einer größeren Bewegung sind. Seitdem gelten die Anhänger dieser Gruppierung als ernsthafte Bedrohung: Im November kündigte Innenminister de Maizière eine bundesweite Überwachung der Reichsbürger an. Seit Januar ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen sechs Verdächtige, die als Reichsbürger gelten wegen Bildung einer rechten Terrorvereinigung. In Sachsen-Anhalt, wo das Königreich entsteht, werden Reichsbürger jetzt vom Verfassungsschutz beobachtet, weil sie als verfassungsfeindlich eingestuft wurden.

Ist das Königreich eine gefährliche Idee? Oder sind das harmlose Spinner? Die Einschätzungen sind unterschiedlich. Spricht man mit dem Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt über Peter Fitzek, fallen Wörter wie „krude“ , „utopisch“ und „abwegig“. Das Königreich sei ein „esoterisch-ökologischer Scheinstaat“ , extremistische oder rechtsextreme Tendenzen seien aber nicht zu erkennen. Die Amadeu Antonio Stiftung, die die Reichsbürger seit Jahren beobachtet, warnt dagegen vor Verharmlosung und nennt Fitzek als eine der prominentesten Gestalten der Szene. Fitzek stehe Verschwörungsideologien nahe, verbreite antisemitische Theorien und erkenne die Gesetze der Bundesrepublik nicht an. Ein Aussteiger, der das Königreich verlassen hat und anonym bleiben will, spricht von einer Sekte, von Gehirnwäsche, davon, dass Fitzek jedem Anhänger seinen Willen aufzwinge und das Talent habe, sich als Heilsbringer zu verkaufen.


Über die politische Gesinnung gibt auch die Verfassung Aufschluss, die Fitzek und seine Mitstreiter geschrieben haben. Auf der Website kann man sie herunterladen, mit schnörkeliger Schrift auf vergilbtem Hintergrund ist sie gestaltet wie ein historisches Dokument. Kindlich wirkt das, im ersten Moment liest sich die Verfassung wie eine Spielanleitung: „Im Königreich Deutschland werden 3 Stände unterschieden. “ „Der König hat ein Vetorecht. “ Dass die hier festgehaltene Ideologie keineswegs als Spiel gemeint ist, stellt man fest, wenn man weiterliest. Artikel 49: „Kein Deutscher darf gegenüber einem Ausländer benachteiligt werden.“ Artikel 71: „Jedermann, der sich im Staatsgebiet aufhält und kein Deutscher ist, untersteht der Fremdengesetzgebung. “

UNZUFRIEDEN MIT „DEM SYSTEM“

Wer sind die Untertanen, die sich mit dieser Gesinnung identifizieren und die dem König bis in dessen Reich gefolgt sind? 30 Menschen wohnen schon auf dem alten Krankenhausgelände, zwei Familien haben sich angemeldet und ziehen demnächst ein. Da ist Matthias, 37 Jahre alt, der früher Manager eines Chemiekonzerns war und nun nach einer Alternative zum Kapitalismus sucht. Da ist Brigitte, 53 Jahre alt, die als Heilpraktikerin neue medizinische Wege gehen wollte und immer wieder auf das Unverständnis von Ärzten stieß. Da ist die 17-jährige Hannah, die vor Kurzem mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester ins Reich zog und glücklich ist, der Großstadt entronnen zu sein.

Hier regiert ein König

Früher war Martin Schulz Soldat, jetzt ist er Freiherr. Leute mit rechten Gedanken wolle man im Königreich nicht haben, sagt er.

So unterschiedlich die Bewohner sind, so sehr ähneln sie sich in ihren Motiven. Sie wollen zu den Guten gehören. Zu denen, die etwas riskieren. Ein wenig Abenteuer schwingt da mit, aber auch der Wunsch, endlich irgendwo anzukommen. Dafür haben die Bewohner ihr bürgerliches Leben hinter sich gelassen. Dafür haben sie ein Seminar für Staatsangehörige besucht und eine „Prüfung in Staatskunde“ absolviert.

Diese diffuse Unzufriedenheit mit „dem System“ , die Skepsis gegenüber Institutionen, und seien es nur ausgebildete Ärzte, diesen unbestimmten politischen Missmut spürt man gerade bei so vielen Menschen. Und genau das könnte die Reichsbürger und die Königsanhänger stark machen.

Gemeinsam für das Reich

Auf dem Krankenhausgelände wohnen die Untertanen in ehemaligen Patientenzimmern. Eine Gemeinschaftskasse deckt die Kosten. Das Geld kommt aus Spenden und aus Seminaren für Staatsangehörige und alle, die es noch werden wollen. Mal geht es um Qigong, mal um Steuervorteile für königliche Unternehmer. Früher gab Fitzek die Kurse, heute übernimmt das Schulz. Morgens meditieren sie hier oder machen Sport. Nach dem Mittagessen arbeiten sie daran, ihr Reich weiter aufzubauen.

Das Gemüse für das heutige Mittagessen kommt vom Nachbarn, einem Bio-Bauern, dem das Königreich gefällt. Die Untertanen kochen und essen gemeinsam, immer zur gleichen Zeit, immer vegetarisch, immer bio. Heute gibt es Linsen mit Couscous und Salat. Das Volk versammelt sich an Holztischen im Speiseraum, einem ehemaligen Schwesternzimmer im ersten Stock, das an Schullandheim und roten Tee erinnert. Schulz nimmt sich einen Teller und setzt sich dazu. Sie sprechen über den König und seinen nächsten Verhandlungstermin. Wenn sie Pech haben, müssen sie hier die nächsten paar Jahre ohne ihn klarkommen.

Hier regiert ein König

Jeder Untertan muss Seminare und eine Prüfung in Staatskunde absolvieren. Ein Aussteiger spricht von einer Sekte und Gehirnwäsche.


Neun Verfahren führte die deutsche Justiz gegen Peter Fitzek in den letzten zwei Jahren. Wegen Urkundenfälschung, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Angriff auf Behördenmitarbeiter, unerlaubter Versicherungs- und Bankgeschäfte. Urteile und Briefwechsel mit Staatsanwälten füllen ganze Aktenschränke in deutschen Gerichten. Für Peter Fitzek ist dieser Prozessmarathon der Beweis dafür, dass er und sein Staat kleingehalten werden sollen. Für Behördenmitarbeiter ist Fitzek die Pest, die alles zum Erliegen bringt. Für seine Anhänger ist Fitzek einer, der alles durchsteht. Ein Vorreiter. Ein Heiliger. In sozialen Netzwerken kursieren Spendenaufrufe und Artikel, die Fitzeks Unschuld beschwören. Klickt man sich durch die Kommentare seiner Anhänger, wird klar: Sie halten Peter Fitzek für einen guten Menschen. Für einen, der nur das Beste will und dafür von der Bundesrepublik bestraft wird.

November 2016, Landgericht Halle. Peter Fitzek stolpert in Hand- und Fußfesseln in den Gerichtssaal. Vorbei an der Sicherheitsschleuse, hinter der eine Handvoll seiner Anhänger auf Einlass in den Gerichtssaal wartet. Der Prozess beginnt. Die erste Zeugin sagt aus, eine Taxifahrerin aus Hamburg. Ja, sie habe Fitzek Geld überwiesen. Was damit passiert sei, fragt die Richterin. Nun, das wisse sie nicht genau, sagt die Zeugin. Aber das sei nicht schlimm, sie vertraue Peter Fitzek. Der lächelt milde, die Augen geschlossen. Das Grelle aus früheren Gerichtsverhandlungen ist verschwunden. Geblieben ist jedoch Fitzeks Liebe zum Mittelpunkt. Etwas leiser als früher tritt er jetzt auf, aber nicht weniger aufdringlich.

Alles für einen guten Zweck

In einer Pause seufzt Fitzek tief. „Wir schaffen das“ , sagt er. Ganz leise. Sein Blick sucht den seiner Unterstützer. Väterlich, wohlwollend. Der nächste Zeuge, ein Steuerberater aus Bochum, macht seine Aussage. 10 000 Euro hat er auf Konten im Königreich überwiesen. Monatlich zahlt er 120 Euro Mitgliedschaftsbeitrag an Fitzeks Verein Neudeutschland e. V., eine Initiative, der die Eintragung ins Vereinsregister schon im Jahr 2010 verweigert wurde wegen Verfassungsfeindlichkeit der Beteiligten. Der Zeuge sagt, ihm sei das neu. Aber er habe sich damit abgefunden, dass das Geld weg sei, und es sei ja auch für einen guten Zweck gewesen.

Hier regiert ein König

In neun Verfahren muss Peter Fitzek sich verantworten, hier im Gericht Dessau. Für ihn ein Beweis, dass er und sein Staat kleingehalten werden.


550 Menschen haben in den letzten sieben Jahren insgesamt über 1,7 Millionen Euro in Peter Fitzeks „Kooperationskasse“ eingezahlt. Eine Art Privatbank, die Fitzek schließen musste, nachdem sich die Bundesanstalt für Finanzdienstaufsicht einschaltete. 1,3 Millionen Euro sind nun verschwunden, sie wurden in bar abgehoben. Von Fitzek persönlich. Illegale Bankgeschäfte und schwere Veruntreuung lautet nun die Anklage. Der Prozess läuft noch bis März. Spricht das Gericht Fitzek schuldig, muss er für drei Jahre in Haft. Aber wenn der neue Staat sich erst durchgesetzt hat, soll alles besser werden. Artikel 10 der Verfassung: „Der König untersteht während seiner Amtszeit nicht der Gerichtsbarkeit. “

DOCH NUR EINE SYMPATHISCHE UTOPIE?

Nach dem Mittagessen kümmern die Untertanen sich um ihre Vision. So nennen sie das hier, Wände malern, Blätter fegen, für Kost, Logis und eine neue Weltordnung. Schulz repariert die Heizung. Die ist ausgefallen wie so oft im Winter. Gleichzeitig muss er die beaufsichtigen, die sich zur königlichen Kehrwoche gemeldet haben. Mit Rechen und Schneeschippe stehen sie in der Einfahrt. Drei Jahre ohne König, vielleicht. War es das mit dem Reich? „Wir machen weiter“ , sagt Schulz.

Abends nehmen die meisten Bewohner an einer Familienaufstellung teil. Die anderen treffen sich im Gemeinschaftsraum, setzen sich auf die hellen Sofas. In den Ecken dimmen Salzkristall-Lampen, es ist angenehm warm, die Heizung läuft wieder. Schulz gibt sich versöhnlich. Ja, man habe in der Vergangenheit Fehler gemacht, sagt er. Der König sei manchmal aufbrausend. Aber wer sei schon unfehlbar?

Schulz scheint das Gegenteil von Fitzek zu sein, offen, selbstkritisch. Wo Fitzek provoziert, da schweigt er. Wo Fitzek droht, da beschwichtigt er. Reichsbürger seien sie nicht, sagt Schulz. Das seien ewig Gestrige. Und: „Die BRD ist ja nicht nur schlecht.“ Man mag schon zu dem Fazit tendieren, dass sie hier nur eine sympathische Utopie ausprobieren die Sofas, das Schummerlicht.

Aber dann geht es um ein Video, das eine von Fitzeks Anhängerinnen auf Facebook teilte. Ein Video, das den Holocaust anzweifelt. Diese Frau sei eine ganz Nette, versucht Schulz zu beruhigen. Man habe sie schon auf den Clip angesprochen und gebeten, solche Dinge zu unterlassen. Also keine rechten Gedanken im Königreich? Nein, sagt Schulz. „Solche Leute wollen wir nicht.“ Und die Verbindung Fitzeks zum Ex-Nazi Nick Greger? Jeder verdiene eine zweite Chance. Die jüdische Weltverschwörung? Denkbar, sagt Schulz. Aber genau wisse er das natürlich nicht.


Neon-Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools