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Student bekommt für eine Hausarbeit drei unterschiedliche Noten

Fünf oder neun Punkte - was denn nun? Ein Jurastudent aus Freiburg wurde für dieselbe Hausarbeit unterschiedlich benotet. Das Prüfungsamt zeigt Verständnis, der Student wesentlich weniger.

Student bekommt für eine Hausarbeit drei unterschiedliche Noten

Jurastudent Oskar Radhauer hat eine Hausarbeit geschrieben - aber drei unterschiedliche Noten dafür bekommen. Warum?

Man könnte es Glück im Unglück nennen. Oder sich entgeistert an den Kopf fassen. Beides dürfte Oskar Radhauer, Jurastudent an der Uni Freiburg, getan haben. Als der 20-Jährige am Rückgabetermin seine aus dem Stapel zieht, ist er vermutlich enttäuscht: Fünf Punkte - er hat die Prüfung damit gerade so mit "ausreichend" bestanden. Bis ein Studienkollege mit einer Kopie der Hausarbeit winkt. Hier die Note: neun Punkte! Bei der juristischen Punkteskala von null bis 18 Punkten ein erfreuliches Ergebnis, immerhin ist das Resultat "befriedigend" und damit in allen Bundesländern ein Prädikatsexamen.

Nur: Welches Ergebnis zählt nun? Zählt überhaupt eins? Und vor allem: Wie ist das passiert?

Dass überhaupt zwei Hausarbeiten im Umlauf gewesen sind, die schließlich zu dem Punkte-Wirrwarr geführt haben, sei auf eine Statusmitteilung seiner Postsendung zurückzuführen. Das berichtet der Student unter anderem gegenüber der "WAZ". In seiner Heimat im Berliner Stadtteil Zehlendorf habe Oskar Radhauer die 60-Seiten-Arbeit abgeschickt. Und wenig später eine Mitteilung bekommen: Die Sendung konnte nicht zugestellt werden. Der 20-Jährige sei daher auf Nummer sicher gegangen, habe die Hausarbeit noch einmal persönlich an seiner Uni abgegeben. Laut eigener Aussage, wie er gegenüber der Zeitung sagt, mit dem Hinweis, dass eine zweite Version seiner Arbeit im Umlauf sein könnte.

Hausarbeit wurde zwei Mal benotet

"Eigentlich ist der Lehrstuhl angehalten, alle Hausarbeiten anhand einer Anmeldeliste zu kontrollieren", sagt Daniel Kachel, Leiter des Prüfungsamts der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, gegenüber dem Freiburger Newsportal "fudder". Diesen wichtigen Abgleich habe es offensichtlich nicht gegeben. Eigentlich darf nur eine Arbeit abgegeben werden. "Stattdessen hat der Lehrstuhl die Hausarbeiten direkt an die Korrekturassistenten weitergegeben", so Kachel weiter.

Die Korrekturassistenten – externe Juristen, die unabhängig voneinander arbeiten – werden pro Korrektur vergütet. "Deswegen ist da gar kein großer Anreiz, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sondern eher, möglichst viele Hausarbeiten durchzubuttern.", kritisiert der betroffene Student Oskar Radhauer gegenüber dem Blog "Justillon". Daniel Kachel vom Prüfungsamt sieht das scheinbar ähnlich, zeigt aber Verständnis, dass die Kollegen hin und wieder "unsauber korrigieren" – immerhin würden sie viele Hausarbeiten korrigieren. Vermutlich, damit ihre Tätigkeit mehr abwirft.

Die Musterlösung ist auch (k)eine Lösung

Wie viele Korrekturassistenten in diesem Fall die insgesamt 373 Hausarbeiten korrigiert haben, sei unklar. Doch sei bei der Korrektur eine sogenannte Musterlösung zum Einsatz gekommen, "eine Möglichkeit (für die Korrekturassistenten, Anm. d. Red.), das Ganze zu lösen", wie Kachel vom Prüfungsamt gegenüber "fudder" sagt. Doch: "Es gibt in der Forschung Meinungsstreitigkeiten. Je nachdem welcher Meinung man folgt, kann die Klausur anders ablaufen, das ist dann nicht falsch." Das Problem ist offensichtlich: Ob ein Lösungsansatz richtig oder falsch ist, wird wohl zum Teil subjektiv bewertet. "Bei kommt es viel mehr auf die Argumentation und die Schwerpunktsetzung an."

Student: "nicht mehr alle Tassen im Schrank"

Jurastudent Oskar Radhauer hat dafür kein Verständnis. "Mein Fall steht doch für sich", sagt der 20-Jährige. "Wer da noch das System als fair beurteilt, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank." Daniel Kachel vom Prüfungsamt merkt an, dass verschiedene Noten im Bereich Jura nicht ungewöhnlich seien – können die Studenten doch Widerspruch (Remonstration) gegen eine Bewertung einlegen. "Dass die Note dann geändert wird, ist auch nicht ungewöhnlich. Bestimmt 30 bis 50 Prozent bekommen eine andere Note", sagt Kachel.

Und Oskar Radhauer? Er habe zuerst seinen Dozenten kontaktiert, der auf sein Problem "überhaupt keine Antwort" hatte und "sehr perplex" gewesen sei. Schließlich sei er zu seinem Professor gegangen, der noch einmal beide Hausarbeiten unter die Lupen nahm. Die dritte und finale Note: weder fünf noch neun Punkte – sondern acht. Der Student sei zufrieden. Wünscht sich aber gegenüber "fudder" zwei Dinge. Zum einen, "dass den Korrektoren adäquate Lösungsskizzen mit auf den Weg gegeben werden, dass die genau wissen, was gut oder schlecht ist". Zum anderen, "dass eine gewisse Transparenz entsteht." Er glaube, es sei kein großer Aufwand, "ein Verzeichnis zu machen mit den Leuten, die das korrigiert haben", um sich im Zweifel mit der korrigierenden Person direkt auseinanderzusetzen. Das Institut selbst möchte sich zu dem Fall nicht äußern.

fs

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