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24 Tipps für dein Studium: Mit Vollgas auf die Schmalspur

Hirn dopen, Hausarbeit fertig kriegen, die besten Partys schmeißen, Wissen vortäuschen, satt werden. Ein paar schlaue Moves, die das Leben entspannter machen – auch über den Bachelor hinaus.

1. Wie werd ich billig wach?

Am in der Mensa erst Espresso, dann normalen Kaffee in den Becher laufen lassen. Etwa einen Schluck davon ins Tassengitter abfließen lassen oder abtrinken, damit der Becher nicht zu voll erscheint. Zur Kasse gehen, einen Euro für den Filterkaffee hinlegen. Doppelte Koffeinmenge einnehmen, Händezittern auskosten.

2. Wie stelle ich meine perfekte Gruppe für ein Referat zusammen?

Zwei Lehramtsstudenten für die Begrüßung, die Powerpoint-Präsentation und die Gruppenarbeiten. Ein Geisteswissenschaftler ohne klares Berufsziel im zweistelligen Semester für die Diskussion im Plenum und den obligaten Foucault-Input am Ende. Für dich bleibt dann noch das Vorlesen der Zitate, die auf der eingeblendet werden, und das fulminante Fazit.

3. Wie zähme ich den Affen in meinem Kopf?

Wer sich beim Schreiben leicht ablenken lässt, kann sich mit Lob oder Strafe selbst anspornen:

Written? Kitten!

Alle hundert Wörter gibt es zur Belohnung ein Katzenbild.

writtenkitten.co

Cold Turkey

Sperrt , Twitter und mehr.

getcoldturkey.com

Write or Die

Wenn du aufhörst zu tippen, hat das Konsequenzen. Welche, kannst du selbst aussuchen. Im „Gentle Mode“ erscheint eine Box auf dem Bildschirm und erinnert dich höflich daran, du mögest bitte weiterschreiben. Im „Normal Mode“ erklingt nach der Zeit, die du eingestellt hast, ein unangenehmes Geräusch. Im „Kamikaze Mode“ wird dein bereits getippter Text gelöscht.

oldandbusted.drwicked.com

4. Hilfe, Hausarbeit! Wie finde ich die Literatur, die ich wirklich brauche?

Auf Oxford Bibliographies gibt es von Experten verfasste Lektürelisten, die den Einstieg in ein Thema erleichtern, mit kurzen Zusammenfassungen zu den wichtigsten Texten. Egal ob du nun zur Britischen Kolonialherrschaft oder zu forschst: Hier findest du alles. Für die vollständigen Listen muss man bezahlen, aber die kostenfreien geben schon einen guten Überblick.

oxfordbibliographies.com

5. Mein Essay muss morgen fertig werden, und ich habe erst eine Quelle. Was mache ich jetzt?

Nutze die Texas-Sharpshooter-Methode: Schreib deinen Text auf ein paar Seiten runter. Benutze dazu lediglich eine Quelle und entwickle irgendeine naheliegende These. Suche von dort aus nach vielen weiteren Quellen, die diese eine These stützen, und schreibe jedes hilfreiche Zitat auf. Streu die Zitate in deinen Essay ein. Fertig. 


6. Und wie finde ich diese Quellen?

ist dein Freund. Spar dir den lästigen Gang in die Tiefen der Bib. Name des Buches eingeben, passende Zitate aus den vorhandenen Seiten aussuchen – der größte Teil des Buches findet sich eh in der Einleitung –, in die Hausarbeit einbauen, das Werk im Literaturverzeichnis angeben.

7. Wo kann ich mich verkriechen, wenn mir alles zu viel wird?

Mach die selbstverwalteten Aufenthaltsräume von linken Uni-Gruppen ausfindig. An diesen Zufluchtsorten gibt es günstigen Kaffee und nette Gespräche. Manchmal bekommt man für eine Spende auch was zu essen. Und du kriegst immer mit, wann die nächste Demo stattfindet.

8. Was kochen?

Für ein ausgewogenes Studentenleben brauchst du nur diese drei Gerichte:

Das „Ich geh heute noch feiern“-Gericht:

Die Menge reicht für zwei Portionen: eine als Trinkgrundlage und eine für die Morgenstunden, wenn du hungrig nach Hause kommst. 250 g Vollkornspaghetti al dente kochen. ½ Zwiebel und 1 Knoblauchzehe schneiden, 100 g Mandeln ohne Fett in der Pfanne rösten. 50 g Butter, Knoblauch und Zwiebeln beigeben. Mit 400 g Sahne ablöschen und mit Salz und Pfeffer würzen. Am Schluss 100 g geriebenen Parmesan darüberstreuen.

Das „Ich geh heute in die Bib“-Gericht:

Dauert zehn Minuten, ist gesund und lässt sich gut einpacken. Reicht für eine Person. 1 Avocado, 1 Apfel und ½ Gurke in Würfel schneiden. Avocado und Apfel mischen, mit Salz und Pfeffer würzen. Gurke mit 50 g saurer Sahne mischen und würzen. Untere Seite des Bagels mit Avocado-Apfel-Mischung bestreichen. Obere Seite mit Sahne-Gurken-Mischung bestreichen und mit Gartenkresse bestreuen.

Die „bitte verzeiht mir“-Muffins:

Egal ob du in deiner WG einen Monat nicht sauber gemacht oder deinem Mitbewohner versehentlich sein Tinder-Date ausgespannt hast, nach diesen Muffins wird dir niemand mehr böse sein: 4 Eier und 160 g Zucker verrühren, bis die Masse hell ist. 150 g Butter und 2 Tafeln Schokolade schmelzen und dazumischen. 100 g Mehl langsam darunterziehen. In Muffinförmchen füllen und zwanzig Minuten backen. Nach dem Abkühlen mit Puderzucker bestreuen.

9. Heute ist mein erster Tag. Wie schaffe ich es, dass jemand mit mir redet?

Das einfachste Mittel, um Leute kennenzulernen, ist natürlich der Konsum von Drogen, und zwar in dieser Reihenfolge: Koffein, Nikotin, Alkohol, dann der Rest. Natürlich kann man sich auch einfach zum Mittagessen verabreden. Das braucht aber mehr Mut, als einfach jemanden nach Feuer zu fragen. Deswegen liegen Raucher ja auch falsch, wenn sie sich einbilden, sozialere Menschen zu sein – in Wirklichkeit sind sie schüchterner.

10. Und worüber reden wir dann?

Trotz aller linksalternativen Coolness gleicht die Universität in ihrem Elitismus oft der Welt des Adels – schließlich geht’s auch hier im Endeffekt darum, wer von wem auf die nächste Party eingeladen wird. Deshalb ist es gar nicht falsch, sich fürs erste Geplänkel mit Kommilitonen vom Buch „Smalltalk – Die Kunst des stilvollen Mitredens“ inspirieren zu lassen. Geschrieben hat es der Adlige Alexander von Schönburg. Als Einstiegsthemen, mit denen man wenig falsch machen kann, schlägt er moderne Kunst oder Kapitalismus vor. Auf die Uni übertragen heißt das: Zalando kritisieren geht immer, und wenn du zweimal im Jahr durch eine alternative Galerie schlenderst, bist du auch bei Kunst gut dabei. Das Wichtigste ist, dass niemand der Anwesenden zu viel Ahnung vom Thema hat – ein nerviger Experte ist fürs Kennenlernen nur lästig. Deshalb, meint von Schönburg, sei Halbwissen für guten Smalltalk unerlässlich. Genau wie für den Uni-Alltag.

11. Wie werde ich satt?

Indem du am Salatbüffett in der Mensa die Mulden- und Stapeltechnik anwendest: Du wählst eine Beilage mit formbarer Konsistenz (Möhren- oder Kartoffelsalat) und drückst sie auf dem Tellerboden fest. Danach formst du mithilfe von Gurken- oder Kartoffelscheiben an den Rändern des Tellers einen Kranz, sodass eine vergrößerte Schale entsteht. Darin kannst du alles Weitere gut stapeln. Als Stabilisator zwischen den einzelnen Schichten empfehlen sich Kidneybohnen.

12. Wie soll ich mich einbringen, wenn meine Kommilitonen akademisches Namedropping betreiben und ich nichts verstehe?

Versuche ja nicht, jetzt auf gut Glück Aristoteles, Foucault oder Goethe zu zitieren: In jeder Gruppe von sich selbst überschätzenden angehenden Akademikern finden sich mindestens eine Foucault-Kennerin und ein Aristoteles-Experte. Und die werden dich lynchen, wenn du ihre Lieblinge schwammig zitierst. Auch wenn man glaubt, dass die so viel geschrieben haben, dass es eh nicht besonders drauf ankommt. Leg dir deshalb – möglichst zu Beginn deiner Uni-Zeit – ein Standardwerk zu, das du bei jeder Gelegenheit zitieren kannst. Am besten eignet sich ein nicht allzu berühmter Allrounder, der einen so furchtbar elitären Stil pflegt, dass ihn kaum jemand gelesen hat. Wie wäre zum Beispiel Michel de Certeau? Nie gehört? Umso besser. Er ist ein französischer Soziologe, Historiker, Theologe und Philosoph, also universell einsetzbar. Quäl dich durch eins seiner Werke, sie sind garantiert furchtbar geschrieben. Wenn du nicht mehr kannst, blättere noch ein bisschen in der Sekundärliteratur. Und dann: Angeben!

13. Das Seminar fängt gleich an. Ich habe den Text dazu nicht gelesen, möchte mich aber beteiligen. Was soll ich tun?

Pick dir willkürlich einen Absatz aus dem Text und lies diesen ohne Kontextwissen möglichst genau durch. Während des Seminars lenkst du die Aufmerksamkeit der Gruppe auf diesen Absatz – stell Fragen, sag deine Meinung, zitier ihn mit geschlossenen Augen. Wenn jemand sagt, er möchte noch über den Rest des Textes reden, nimm gelangweilt dein Smartphone zur Hand und beschäftige dich anderweitig. Sollen die doch machen, was sie wollen.

14. Ich brauche eine Pause, muss aber vorankommen. Wie lenke ich mich fünf Minuten lang sinnvoll ab?

Schau dir Study-Blogs auf Tumblr an und fühl dich einmal wie das Mädchen mit den Leuchtstiften in der ersten Reihe. Oder wie du selbst während der Grundschule. Die Leute in der Studyblog-Community sind alle um die achtzehn und präsentieren auf Tumblr und Instagram Fotos ihrer wunderschönen Lernmaterialien, Lernsnacks und motivierenden Lernsprüche. Bisschen unheimlich, aber schön anzusehen.

theorganisedstudent.tumblr.com

mylittlestudyspo.tumblr.com 

15. Wie verhindere ich ein Plagiat?

Die Software „Turnitin“ wird von vielen Unis zur Verfügung gestellt. Sie überprüft deine Arbeit auf kopierte Textstellen hin. Die Arbeit wird hochgeladen, und mithilfe eines großen Archivs von Vergleichsdaten ermittelt das Programm, ob sich Teile davon mit dem decken, was du geschrieben hast.

turnitin.com 

16. Wie komme ich mit meinen Kommilitonen von der „Wir trinken Kaffee in der Pause“-Phase zur „Wir sind Freunde“-Phase?

Du hast es geschafft: Nach der Vorlesung packst du nicht mehr allein deine Sachen zusammen. Du gehst mit deinen Kommilitonen mittagessen, ihr unterhaltet euch über Deadlines und Professoren, die ersten Pärchen haben sich gebildet. Der Zeitpunkt ist gekommen, deine erste WG-Party zu schmeißen und deine neuen Freunde auf anderer Ebene kennenzulernen. Achtung: Jetzt solltest du nichts überstürzen. Bevor du Leute einlädst, solltest du dir einen Überblick verschaffen. Fertige ein Soziogramm an, in das du die verschiedenen Relationen zwischen den Personen deiner Gruppe einträgst. Dann überlegst du dir: Wer hält euch zusammen? Wer findet wen toll? Wer war schon mit wem im Bett, und welche Leute können sich gar nicht leiden? In praktisch jeder Gruppe gibt es diese eine Person, nennen wir sie Martina, die in der besten Kneipe der Stadt Freibier kriegt und die Sprayer im Hipsterviertel mit Handschlag begrüßt. Wenn du Leute zu deiner Party einlädst, beginne immer mit dem Satz: Martina kommt übrigens auch. Ob es stimmt oder nicht.

17. Soll ich heute zur Uni gehen?

Eine immer wieder aufs Neue berechtigte Frage, wenn man aufwacht, der Regen gegen die Scheibe schlägt und das Bett schön warm ist. Kläre folgende Fragen: Musst du heute ein Referat halten? Wird ein Text besprochen, in dem du Sätze rot angemalt oder mit Herzchen markiert hast? Werden Prüfungsfragen durchgenommen? Dann geh zur Uni! Bist du so verkatert, dass du über dem Tisch einschlafen würdest? Liegt eine wunderschöne nackte Person neben dir und wartet auf ihr Frühstück? Ist deine Katze erkältet? Du kennst die Antwort.

18. Ich muss morgen ein Referat halten und bin furchtbar nervös – was tu ich dagegen?

Die üblichen Tipps – vor dem Spiegel üben, genügend Wasser trinken, positive Glaubenssätze aussprechen: Ich kann das, ich schaff das. Vielleicht gibt es aber bald noch etwas Besseres. In der psychotherapeutischen Forschung wird seit ein paar Jahren der Einsatz von Virtual-Reality-Szenarios gegen soziale Phobien getestet. Damit kann man sich zum Beispiel in ein virtuelles Auditorium mit vierzig gelangweilten Zuhörern begeben, die vernichtende Signale von sich geben – Augenverdrehen, Räuspern, Kopfschütteln. Dreh doch mit deinen Mitbewohnern so ein Video selbst und schau es dir an, während du dein Referat übst. Wenn du das überlebst, wird der echte Auftritt ein Klacks. 


19. Wie dope ich mein Gehirn?

Am besten mit Sport. Lauftraining bewirkt, dass das Gehirn besser durchblutet wird. Dazu muss man keinen Marathon laufen – eine halbe Stunde Ausdauertraining an drei bis fünf Tagen pro Woche genügt, um die kognitive Leistung zu verbessern. Sprints helfen kurzfristig, um das Gedächtnis anzuregen und effektiver lernen zu können. Falls es draußen kalt ist oder du ganz akut was Stärkeres brauchst: Acht Stücke der Schokolade Scho-Ka-Kola enthalten so viel Koffein wie eine Tasse Kaffee. Und Nüsse gehen natürlich immer.

20. Soll ich Tutorien besuchen?

Unbedingt! In Tutorien lernt man schnell Leute kennen und versteht den Stoff besser, weil die Gruppen kleiner sind. Das zumindest wird Erstis gerne erzählt. Der eigentliche Grund, warum es sich lohnt vorbeizuschauen, sind aber die Tutoren und Tutorinnen: Sie kennen sich an der Uni aus und kümmern sich um dich. Tutoren können dein erstes universitäres Objekt der Begierde, deine Mutterfigur, dein cooler älterer Bruder sein und dich in den Kosmos der Uni einführen. Freunde dich mit ihnen an und lass dir zeigen, wo es den besten Kaffee an der Uni gibt, wo die besten Semesteranfangspartys steigen und wo man sich nach der Vorlesung auf ein Feierabendbier trifft.

21. Es ist gegen Mitternacht. Wo kann ich meine Hausarbeit noch drucken und binden lassen?

Auf nochoffen.de findest du den letzten Copyshop, der deine Hausarbeit noch druckt und bindet, und die letzte Poststelle, bei der du sie noch mit dem Stempel von heute einwerfen kannst. In Bonn und Berlin gibt’s inzwischen die „Post 24/7“, die, wie der Name vermuten lässt, immer geöffnet hat.

22. Wie verhindere ich Katastrophen bei meiner Powerpoint-Präsentation?

Speichere deine Präsentation aus Powerpoint als PDF ab. So musst du keine Angst haben, dass die Software Probleme macht oder das Layout durcheinandergerät, wenn du im Seminarraum stehst. Falls du einen Mac hast, probier mal das Programm Keynote aus. Es funktioniert besser als Powerpoint, und die Präsentationen sehen schöner aus.

23. Wie entakademisiere ich mich?

Indem du mal wieder was mit deinen Händen machst: Schau dich auf dem hippen US-amerikanischen Bastelblog „Almost Makes Perfect“ um. Hier gibt es Anleitungen, wie man T-Shirts und Geschenkkarten bedruckt, wie man Ohrringe bastelt und Geldbeutel zusammennäht. Wenn du zu faul bist, um das Bastelzubehör kaufen zu gehen, scrollst du dich einfach durch die ultraästhetischen Bilder auf der Seite und stellst dir intensiv vor, wie toll es wäre, all diese puristisch-schönen Dinge bereits mit deinen eigenen Händen erschaffen zu haben.

almostmakesperfect.com 

24. Welche Lieder passen zum Studium?

Für den euphorischen Anfang des Semesters:

Ich kann alles – OK KID

Für die ersten motivierten Stunden in der Bibliothek, in denen du dir begeistert das Wissen der Welt erschließen willst:

Feed Your Head – Paul Kalkbrenner

Für die weniger motivierten Stunden, wenn du die Uni furchtbar elitär und schrecklich findest:

F*ck die Uni – Antilopen Gang

Wenn all deine Freunde feststellen, sie wollten ihr Studium jetzt doch in der Regelzeit durchziehen:

Kids (Zwei Finger an den Kopf) – Marteria


Dieser Text ist in der Ausgabe 11/2016 von NEON erschienen. Hier können Einzelhefte nachbestellt werden. NEON gibt es auch als eMagazine im iTunes StorePlay Store und bei Amazon. Auf Blendle könnt ihr die Artikel außerdem einzeln kaufen.

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