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Ein Satz aus zwei Buchstaben? Über einige der skurrilsten Redewendungen der Welt

Andere Sprachen, andere Ausdrucksweisen: Wo man im Deutschen einen halben Satz braucht, reicht den Finnen ein Wort. Und wer in Farsi seine Zuneigung bekunden will, würde hierzulande als Kannibale gelten.

Auszug aus einem Chinesisch-Lehrbuch um die Chinesische Sprache zu erlernen

Jede Sprache hat ihre Besonderheiten. In China etwa gilt die Frage, ob man schon etwas gegessen habe, als höflicher Gruß.

"Kalsarikännit", das finnische Wort für  "sich alleine zu Hause nur mit Unterwäsche bekleidet betrinken", erlangte in   2015 eine gewisse Bekanntheit. Christian Brandes kürte es in Schlecky Silbersteins Blog zur "schönsten Vokabel der Welt", dazu stellte er eine Grafik, die das Wort und seine Übersetzung vor einer finnischen Flagge zeigt. Das Bild machte danach die Runde in den sozialen Netzwerken und das finnische Außenministerium veröffentlichte ein eigenes Emoji dazu, das man sich auf sein Handy herunterladen kann.

Finnisch, die eigenwillige Sprache mit ihren 15 Fällen und unzähligen Endungen, bringt Dinge oft direkt auf den Punkt. Das kann durchaus poetisch sein, etwa wenn ein eigentlich englischer Begriff in die Landessprache übersetzt wird. Das ist in viel öfter der Fall als in Deutschland, gerade wenn es um Unterhaltungselektronik geht.

Denn nicht einmal die hierzulande selbstverständlich in den Sprachgebrauch übergegangene Vokabel "Computer" haben die Finnen  einfach übernommen, sondern sie durch ein eigenes Wort ersetzt. "Tietokone" heißt es und beschreibt den Computer treffend als "Wissensmaschine".  Und auch bei der Namensgebung wird man im hohen Norden kreativ. Während in Deutschland niemand auf die Idee käme, sein Kind "Blume-Maria" oder "Schnee" zu nennen, sind Kukka-Maria und Lumi als weibliche Vornamen in finnischen Schulen und Kindergärten durchaus zu finden.

Sprache kann den Liebenden zum Kannibalen machen

Weniger kitschig, aber nicht weniger poetisch, geht es außerhalb Europas zu. Im Iran ist die Zuneigung für eine Person gleichbedeutend mit der Liebe zur Delikatesse Leber. So sagt man "Jigareto bokhoram", wenn man eine Person sehr gerne mag. Was in der Amtssprache Farsi ein großes Kompliment ist, klingt in der deutschen Übersetzung sehr martialisch: "Ich möchte deine Leber essen." Ob Frauen in Deutschland darauf positiv reagieren würden, darf bezweifelt werden.

In gibt es aber auch Wendungen, die nicht aus einem Horrorfilm stammen könnten.

Ein schönes Beispiel ist die Dankesformel "Daste shoma dard nakone". Sie wird meist in Kombination mit der Tätigkeit eines Anderen verwendet, wenn dieser etwa als Gastgeber gekocht hat, ein Geschenk überreicht, oder etwas speziell für jemand anderen tut. Der Aspekt, einem Menschen für eine von ihm ausgeführte Tätigkeit zu danken, spiegelt sich auch in der wörtlichen Übersetzung von "Daste shoma dard nakone"  wider: "Möge deine Hand nicht schmerzen." Diese Redewendung drückt mehr Wertschätzung als das ebenfalls gebräuchliche "Merci" aus. Durch das Anerkennen der (körperlichen) Anstrengung, die hinter der Geste steckt, wird ein größerer Dank vermittelt.

Wenn zu viel Höflichkeit unangebracht ist

Ein chinesischer Gastgeber würde auf so viel Dankbarkeit mit dem Ausspruch "Bié kèqi" reagieren. Was sinngemäß dem Deutschen "Keine Ursache" oder "Bitteschön" entspricht, bedeutet wörtlich "Sei nicht höflich." Eine Erklärung dafür ist, dass in China zu höfliches Verhalten unter Freunden gewertet wird, als sei man einander fremd.  

Doch auch im Reich der Mitte ist man sehr um das leibliche Wohlergehen seines Gesprächspartners besorgt. Allerdings geht es bei der Frage "Chīfànle ma?" nicht um vor Anstrengung schmerzende Körperteile wie im Iran, sondern um einen leeren Magen. "Chīfànle ma?"  ("Schon gegessen?") ist eine fürsorglich gemeinte Grußformel. Sie stammt aus der Zeit der Kulturrevolution, als es für die meisten Chinesen zu wenig zu essen gab. Wenn der Gesprächspartner diese Frage mit "Ja" beantwortet, ist also davon auszugehen, dass es ihm gut geht.

Ganz schön umständlich. Dass Kommunikation auch ganz einfach sein kann, beweisen ausgerechnet die Finnen. Denn obwohl ihre Sprache es erlaubt, Worte bis ins Unendliche zu verlängern und so ganze Wortungetüme zu bilden - "lento­konesuihku­turbiini­moottori­apu­mekaanikko­ali­upseeri­oppilas", der Flugzeug-Jet-Turbinenmotor-Assistenz-Mechaniker, ist mit 61 Buchstaben eines der längsten -  ist auch das Gegenteil möglich: Eine komplette Unterhaltung in nur drei Buchstaben.

Person 1: Kokoo koko kokko kokoon!

Person 2: Koko kokkoko?

Person 1:  Koko kokko.

Zu Deutsch:

Person 1: Baut zusammen das Johannisfeuer!

Person 2: Das ganze Johannisfeuer?

Person 1: Ja, das ganze Johannisfeuer

sie

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