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Obenrum Untenrum: Das Nicht-Date

Unser Kolumnist Pascal Schaefers erzählt über seine Arbeit als männlicher Escort.

Von Pascal Schaefers

Aus dem Leben eines männlichen Escort: Die Illustration der Kolumne mit dem Schriftzug: "Obenrum Untenrum"

Aus dem Leben eines männlichen Escort: Die Kolumne "Obenrum Untenrum"

Manchmal finden Dates nicht statt, sie bleiben hängen im virtuellen Raum zwischen Chat und Fantasie. Das ist oft ärgerlich. Manchmal aber auch nicht: Bei Gayromeo schreibt ein attraktiver Mann Ende 20: „Kannst du vorbeikommen? Ich bin im Hotel und pinkle meine beiden Laptops kaputt.“ Ich muss lachen, mein Mitbewohner und ich machen uns lustig, noch tagelang. Ich aber beschließe, dass ich es machen will. Aber: Kann ich einen Stromschlag bekommen? Wieso möchte er überhaupt auf Laptops pinkeln? Ich frage ihn.

Männer, die auf Laptops pinkeln

„Ich betrüge meine Freundin mit den Laptops. Ich habe mich selber nicht im Griff. Du musst sie für mich zerstören... wie lange brauchst du dafür?“

„So zehn Minuten?“, schreibe ich und rechne schon die Zeit mit ein, die ich länger brauche, um frei vor jemanden loszupinkeln.

„Machst du das dann bitte alleine im Badezimmer?“

„Kann ich machen. Soll ich dann auch kommen?“

Über die Eigeninitiative freut er sich und gibt mir die Erlaubnis, am Ende auf die Laptops zu ejakulieren.

„Ok, wann machen wir es?“, schreibe ich. „Ich kann direkt los!“

Plötzlich aber meldete er sich nicht mehr. Nie mehr. War etwas dazwischen gekommen? Oder wollte er sich gar nicht treffen, sondern sich, wie ich es auch getan hatte, dem Gedanken, der Fantasie hingeben? Für mich war es trotzdem ein erfolgreiches Date.

Sperr! Mich! Ein!

Ein anderes Mal schreibt mir ein nur 20 Jahre junger Mann. Er fragt, ob ich einen gut verschließbaren Keller hätte und ob ich ihn dort einsperren könnte. Möglichst lange, aber um sich kennenzulernen, erst einmal zwei, drei Stunden. Wieso nicht, denke ich mir. Mein Keller hat eine Stahltür nach außen, kann abgeschlossen werden, es kann also keine Verbindung zu meinem Namen und Adresse hergestellt werden. Wir treffen uns am nächsten Tag um 15 Uhr. Er ist pünktlich, trägt einen Aktenkoffer bei sich. Ich sollte noch eine Schachtel Marlboro-Zigaretten besorgen. Wir gehen in den Keller. Er ist mit den Räumlichkeiten zufrieden.

Er bittet mich, eine Zigarette vor ihm zu rauchen, auszutreten und ihn dann einzuschließen. „In 2 ½ Stunden kannst du wiederkommen.“ Das Geld würde er mir dann geben, das sei Teil des Spiels.

Ich gehe nach oben, koche Ratatouille, telefoniere und arrangiere ein Date für den späteren Abend. Als ich die Kellertür nach zwei Stunden aufsperre, ist er weg. Er muss durch die Luftschächte entkommen sein, obwohl auf ihnen Mülltonnen stehen. Er hat sie wahrscheinlich mit ziemlicher Kraftanstrengung zur Seite geschoben. Die Mülltonnen liegen umgekippt im Hof. Ich sammele den Müll ein, schaue, ob einer der Nachbarn etwas mitbekommen hat und gehe zurück in meine Wohnung. Ich muss grinsen. Er war schlauer als ich und hat sich dabei noch eine seiner geheimsten Fantasien erfüllt.


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