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Britischer Schriftsteller Kazuo Ishiguro erhält Literatur-Nobelpreis

Der in Japan geborene britische Schriftsteller Kazuo Ishiguro erhält den diesjährigen Literatur-Nobelpreis.

"Große emotionale Kraft"

"Große emotionale Kraft"

Der in Japan geborene britische Schriftsteller erhält den diesjährigen Literatur-Nobelpreis. Die Schwedische Akademie würdigte am Donnerstag in Stockholm die "große emotionale Kraft" der Romane des 62-Jährigen. Die Bücher würden den "Abgrund unter unserer trügerischen Wahrnehmung von unserer Verbindung zur Welt" aufdecken. Ishiguro, der mit seinem Roman "Was vom Tage übrigblieb" Weltruhm erlangte, sprach von einer "großartigen Ehre".

Er sei sehr "geschmeichelt", sagte der Schriftsteller der . "Das ist eine großartige Ehre, vor allem weil es bedeutet, dass ich in die Fußstapfen der größten Autoren trete, die je gelebt haben", fügte er hinzu. "Das ist also eine wunderbare Auszeichnung."

In einer spontan organisierten Pressekonferenz in seinem Garten in sagte Ishiguro, er habe gerade eine E-Mail geschrieben, als er von der Auszeichnung erfahren habe. "Ich dachte in dieser Zeit der Fake News, es wäre ein Streich. Ich habe es lange nicht geglaubt."

Der am 8. November 1954 in Nagasaki geborene Schriftsteller setzte sich gegen Favoriten wie Don de Lillo aus den USA, den Japaner Haruki Murakami, den Israeli Amos Oz und die Kanadierin Margaret Atwood durch. Im vergangenen Jahr hatte die überraschende Auszeichnung von Musikikone Bob Dylan mit dem viel Wirbel ausgelöst. Kenner hatten daher erwartet, dass die 18 Akademiemitglieder dieses Mal eine konservative Entscheidung treffen würden.

Ishiguro zog 1960 mit seiner Familie nach Großbritannien und wuchs in Guildford südlich von London auf. Erst als Erwachsener besuchte er wieder . Als Jugendlicher träumte er davon, Popmusiker zu werden: In seiner Highschool-Zeit trat er als Gitarrist, Pianist und Sänger in Clubs rund um London auf. Später studierte er Philosophie und Anglistik in Kent, außerdem Kreatives Schreiben bei Malcolm Bradbury an der Universität von East Anglia.

Ishiguro war zunächst als Sozialarbeiter für Obdachlose und Sozialhilfeempfänger tätig, bevor er sich Anfang der 80er Jahre ganz dem Schreiben zuwandte. Seine ersten beiden Romane, "A Pale View of Hills" von 1982 ("Damals in Nagasaki") und vier Jahre später "An Artist of the Floating World" ("Der Maler der fließenden Welt"), spielten in seiner Geburtsstadt nach dem Zweiten Weltkrieg.

Schon hier seien die Themen präsent, mit denen der Schriftsteller am meisten verbunden werde, erklärte die Schwedische Akademie am Donnerstag: "Erinnerung, Zeit und Selbsttäuschung". Besonders beachtenswert sei dies aber in Ishiguros berühmtestem Werk, "The Remains of the Day" aus dem Jahr 1989 ("Was vom Tage übrigblieb").

Sein dritter Roman wurde mit dem Booker Price ausgezeichnet, eroberte die Bestsellerlisten und wurde allein auf Englisch mehr als eine Million Mal verkauft. 1993 verfilmte James Ivory die Geschichte über die Vor- und Nachkriegszeit Englands mit Anthony Hopkins und Emma Thompson in den Hauptrollen. Weitere Romane waren "When We Were Orphans" von 2000 ("Als wir Waisen waren") und "Never Let Me Go" von 2005 ("Alles, was wir geben mussten").

Neben Romanen und Kurzgeschichten schrieb Ishiguro auch mehrere Drehbücher für Fernsehen und Kino. Außerdem will er bald an einem Comic mitarbeiten, wie er am Donnerstag sagte: "Das ist etwas Neues für mich und schließt an meine japanische Kindheit an, als ich Mangas las."

Der Schriftsteller ist seit 1982 britischer Staatsbürger und mit der Sozialarbeiterin Lorna Anne MacDougall verheiratet. Das Paar hat eine Tochter und lebt in London.

Der Nobelpreis wird am 10. Dezember in Stockholm verliehen und ist in diesem Jahr mit neun Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet gut 940.500 Euro.

AFP

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