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Strengere Regeln für Ratingagenturen

Es weht ein frischer Wind für die Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch: Das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten haben sich auf neue Vorschriften geeinigt.

Die Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch müssen sich auf strengere Regeln einstellen

Die Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch müssen sich auf strengere Regeln einstellen

Ratingagenturen müssen sich künftig in der Europäischen Union strengeren Regeln unterwerfen. Die neuen Bestimmungen sollen etwa Interessenkonflikte beseitigen und dafür sorgen, dass die Agenturen stärker für ihre Bewertungen haften müssen, wie der zuständige EU-Kommissar Michel Barnier erklärte. Zuvor hatten sich EU-Parlament und Mitgliedstaaten auf die neuen Regeln geeinigt.

Im Verlauf der Finanzkrise haben die Ratingagenturen durch Herabstufungen der Kreditwürdigkeit von Euro-Ländern wiederholt Turbulenzen an den Finanzmärkten verursacht. Zudem gerieten die Agenturen immer wieder in die Kritik, weil sie aus Sicht der Euro-Retter Krisenländer in heiklen Situationen herabstuften. Dominiert wird die Branche von den drei Rating-Riesen Standard & Poor's, Moody's und Fitch.

Bewertung von Ländern nur noch nach Börsenschluss

Die nun gefundene Einigung von EU-Ländern und Europaparlament erlaube eine "Verringerung der übertriebenen Abhängigkeit von Ratings, die Beseitigung von Interessenkonflikten und die Einführung einer zivilrechtlichen Haftung für Ratingagenturen", erklärte Barnier, der für die Regulierung der Finanzbranche zuständig ist. Der Franzose hofft, dass bis Jahresende das Gesetzgebungsverfahren endgültig abgeschlossen ist.

Dann sollen die Ratingagenturen in der EU ihre Bewertungen von Ländern in Zukunft nur noch außerhalb der Börsenöffnungszeiten veröffentlichen dürfen, um plötzliche Kursstürze zu vermeiden. Ein Rating darf demnach nur noch nach Börsenschluss und nicht mehr in der letzten Stunde vor Handelsbeginn abgegeben werden. Geplant ist zudem, dass die Bonitätsprüfer einen Kalender mit geplanten Länder-Ratings veröffentlichen.

Gründlichere und transparentere Bewertungen

Gleichzeitig sollen die Agenturen ihre Bewertungen gründlicher und transparenter gegenüber Investoren und den betroffenen Staaten begründen. Zudem müssen die Bonitätsprüfer für fehlerhafte Bewertungen haften, die mit Absicht oder aufgrund von Fahrlässigkeit abgegeben wurden. "Das ist wichtig, weil die Ratings direkte Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die weitere Wirtschaft und somit auf den Wohlstand der europäischen Bürger haben", begründete Barnier die schärferen Haftungsregeln.

Ratingagenturen sind zwar keine Aufsichtsbehörden, inzwischen haben sie aber im Prinzip diese Rolle inne. Pläne für den Aufbau einer unabhängigen europäischen Ratingagentur scheiterten bislang. Alle verfügbaren Ratings sollen aber in Zukunft auf einer europäischen Plattform veröffentlicht werden, um Investoren einen besseren Überblick zu verschaffen.

ds/AFP/AFP

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