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Petry beklagt nach Austritt aus AfD "Hexenjagd" auf ihre Anhänger in der Partei

Nach ihrem Austritt aus der AfD hat Frauke Petry eine "Hexenjagd" in ihrer einstigen Partei beklagt.

Petry in Berlin

Petry in Berlin

Nach ihrem Austritt aus der hat Frauke Petry eine "Hexenjagd" in ihrer einstigen Partei beklagt. Wer als Anhänger von ihr gelte, "wird wie ein Verräter behandelt und in den sozialen Netzwerken regelrecht verfolgt", sagte Petry der Zeitung "Welt am Sonntag". AfD-Chef Jörg Meuthen sagte der Politikerin nach ihrem Parteiaustritt ein Absinken in die "politische Bedeutungslosigkeit" voraus.

Wegen der andauernden Angriffe auf sie selbst sei es ihr auch unmöglich gewesen, nach der Bundestagswahl in der neuen AfD-Fraktion mitzuarbeiten, sagte der Zeitung. Wäre sie dageblieben, wäre sie demontiert worden. Anders als andere Parteien gebe sich die AfD nicht damit zufrieden, "Leute auf bestimmten Posten zu verhindern und dann anderswo zu parken. Nein, in der AfD wird sehr gründlich entsorgt."

Petry plädierte zudem nach ihrem Parteiaustritt für eine differenziertere Sicht auf den Islam und sprach religiösen Muslimen ohne politische Ansprüche ein Heimatrecht in zu. Solange Muslime akzeptierten, dass ihre Religiosität "reine Privatsache" sei und sich daraus keine politischen Ansprüche ableiten ließen, "werden sie Deutschland, wie viele andere Zuwanderer auch, zu ihrer Heimat machen können". Der politische Islam sei hingegen "kulturell inkompatibel mit unserer Gesellschaft".

Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) war bei der Bundestagswahl zur drittstärksten Kraft gewählt worden. Petry gab einen Tag danach bekannt, dass sie der Bundestagsfraktion nicht angehören wird, am Freitag trat sie aus der Partei aus. Auch ihr Ehemann Marcus Pretzell, der bisherige AfD-Fraktionschef in Nordrhein-Westfalen, kehrte der Partei den Rücken. Seitdem sondiert das Paar Möglichkeiten eines politischen Neuanfangs.

Zu diesen neuen Plänen sagte Petry, sie wolle im sächsischen Landtag und auch im eine Gruppe aus mehreren Abgeordneten bilden. Dabei strebe sie aber "keinen Exodus aus der AfD an" und werde nicht versuchen, die Partei gezielt zu entkernen. Dass ihr neues Projekt den Namen Die Blauen tragen solle, verneinte Petry.

Petry hatte bereits im Juli die Internetdomain "dieblauen.de" angemeldet. Sollte sie tatsächlich eine Partei mit diesem Namen gründen, droht ihr dem "Focus" zufolge ein Rechtsstreit - denn der Nomos-Verlag gibt unter dem Namen "Die Blauen" Studienbücher heraus und besitzt ganz ähnliche Domains. Eine Sprecherin sagte dem Magazin, der Verlag werde "die Rechtslage gründlich prüfen und die weitere Entwicklung genau beobachten".

Meuthen zeigte sich unterdessen unbeeindruckt von Petrys Abkehr von der AfD. "Es wird ausgehen wie beim letzten Mal", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" vom Montag mit Bezug auf die Abkehr von AfD-Gründer Bernd Lucke. "Wer sich abspaltet, wird wie Herr Lucke und seine Getreuen in der politischen Bedeutungslosigkeit versinken." Für eine drohende Abwanderung von Petry-Anhängern aus der AfD sieht Meuthen keine Anzeichen. Wenn er diese durchzähle, komme er auf "gerade mal zwei Hände voll".

AFP

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