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Vielerorts Erleichterung über Erfolg Macrons bei Präsidentenwahl in Frankreich

Der Erfolg des Pro-Europäers Emmanuel Macron bei der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl ist in Europa vielfach mit Erleichterung aufgenommen worden.

Hoffnungsträger Macron

Hoffnungsträger Macron

Der Erfolg des Pro-Europäers bei der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl ist in Europa vielfach mit Erleichterung aufgenommen worden. Der am Sonntag auf dem ersten Platz gelandete Ex-Wirtschaftsminister erhielt zahlreiche Glückwünsche aus Berlin, Brüssel und anderen Hauptstädten. Für die Stichwahl gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen am 7. Mai setzt der sozialliberale Reformpolitiker auf ein breites parteiübergreifendes Bündnis.

"Gut, dass Emmanuel Macron mit seinem starken Kurs für eine starke und soziale Marktwirtschaft Erfolg hatte", schrieb der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Steffen Seibert, noch am Sonntagabend bei Twitter. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte am Montag: "Ich bin sicher, er wird der neue französische Präsident."

Glückwünsche gab es auch von EU-Kommissionspräsident . Der französische EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici warnte dagegen vor voreiligen Schlüssen: "Für einen Seufzer der Erleichterung ist es zu früh."

Die Front-National-Chefin Le Pen wirbt für einen "Frexit", also einen EU-Austritt, und will Frankreich aus der Eurozone führen. Macron dagegen plädiert für eine Vertiefung von EU und Eurozone. Börsen in reagierten mit Kursgewinnen auf den Ausgang der ersten Wahlrunde.

Macron, der erst vor einem Jahr seine Bewegung "En Marche!" (In Bewegung!) gegründet hatte, geht als klarer Favorit in die Stichwahl vom 7. Mai und könnte mit nur 39 Jahren jüngster Präsident in der Geschichte werden. Aktuellen Umfragen zufolge kann er Le Pen mit mehr als 60 Prozent der Stimmen schlagen.

In der ersten Runde holte Macron laut endgültigen Zahlen des Innenministeriums 24,01 Prozent, Le Pen kam auf 21,30 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 78 Prozent und damit höher als erwartet.

Schwere Schlappen gab es für die beiden großen Traditionsparteien: Der lange als Favorit gehandelte Konservative François Fillon kam mit 20,01 Prozent der Stimmen nur auf den dritten Platz und schied damit aus. Benoît Hamon von den Sozialisten erhielt sogar nur knapp 6,36 Prozent - eine historische Niederlage für die Regierungspartei. Erstmals sind damit weder Konservative noch Sozialisten in der zweiten Runde einer Präsidentschaftswahl vertreten.

Sowohl Fillon als auch Hamon sprachen noch am Wahlabend Wahlempfehlungen für Macron aus, um einen Sieg Le Pens in der zweiten Runde zu verhindern. Auch Staatschef François Hollande kündigte an, für seinen früheren Wirtschaftsminister stimmen zu wollen: Le Pens Teilnahme an der Stichwahl sei ein "Risiko" für Frankreich, sagte der Präsident am Montag. Linkspartei-Gründer Jean-Luc Mélenchon, der in der ersten Wahlrunde mit 19,58 Prozent auf dem vierten Platz landete, lehnte dagegen eine Wahlempfehlung ab.

Le Pen verurteilte die Wahlempfehlungen von Sozialisten und Konservativen für Macron scharf. Nun schare sich "die alte verdorbene republikanische Front" um den sozialliberalen Politiker, sagte sie bei einem Wahlkampfauftritt in Nordfrankreich. Sie selbst gehe "voller Hoffnung und Dynamik" in die Stichwahl. Le Pen konnte in der ersten Runde mehr als 7,6 Millionen Wähler mobilisieren, so viele wie noch nie.

Macron und Le Pen dürften sich in den kommenden zwei Wochen einen harten Wahlkampf liefern. Am 3. Mai treten sie in einem TV-Duell gegeneinander an.

Macron begann aber schon am Montag Gespräche auf der Suche nach einer künftigen Regierungsmehrheit. Über diese wird bei der Parlamentswahl im Juni entschieden.

Auch die Konservativen richteten ihre Blicke auf die Wahl zur Nationalversammlung. Fillon kündigte am Montag als Reaktion auf seine Niederlage an, seine Partei nicht in diese Wahl führen zu wollen. Der lange Zeit als Favorit gehandelte Ex-Premierminister hatte wegen einer Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Ehefrau Penelope massiv an Zustimmung verloren.

AFP

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