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Zahl der Zivilopfer in Afghanistan erreichte 2015 neuen Höchststand

Die Zahl der getöteten oder verletzten Zivilisten in Afghanistan hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt habe es 11.

Angehörige trauern um ein Opfer eines Taliban-Anschlags

Angehörige trauern um ein Opfer eines Taliban-Anschlags

Die Zahl der getöteten oder verletzten Zivilisten in Afghanistan hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt habe es 11.002 zivile Opfer gegeben, darunter 3545 Tote, schrieben die Vereinten Nationen am Sonntag in ihrem Jahresbericht zu afghanischen Zivilisten in bewaffneten Konflikten. Das waren vier Prozent mehr als im Vorjahr. Jedes vierte zivile Opfer war 2015 der UNO zufolge ein Kind.

Das Leid, das Zivilisten in Afghanistan zugefügt werde, sei "inakzeptabel", beklagte der UN-Sonderbeauftragte für das Land am Hindukusch, Nicholas Haysom. Die Verantwortlichen für die Gewalt drängte er dazu, mehr zum Schutz von Zivilisten zu tun und das "Töten und Verstümmeln" zu beenden. Die UNO sieht sich die Lage der afghanischen Zivilisten in bewaffneten Konflikten seit 2009 an.

Hauptgrund für die hohe Zahl der zivilen Opfer seien Kämpfe und Angriffe in Städten und dicht besiedelten Gebieten, hieß es in dem Bericht. Das hänge auch mit dem Vorstoß der radikalislamischen Taliban in die Städte zusammen. In 62 Prozent der Fälle wies der Bericht die Verantwortung für die Opfer den Taliban und anderen Rebellengruppen zu. Die Taliban selbst wiesen die Ergebnisse des Berichts am Sonntag zurück.

Wie die Vereinten Nationen weiter resümierten, trugen in 17 Prozent der Fälle afghanische Regierungstruppen und ihre ausländischen Verbündeten die Schuld. Dies war ein Anstieg von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In 21 Prozent der Fälle war die Verantwortung nicht zu klären.

"Sagt diesen Leuten, nicht länger Kinder anzugreifen", wurde ein Zwölfjähriger in dem Bericht zitiert, der einen Mörserangriff überlebte, bei dem vier andere Menschen starben. "Ich will studieren, nicht sterben." Neben Kämpfen und improvisierten Sprengsätzen wurden Kinder besonders häufig durch Minen und nicht explodierte Geschosse getötet. Insgesamt starben auf diese Weise im vergangenen Jahr 113 Kinder.

Der Bericht kritisierte auch die Regierungstruppen für den Einsatz von Sprengsätzen in bewohnten Gebieten. "Warum haben sie diese Rakete abgefeuert?", zitierte die UNO einen Mann, der seinen Sohn bei einem Angriff der Armee verlor. "Können Sie sich vorstellen, wie es ist, wenn der eigene Sohn in seinem Blut liegt?"

Die afghanische Regierung dankte der UN-Mission in Afghanistan für den Bericht. Zugleich kritisierte Kabul, dass die Experten eine so hohe Anzahl von Opfern auf unbekannte Faktoren statt auf die Taliban zurückführten.

Jedes vierte Opfer in Afghanistan war im vergangenen Jahr ein Kind, jedes zehnte eine Frau - das war ein Anstieg von 14 beziehungsweise 37 Prozent. Die UNO will in Kürze einen eigenen Bericht zur Gewalt gegen Frauen herausbringen. Auch die Zahl der Angriffe auf Justizvertreter nahm demnach zu. So wurden 188 Angriffe auf Richter, Staatsanwälte und Justizeinrichtungen gezählt. Dabei wurden 46 Menschen getötet.

Den "wahren Horror" spiegele der Bericht allerdings nicht wider, erklärte UN-Vertreter Haysom. "Die wahren Kosten bemessen sich in den verstümmelten Körpern der Kinder, in den Gemeinden, die mit den Verlusten leben müssen, in der Trauer der Kollegen und Verwandten, in den Familien, die ohne ihren Ernährer auskommen müssen."

Die internationalen Truppen hatten Ende 2014 ihren Kampfeinsatz in Afghanistan beendet und die Verantwortung für die Sicherheit den Afghanen übergeben. In der Zeit danach verstärkten die Taliban ihre Aktivitäten.

AFP
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