Die Muslimbrüder in Ägypten schicken nun doch einen eigenen Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl Ende Mai ins Rennen.
Die Muslimbrüder in Ägypten schicken nun doch einen eigenen Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl Ende Mai ins Rennen. Bei der Abstimmung soll die Nummer zwei der aus der Muslimbruderschaft hervorgegangenen Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, Chairat al-Schater, antreten, wie die Muslimbrüder erklärten. Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei erwog die Gründung einer Partei, die bei der Parlamentswahl antreten soll.
Der oberste Anführer der Muslimbrüder, Mohammed Badie, bestätigte die Nominierung. In einer von ihm verlesenen Stellungnahme Al-Schaters, teilte dieser mit, wegen der Kandidatur vom Posten als Vize-Chef der Muslimbruderschaft zurückzutreten. Der 61-jährige Professor für Ingenieurswesen und Geschäftsmann gehört seit 1981 zur den Muslimbrüdern und ist einer ihrer wichtigsten Finanziers. Wegen seiner politischen Aktivitäten saß er mehrmals in Haft.
Bislang hatten sich die Muslimbrüder für eine islamistische Bündniskandidatur ausgesprochen. Ihren Meinungsumschwung erklärte ihr Generalsekretär Mahmud Hussein damit, dass der "demokratische Prozess in Ägypten bedroht" sei.
Der seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak im Februar 2011 regierende Militärrat hat zwar angekündigt, die Führung nach der Präsidentschaftswahl an eine Zivilregierung abzugeben. In den vergangenen Monaten machte sich jedoch der Eindruck breit, dass die Armee ihren Einfluss auf die Regierungsgeschäfte behalten will. Das sorgte für Spannungen mit der Muslimbruderschaft.
Die erste Runde der Präsidentschaftswahl ist für den 23. und 24. Mai vorgesehen. Der Wahlkampf soll nach dem Ende der Nominierungsfrist am 8. April beginnen. Weitere Kandidaten sind unter anderen der Salafist Hasem Abu Ismail, Anhänger einer rigorosen Auslegung des Islam, das frühere Mitglied der Muslimbruderschaft, Abdel Moneim Abul Futuh, und der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga sowie ehemalige Außenminister unter Mubarak, Amr Mussa.
Der lange Zeit als möglicher Bewerber für das Präsidentenamt gehandelte frühere Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und Friedensnobelpreisträger, Mohamed ElBaradei, zog sich bereits vor einiger Zeit aus dem Rennen zurück. Der Zeitung "Welt am Sonntag" sagte er, dass er möglicherweise eine eigene Partei gründen werde. Diese solle bei der nächsten Parlamentswahl antreten und die Interessen der jungen Demonstranten gegen Mubarak auf dem Kairoer Tahrir-Platz vertreten.
ElBaradei kritisierte die militärische Übergangsregierung scharf. "Das Militär geht immer noch oft genug rücksichtslos vor, es herrscht Willkür", sagte er der Zeitung. "Sie haben durch ihr miserables politisches Management im Lauf des vergangenen Jahres sehr viel an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Kein Mensch glaubt ihnen mehr." Die Armeeführung müsse ihre Machtpositionen in Staat und Wirtschaft aufgeben. "Die Armee muss lernen, dass sie eine Armee in einem demokratischen Staat ist."